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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Italien

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Italien (Geschichte: 12. Jahrhundert).

Punkt zu räumen gezwungen wurden, und die beginnende Eroberung von Sizilien entschieden das Schicksal der südlichen italienischen Länder. Noch Gregor VII. glaubte die normännischen Fürstentümer geteilt erhalten und die Macht Robert Guiscards einschränken zu können, aber 1080 kam eine Aussöhnung zwischen Gregor und Robert durch den Abt Desiderius von Monte Cassino zu stande; Gregor VII. belehnte Robert mit allen von ihm eroberten Gebieten, wofür sich dieser zu einer Lehnsabgabe an den päpstlichen Stuhl verstand. Als Gregor VII. 1083 von Kaiser Heinrich IV. überwunden wurde und sich ohnmächtig in der Engelsburg einschließen mußte, ward er von Robert 1084 befreit. Unter dem zweiten Herzog Roger von Sizilien gelang es, die sämtlichen normännischen Herrschaften zu vereinigen. Nachdem dieser Apulien und Kalabrien seinem Stammesvettern entrissen, nahm er 1130 den königlichen Titel als Roger I. an und eroberte auch Salerno und Amalfi. Papst Anaklet II. bestätigte Roger diese Eroberungen und den königlichen Titel, und auch Innocenz II., der Roger früher als Anhänger seines Gegenpapstes bekämpfte, versöhnte sich schließlich 1139 mit ihm und erkannte sein neues Reich als päpstlichen Lehnsstaat an.

In Oberitalien waren inzwischen die Städte zu noch größerer Macht gelangt; an der Spitze dieser Republiken standen meistens Konsuln, welche bald einen rein aristokratischen, bald einen mehr demokratischen Charakter hatten. Häufig begannen sich Verhältnisse zu entwickeln, welche mit der Tyrannis der alten griechischen Stadtrepubliken Ähnlichkeit hatten. Die Städte schlossen zuweilen größere Bündnisse untereinander und stählten ihre Kraft in nicht unbeträchtlichen Fehden. Hierher gehört der Streit, welcher 1111 mit der Zerstörung von Lodi endigte, und der zehnjährige Krieg der verbündeten lombardischen Städte gegen Como 1118-28. Durch die Bezwingung dieser Stadt wurde Mailand das anerkannte Haupt der Lombardei, und fast alle Nachbarstädte traten mit ihm in Bündnis. Nur Pavia, um dessen Banner sich andre Städte scharten, rivalisierte noch mit Mailand. Zwistigkeiten zwischen letzterer Stadt und Cremona riefen zwischen den beiden Städtebünden 1129 einen Krieg hervor, welcher unter dem Einfluß des großen Kampfes zwischen Kaiser Lothar und dem staufischen Haus einen tiefern politischen Hintergrund erhielt. Mit den Namen der beiden in Deutschland streitenden Familien der Welfen (Guelfen), der Staufer (Ghibellinen) bezeichnete man in I. noch nach Jahrhunderten die sich befehdenden Hauptrichtungen der Städte und des Adels. Je weniger es sich aber hierbei um das Interesse jener beiden deutschen Geschlechter handelt, desto wandelbarer war in I. der Begriff und die Bedeutung, welche den beiden Parteinamen beigelegt wurden. Im allgemeinen neigten die guelfischen Städte zu einer mehr demokratischen Einrichtung ihrer innern Angelegenheiten und zu Bündnissen mit den kirchlichen Mächten, besonders mit den Päpsten, während die ghibellinischen Städte im Bund mit dem landsässigen Adel dem oligarchischen Stadtregiment in mehr stetiger Entwickelung treu blieben. Daneben unterließen es weder die Ghibellinen noch die Guelfen, auch den allgemeinen Angelegenheiten Italiens ihr Augenmerk zuzuwenden; aber auch auf diesen Gebieten zeigten sie einen entschiedenen Gegensatz, indem die einen die Unabhängigkeit und Bedeutung der Nation mehr auf dem Weg einer großartigen Föderation, die andern durch ein starkes, I. als Mittelpunkt des Abendlandes betrachtendes Kaisertum zu erreichen hofften.

