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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Island

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Island (Bevölkerung, Naturprodukte, Tierwelt).

men meist nur im Winter vor und sind auch dann selten (etwa fünf pro Jahr). Der längste Tag währt 20-21 Stunden, der kürzeste 4; vom Mai bis September gibt es fast gar keine Nacht, besonders auf der Nordseite. In den Winternächten bringen das Eis und der Schnee, der Schein des Mondes und der Sterne sowie die häufigen und starken, in roten, gelben und grünen Farben spielenden Nordlichter ein Leuchten hervor, das die lange Dauer der Polarnacht weniger fühlbar macht.

[Bevölkerung.] Die Zahl der Bewohner Islands ist im ganzen stationär geblieben. Sie betrug 1703: 50,444, 1769: 46,201, 1786 nur 38,142, 1801: 47,240 und 1880: 72,445 Seelen, so daß gegenwärtig, wenn man nur den bewohnbaren Teil der Insel (42,068 qkm) rechnet, noch nicht zwei Menschen auf dem Quadratkilometer wohnen. Die Ursachen dieser geringen Zunahme der Bevölkerung sind hauptsächlich in den natürlichen Verhältnissen zu suchen, der Rückgang in früherer Zeit auch in großen Unglücksfällen, vulkanischen Verheerungen, häufigen Epidemien (namentlich unter Kindern), ungesunder Lebensweise, Hungersnot u. dgl. Unter den Krankheiten ist eine Art Leberkrankheit (von einem Eingeweidewurm der Schafe herrührend) gefährlich; die ältern Angaben, daß diese Krankheit durchschnittlich jeden siebenten Menschen befällt, sind sehr übertrieben. Nach neuern Untersuchungen leiden kaum mehr als 2-3 Proz. der Bevölkerung an derselben. Auch die früher auf den Vestmaninseln (Vestmannaeyjar) unter den Kindern epidemisch auftretende Maulsperre hat seit 1847 infolge einer zweckmäßigern Ernährung erheblich abgenommen. Die Isländer sind germanischen Stammes, gehören zur skandinavischen Familie und haben noch ihre eigentümliche Nationalität in völliger Reinheit bewahrt. Sie sind hoch gewachsen und kräftig, ruhig, ernst, vorsichtig, einfach in ihren Sitten, höflich und gastfrei, fromm, freiheitliebend, aber auch streitsüchtig und halten fest am Alten wie an ihrer Meinung. Ihre Sprache ist noch heute die eingeführte alte norwegische, welche man die isländische nennt, und besitzt eine alte, reiche und eigenartig bedeutende Litteratur sowie eine Fülle von Sagen (s. Nordische Sprache und Litteratur). Das Volk findet großes Vergnügen am Lesen. Landschulen gibt es nicht, aber die Eltern unterrichten selbst ihre Kinder; daher kommt es, daß man wohl kaum eine Person im Land findet, die nicht lesen und schreiben könnte. Eine gelehrte Schule besteht in Reykjavík; auch erscheinen mehrere Zeitungen. Von Holz erbaute und wohnlicher eingerichtete Häuser findet man nur in Reykjavík und in den Handelsplätzen. Auf dem Lande dagegen sind die Häuser durchgängig von Erde und Steinen gebaut und stellen gleichsam ein System von oberirdischen Höhlen dar. Ein wohleingerichteter Hof (Baer) besteht in der Regel aus sieben Häusern, von welchen das eine, worin die Bewohner sich aufhalten, 2-3 Zimmer (nebeneinander) hat. Alle Häuser sind mit Grastorf gedeckt; Öfen sind unbekannt; nur in der Küche, bei Zubereitung des Essens, wird Feuer angewendet. Leicht erklärlich sind diese Wohnungen dunkel, feucht und schmutzig, daher meist ungesund. Die Tracht der Männer besteht aus Hut und aus Jacke, Beinkleidern und Weste aus schwarzem Wollzeug. Eigentümlich sind die selbstverfertigten Schuhe aus halb gegerbtem Lammfell. Die Frauen tragen gewöhnlich eine kleine gestrickte schwarze Haube, die mit Nadeln im Haar befestigt wird und fast nur den Scheitel bedeckt; an ihrem Ende hängt an einer mit Silber- oder Goldstreifen umfaßten Abschnürung eine lange Quaste bis auf die Schulter herunter. Die aus alter Zeit überkommenen Übungen im Ringen haben sich teilweise bis zur Gegenwart erhalten.

