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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Italien

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Italien (Bevölkerungsverhältnisse, Sprache, Religion).

Provinzen und Landschaften QKilometer QMeilen Einwohner 31. Dez. 1881

Potenza (Basilicata) 10354 188,1 524504

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Catanzaro 5174 94,0 433975

Cosenza 6698 121,6 451185

Reggio di Calabria 3177 57,7 372723

Kalabrien: 15049 273,3 1257883

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Caltanissetta 3289 59,8 266379

Catania 4984 90,5 563457

Girgenti 3019 54,8 312487

Messina 3227 58,6 460924

Palermo 5142 93,4 699151

Syrakus 3729 67,7 341526

Trapani 2408 43,7 283977

Sizilien: 25798 468,5 2927901

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Cagliari 13683 248,5 420635

Sassari 10159 184,5 261367

Sardinien: 23842 433,0 682002

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Königreich Italien: 288540 5240,4 28459628

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Bevölkerungsverhältnisse.

I. ist im ganzen dicht bevölkert, indem 99 Bewohner auf das Quadratkilometer kommen; doch zeigen die Landschaften und noch mehr die einzelnen Provinzen, in welche jene zerfallen, große Differenzen hinsichtlich ihrer relativen Bevölkerung. Die Extreme bilden die Landschaft Kampanien mit 175 und die Insel Sardinien mit 29, unter den Provinzen einerseits Neapel mit 1149, anderseits Sassari mit 26 und Grosseto mit 25 Einw. auf 1 qkm. Sehr dicht bevölkert sind auch die Landschaften Ligurien und Lombardei. Im ganzen wird I. hinsichtlich der Dichtigkeit seiner Bevölkerung unter den europäischen Staaten nur von Belgien, den Niederlanden und Großbritannien mit Irland übertroffen.

Nach der letzten Erhebung zählt I. 8259 Gemeinden mit 6,240,874 bewohnten Häusern und 4,469,500 Familien so daß je 100 Familien 72 Häuser bewohnen und 455 Individuen zählen. Die Gemeinden sind häufig von großem Umfang, da sie in der Regel mehrere Orte (frazioni), im ganzen 26,006, umfassen und außer den in zusammenhängenden Wohnplätzen (centri) befindlichen Personen auch die in getrennten Vorwerken und Häusern wohnenden in sich schließen. In manchen Gegenden Italiens, wie in Sizilien, gibt es fast gar keine kleinern Ortschaften, Dörfer im deutschen Sinn, sondern nur städtische Orte von mehreren Tausend Einwohnern. Von der Gesamtbevölkerung leben 20,684,255 oder 72,7 Proz. in zusammenhängenden Wohnplätzen beisammen und 7,775,373 oder 27,3 Proz. auf dem Land zerstreut. Die bevölkertsten Orte waren nach der Zählung von 1881: Neapel mit 463,172, Mailand mit 295,543, Rom mit 273,268, Turin mit 230,183, Palermo mit 205,712, Genua mit 138,081, Florenz mit 134,992, Venedig mit 129,445, Bologna mit 103,998 Einw.