Die Politik der Staufer und ihr Untergang.

In der Zeit Kaiser Friedrichs I. und seiner nächsten Nachfolger trat der letztere Gegensatz in der Stellung der beiden großen Parteien wohl am stärksten hervor. Friedrich I. brachte den alten Begriff des römischen Imperiums zur deutlichsten Anschauung. Aus dem in I. neuerweckten Studium des römischen Rechts an den Universitäten und Schulen zog die kaiserliche Macht ihre praktischen Konsequenzen und beanspruchte auf Grund des alten römischen Kaiserrechts, welches zuerst auf dem großen Reichstag auf den Ronkalischen Gefilden (1158) definiert und erläutert wurde, weitgehende politische Befugnisse und Herrscherrechte über die lombardischen Städte. Die Weigerung derselben, diese Rechte anzuerkennen, führte zum Ausbruch eines erbitterten Kampfes zwischen dem Kaiser und den Städten. Fünfmal zog Friedrich I. mit den besten deutschen Heeren nach I., zweimal demütigte er das stolze Mailand und strafte es furchtbar; aber die Schlacht von Legnano 1176, der Friede von Venedig 1177 und der Konstanzer Vertrag mit den lombardischen Städten 1183 vereitelten die strenge Durchführung der ghibellinischen Prinzipien in I. für immer. Die Kaiserherrschaft vermochte bei dem Widerstand des Papsttums und der Kirche und bei der Macht der Städte nicht zu einer einheitlichen, alle Stände des Reichs beherrschenden Gewalt zu gelangen. Die Konstanzer Bestimmungen blieben aber auf Jahrhunderte die Grundlage des Rechtsverhältnisses zwischen dem deutschen Kaisertum und der Lombardei. In diesem Frieden wurde zwar die kommunale Selbständigkeit der lombardischen Städte anerkannt; aber das Lehnsverhältnis derselben zum Deutschen Reich erhielt einen bestimmtern Ausdruck als bisher, und die Verpflichtungen der Städte in Bezug auf Steuern und andre Leistungen wurden deutlich ausgesprochen. Die kaiserliche Herrschaft war demnach in Oberitalien, wenn auch in engen Grenzen, so doch der Hauptsache nach gesichert.

Dagegen wurde der größte Teil von Mittelitalien durch die territorialen Bestrebungen des Papsttums dem Einfluß des Kaisertums mehr und mehr entzogen. Die Bildung des Kirchenstaats im landeshoheitlichen Sinn schritt seit der Mitte des 12. Jahrh. unaufhaltsam fort. Zwar war im Anfang der Regierung Friedrichs I. in Rom eine republikanische Bewegung vorhanden, welche, von Arnold von Brescia geleitet, sich in romantischer Anlehnung an das Altertum gegen den Adel so gut wie gegen die weltlichen Tendenzen der Päpste richtete; allein Friedrich I. hatte selbst die Hand zur Unterdrückung dieser römischen Revolution geboten, und Arnold von Brescia fand den Tod auf dem Scheiterhaufen (1155). Seitdem arbeiteten die hervorragendsten Päpste an der vollen Entwickelung ihrer landeshoheitlichen Stellung und an ihrer sogen. Unabhängigkeit, indem sie sich einen abgerundeten Besitz zu schaffen suchten, innerhalb dessen der Kaiser jedes Realrecht verlieren, und in welchen er nur zum Empfang der Kaiserkrönung zu kommen berechtigt sein sollte. Alexander III. benutzte Friedrichs Kampf mit den lombardischen Städten, um endlich in dem schon erwähnten Venezianischen Frieden eine Reihe von hoheitlichen Rechten an sich zu reißen. Innocenz III. aber knüpfte an die Kaiserkrönung die Bedingung einer Eidesleistung, durch welche die Grenzen des Kirchenstaats bestimmt und der unbedingte Herrschaftsbesitz innerhalb derselben dem päpstlichen Stuhl zuerkannt wurde. Die Streitigkeiten um die deutsche Krone nach dem Tod