[Naturprodukte.] Was die Mineralien betrifft, so ist I. der wichtigste Fundort für Doppelspat, der sich am Eskifjördur an der Ostküste findet, wo er einen 16 m langen, fast 8 m breiten und 3,9 m hohen Gang im Dolerit bildet. Außerdem liefert I. Chalcedone, Schwefel u. a. Die Versuche, die Schwefelbildung im großen auszubeuten, wollten nicht recht glücken; erst neuerdings (1872) hat man die Schwefellager am Mývatn verpachtet. Endlich findet sich noch der sogen. Surtarbrandur, eine Art Braunkohle, von alten Baumschichten herrührend, welche durch Basaltschichten und Lavaströme bedeckt worden sind. Es sind darunter Baumstämme von 10-13 m Länge und 0,6 m Dicke sowie Reste von Blättern und Früchten, welche beweisen, daß I. vorzeiten einen ansehnlichern Baumwuchs gehabt haben muß als jetzt, und daß die Arten der Bäume denen Amerikas nahe verwandt gewesen. Die gegenwärtigen Wälder Islands sind infolge der Stürme und vulkanischen Ausbrüche wie durch die schlechte Verwaltung in sehr ärmlichem Zustand; sie finden sich meist an den Ufergeländen der Flüsse. Außer Birken, die es jedoch meist nur zur Höhe von Haselnußsträuchern bringen, gibt es fast keine Bäume; ja, auch die Birken sind selten, und der berühmte Wald von Hals an der Nordküste, westlich von Akureyri, ist nur ein Gebüsch von etwa 1 Hektar Umfang mit einzelnen ansehnlichern Stämmen (bis 6 m hoch). Der höchste Baum der Insel ist ein Vogelbeerbaum (Reynir) von 8 m Höhe in Akureyri. Auf großen Strecken wachsen Heidekraut und Heidelbeeren, die hier als Nahrungsmittel dienen, aber erst im September genießbar werden, sowie wichtige Moosarten, darunter das weltberühmte Isländische Moos, das hier gedörrt und mit Milch zu einer Art Grütze gekocht wird, die man im N. und O. als Surrogat für Mehlbrei genießt. Alle blütentragenden Gewächse sind niedrig, aber meist sehr zierlich gebaut. Die verbreitetsten Pflanzen sind: Dryas octopetala, Silene acaulis und Statice armeria; auch Arten von Sedum und Saxifraga (S. hirculis und oppositifolia) kommen viel vor. Der Hauptreichtum besteht in den Wiesenflächen, die teilweise einen sehr üppigen Graswuchs haben; bei jedem Hofe findet man ein mit Steinen eingehegtes Stück Wiesland. Die Heumahd dauert von Mitte Juli bis zum September. Das gesamte Wiesland beträgt indes kaum 5500 qkm (100 QM.), und das bewohnbare Land, zum Teil mit sehr magern Weiden, ist überhaupt nur 42,000 qkm (764 QM.) groß. Der Anbau der Kartoffeln und der Küchengewächse, namentlich des Kohls und der weißen Rübe, nimmt von Jahr zu Jahr zu; Korn will nicht gedeihen, ein Surrogat geben in einzelnen Gegenden die Samen von Elymus arenarius, welcher auf den mit Flugsand bedeckten Strecken wild wächst. Der empfindlichste Mangel herrscht an Brennmaterialien; die vorkommenden Braunkohlen (s. oben) werden nicht benutzt, wohl aber Torf; auch brennt man eingeführte Steinkohlen, Treibholz, das in ansehnlicher Menge an die Nordküsten geschwemmt wird, Mist, Tierknochen, Fischskelette, gedörrten Seetang etc.

Die Tierwelt ist arm an Arten, wenn auch reich an Individuen. Man zählt nur wenige Säugetiere, darunter den Polarfuchs und die nur in I. vorkommende isländische Maus. Renntiere, welche erst 1770 eingeführt wurden, aber dem Isländer geradezu