Nach dem Geschlecht wurden 1881: 14,265,383 Männer und 14,194,245 Weiber gezählt, so daß sich ein geringer Männerüberschuß (auf 1000 Männer 995 Weiber) ergibt. Dieser Überschuß steigert sich am höchsten in der Provinz Rom (auf 1000 Männer nur 862 Weiber). Die Bevölkerungsbewegung ergibt folgende Durchschnittsresultate: auf 1000 Bewohner kommen 37 Geburten und 30 Sterbefälle; auf 1000 Geburten 72 uneheliche und 27 Totgeborne. Die Bevölkerung Italiens erleidet alljährlich durch Auswanderung einen nicht unbeträchtlichen Verlust, welcher in den letzten zwei Dezennien nur selten hinter der Ziffer von 100,00 pro Jahr zurückgeblieben ist, 1883 aber das Maximum von 169,101 erreicht und 1885: 157,193 betragen hat. Die größte Zahl von Auswanderern kommt aus Venetien, Piemont und der Lombardei. Für die Mehrzahl der Auswanderer waren europäische Länder das Reiseziel (Frankreich, Österreich, Schweiz, Deutschland u. a.). Unter den außereuropäischen Ländern dagegen übten die La Plata-Staaten (Argentina, Uruguay und Paraguay) sowie Brasilien die größte Anziehungskraft aus. Jährlich gehen 20-30,000 (1885 sogar 50,000) Italiener dahin. Im J. 1881 wurde die Zahl der im Ausland lebenden Italiener mit 1,032,392 Personen ermittelt. In europäischen Staaten leben hiervon 380,352 (Frankreich 240,733, Österreich-Ungarn 44,601, Schweiz 41,645), in Amerika 579,335 (Argentina 254,388, Brasilien 82,196, Uruguay 40,000, Vereinigte Staaten 170,000), in den Küstengebieten Afrikas 62,203 Personen.

Mit wenigen Staaten Europas teilt I. den großen Vorzug, daß es auch eine nationale Einheit bildet, daß es, wenn auch von zahlreichen einzelnen Fremden längere oder kürzere Zeit bewohnt, fast nur Italiener innerhalb seiner politischen Grenzen umfaßt und diese sich auch fast ganz mit dem Gebiet des italienischen Volkstums decken. Von allen Idiomen, welche von der lateinischen Sprache ausgingen, steht das Italienische der Muttersprache, deren Wiege es einnimmt, am nächsten. Die italienische Sprache hat den Charakter der Weichheit, und die Gesetze des Wohllautes bilden die ersten Grundpfeiler ihres grammatischen Gebäudes. Daher stehen die logischen Begriffe gewissermaßen der musikalischen Harmonie untergeordnet zur Seite. Die Sprache ist ein gleichsam erweichtes, gemildertes Latein, dessen Wortschatz kaum durch einige fremde Wörter bereichert ist. Sie herrscht in der ganzen Halbinsel südlich von den Alpen, in einem Teil der südlichen Schweiz und Tirols, in Triest, Görz und in den Küstenstädten Istriens und Dalmatiens. Im Venezianischen, wo noch heute in einigen Dörfern der sogen. 13 Gemeinden, wie der 7 Gemeinden nördlich von Verona und Vicenza, deutsch gesprochen wird, ist das Italienische erst mit dem Ausgang des Mittelalters die herrschende Sprache geworden. Auch südlich vom Monte Rosa sitzen noch Deutsche (in ganz I. zusammen ca. 25,000), wie in den Bergen Piemonts Franzosen (140,000). In den an Görz grenzenden Distrikten Friauls wohnen 30,000 Slowenen. In Apulien, Kalabrien und auf Sizilien finden sich schon seit dem 15. Jahrh. Albanesen und Arnauten (55,000), in den erstern beiden Landschaften sowie in Venedig auch Griechen (20,000) und in der Stadt Alghero und Umgebung auf der Insel Sardinien Katalonier (7000). Das Italienische zerfällt in viele Dialekte, die im gewöhnlichen Verkehr selbst von den Gebildeten gesprochen werden und so voneinander abweichen, daß es schwer hält, sich durch dieselben zu verständigen (vgl. Italienische Sprache).

Religion.

Beinahe die Gesamtheit der Bewohner des Königreichs I. (99,70 Proz.) bekennt sich zur katholischen Religion. Protestanten gibt es nur etwa 62,000, darunter 22,000 Waldenser, welche im Kreis Pinerolo wohnen und die gottesdienstlichen Gebräuche der reformierten Kirche befolgen; Juden 38,000. Nach den Bestimmungen des Fundamentalstatuts vom 4. März 1848 ist die römisch-katholische Religion die Staatsreligion, und sind die andern Kulte den Gesetzen gemäß nur toleriert. Die letztern genießen