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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Is fecit cui prodest; Isernia; Isewi; Isfahan; Isgoi; Ishewsk; Ishewskoje; Ishma; Ishoren; Isidorus; Isigny; Isis

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Isernia - Isis.

Isernia, Kreishauptstadtinder ital. Provinz Campobasso, am Fuß des Matesegebirges, unfern der Quelle des Volturno, hat (1881) 7678 Einw., Fabrikation von Leinwand, Pergament und Töpferwaren, Mineralquellen und ist Sitz eines Unterpräfekten, eines Bischofs und eines Tribunals. Von der alten samnitischen Stadt Äsernia, die im Bundesgenossenkrieg zerstört wurde, stehen noch alte kyklopische Ringmauern und ein gegen 2 km langer Aquädukt. Erdbeben haben die Stadt mehrmals fast ganz zerstört (847, 1349, 1805). I. ist Geburtsort des Papstes Cölestin V.

Isewi (arab., "Jesusbekenner", von Isa, "Jesus"), in der Türkei offizielle Bezeichnung der Christen.

Isfahan, Stadt, s. v. w. Ispahan.

Is fecit cui prodest (lat.), Rechtssprichwort: "Der hat es gethan (d. h. der Thäter ist in dem zu vermuten), dem es nützt".

Isgoi (russ.), ehedem in Rußland einer, der aus dem Geschlechts-, Gemeinde- oder Standesverband seines Vaters ausgeschieden und somit auf eigne Faust gestellt war.

Ishewsk, Fabrikstadt im russ. Gouvernement Wjatka, am Ish, einem Nebenfluß der Kama, mit 4 Kirchen, einer Synagoge, einer Moschee, einer großen Eisen- und Maschinenhütte sowie einer Gewehr- und Waffenfabrik (1807 gegründet) und (1879) 21,500 Einw. I. wurde 1760 von Schuwalow angelegt.

Ishewskoje, reiches Dorf im russ. Gouvernement Rjäsan, mit 3 Kirchen, Tuchfabrikation und 7700 Einw. I. versorgt den ganzen Süden Rußlands mit Böttchern.

Ishma, Fluß im nordöstlichen Rußland, durchfließt in nordwestlicher Richtung das Land der Ishemzen aus dem Stamm der Syrjänen und mündet nach 400 km langem Lauf links in die Petschora. An ihm liegt das Dorf I. mit 1600 Einw., das Zentrum aller Syrjänenstämme, ihres Handels und ihrer Industrie. Ausfuhrartikel sind: Renntierfelle (Sämischleder), Fische, Butter, Wild und Felle, welche sie von den Samojeden und Ostjaken gegen Korn einhandeln.

Ishoren (Ischoren), s. Karelier.

Isidorus, 1) I., der Heilige, von Pelusium (Pelnsiota), geboren um 370 zu Alexandria, war Archimandrit in einem Kloster bei Pelusium in Unterägypten. Sein Todesjahr ist unsicher. Wir besitzen von ihm noch 2012 Briefe, welche für die Geschichte seiner Zeit von Wichtigkeit sind. Vgl. Niemeyer, De Isidori Pelusiotae vita, scriptis et doctrina (Halle 1825); Glück, Isldori Pelusiotae summa doctrinae moralis (Würzb. 1848).

2) Bischof von Hispalis (Sevilla) seit 594, daher I. Hispalensis, gebürtig aus Cartagena, teilt mit Boethius und Cassiodorus das Verdienst, zur Zeit des gänzlichen Verfalles der Litteratur und Wissenschaft die Kenntnis der alten Klassiker einigermaßen bewahrt und auf die Nachwelt verpflanzt zu haben, in welcher Hinsicht vornehmlich sein Werk "Originum s. etymologiarum libri XX" (hrsg. von Vulcanius, Basel 1577; ferner in der Sammlung der lateinischen Grammatiker von Gothofredus, Genf 1622, und von Otto im "Corpus grammaticorum" von Lindemann, Leipz. 1833) von Bedeutung ist, eine Art von Encyklopädie, welche eine Menge der wichtigsten Notizen über das Altertum, zunächst das römische, enthält. Minder wichtig ist eine kleinere, aus ältern Grammatiken geschöpfte Schrift: "De differentiis s. proprietate verborum libri III", und noch unbedeutender die "Liber glossarum" betitelte. Als theologischer Schriftsteller trat er auf in seinem liturgischen Werk "De officiis ecclesiasticis libri II" und den "Sententiarum s. de summo bono libri III", als Geschichtschreiber in seinem "Chronicon usque ad annum V. Heraclii", worin eine kurze Geschichte der Goten, Vandalen und Sueven (hrsg. von Rösler, Tübing. 1803) enthalten ist. Er starb 636; sein Tag ist der 4. April. Über die ihm fälschlich beigelegten Dekretalen s. Dekretalen und Pseudo-Isidorus. I.' Werke wurden am besten herausgegeben von Arevalo (Rom 1790-1803, 7 Bde.) und Migne (Par. 1850); Ergänzungen in "Isidori Hispalensis liber quaestionum", gesammelt von Heine (Leipz. 1848). Vgl. H. Hertzberg, Die Historien des Isidorus von Sevilla (Götting. 1874).

Isigny (spr. isinji), Stadt im franz. Departement Calvados, Arrondissement Baveux, an der Aure unfern von deren Mündung in die Vire, 10 km vom Meer, an einer Zweiglinie der Westbahn gelegen, hat ein schönes Rathaus, (1881) 2160 Einw., Brettsägen, Ausfuhr von Butter, Käse und Eiern, Einfuhr von Getreide und Mehl, einen sichern Hafen und ein Handelsgericht.

Isis, ursprünglich ägypt. Göttin, deren Begriff und Kult durch asiatischen und griechischen Einfluß im Lauf der Zeit mannigfachen Modifikationen unterlagen. In der urägyptischen Anschauung galten I. und Osiris (s. d.) als die Repräsentanten des Nillandes und des dasselbe befruchtenden Stroms, und die Erinnerung an diese urägyptische Bedeutung zieht sich durch alle Wandlungen, welche diese Gottheiten im Lauf der Zeit erfahren haben. Osiris, der Nilgott, veranlaßt den Gebrauch des Pflugs, und I. erfindet die Behandlung des Weizens und der Gerste. Die Erde, nämlich diese als Nilland gedacht, dem alle Bildungen des Lebens entsprungen sind, ist der Leib der I. Mit Osiris ehelich verbunden, ist letztere das vom Nil befruchtete Land. Typhon, das Symbol des Feuerkults, stört durch sein Dazwischentreten den stillen Frieden des harmlosen Götterpaars. Osiris wird von ihm überlistet und getötet, von I. betrauert und gesucht (d. h. das Nilland dürstet nach dem Segen des Wassers). In ihrem Sohn Horos (s. d.) ersteht dem Vater ein Rächer. Infolge des von Syrien und Assyrien her eindringenden Sonnenkults mit seinen sinnlichen Symbolen gestaltete sich Osiris zum strahlenden Sonnengott, I. zur gehörnten Mondgöttin um. Als solche erhielt I. die ganze umfassende Bedeutung, welche die Alte Welt diesem Gestirn beilegte. Sie ist der Dämon, der die Zu- und Abnahme des Flusses, die Anschwellung der Kanäle leitet; ihre Thränen schwellen den Strom und befruchten das Land. Sie ist, wie Demeter, Spenderin der Nahrung, erfindet den Gebrauch von Weizen, Gerste und Lein; sie ist ferner, wie Demeter, Göttin der Unterwelt, beherrscht mit Osiris das Leben auch noch nach dem Tod und hat die Schlüssel des Schattenreichs in ihren Händen. Weil sie aber auch den Kranken Heilmittel im Traum angibt, so finden in ihren Tempeln Inkubationen statt, besonders von Blinden. Auch ist sie Geburtshelferin, wie alle Mondgöttinnen. Sie tritt ferner, wie Demeter, unter die Gottheiten der sittlichen Weltordnung ein: sie wird Gesetzgeberin, Stifterin der Ehe und Erhalterin der Staaten etc.; kurz, sie wird allmählich ein Wesen von der umfassendsten Bedeutung. Aber auch von der verderblichen Seite zeigt sie sich; sie bewirkt namentlich Blindheit, Schwellen des Körpers und andre leibliche Leiden. Dann ist sie auch die Göttin der Rache, die ägyptische Nemesis, die besonders den Meineid straft. Nachdem Alexandria Sitz des Welthandels geworden, beherrscht