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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Italien

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Italien (Geschichte: bis 1849).

in die Flucht und zog 9. März wieder in seiner Residenz ein. Mittlerweile hatten die Österreicher den Po überschritten, besetzten Ferrara, Parma und Bologna und schlugen 25. März die Italiener bei Rimini, so daß die provisorische Regierung abdankte und die Gewalt in die Hände des Kardinals Benvenuti niederlegte. Die Österreicher besetzten Ancona und die päpstlichen Truppen Spoleto. Die Ruhe schien hergestellt zu sein, aber die thörichte Strenge des Herzogs von Modena und des Papstes machte 1832 eine neue Intervention Österreichs nötig, nachdem die Truppen bereits zurückgezogen waren. Es lag jetzt vor den Augen Europas zu Tage, daß diese Staaten ohne fremde Hilfe und österreichische Schergendienste nicht bestehen könnten; allein der neue König, Ludwig Philipp, in Frankreich wollte seinen Thron nicht durch waghalsige Unternehmungen zu gunsten Italiens aufs Spiel setzen und begnügte sich seinerseits mit der Besetzung Anconas, als die Österreicher keine Miene machten, 1833 die besetzten Orte des Kirchenstaats zu verlassen. Aber die Gärung dauerte fort, nur in Parma hatte die Herzogin nach ihrer Rückkehr durch Milde und einige zeitgemäße Reformen vieles zur Versöhnung gethan. Auch der König von Sardinien, Karl Albert, welcher das Vertrauen der Höfe wiedergewonnen hatte und 27. April 1831 zur Regierung gelangt war, befolgte anfangs ein mildes und freisinniges Regierungssystem. Doch widerstand er nicht lange dem Druck Metternichs und schloß sich den gemeinsamen Reaktionsmaßregeln der Regierungen an, welche dann zu einer Reihe von Verschwörungen Anlaß gaben, die aber alle mißlangen. Gleich erfolglos war eine Unternehmung italienischer, polnischer und deutscher Flüchtlinge in der Nacht vom 2. auf den 3. Febr. 1834, der sogen. Savoyerzug, welcher in der Schweiz geplant wurde, und bei welchem Giuseppe Mazzini thätig war, der 1831 zu Marseille die geheime Verbindung des jungen Italien gegründet hatte.

Die revolutionären Bewegungen von 1848 und die Reaktion.

Vorerst kam es darauf an, die Gärung nicht zum Stillstand kommen zu lassen. Die Erhebungen in Neapel und in der Romagna 1843 und 1844 sorgten aber dafür, daß der erwachte Nationalgeist nicht wieder erlosch. Als nun nach dem Tod Gregors XVI. 1846 im Kirchenstaat Pius IX. den päpstlichen Stuhl bestieg, schien eine Wendung eintreten zu sollen. Der neue Papst, aus Opposition gegen den österreichischen Einfluß gewählt, galt als der nationalen Sache nicht abgeneigt und sprach es offen aus, daß die Zustände Italiens reformbedürftig seien. Eine Partei der Kardinäle war für den Gedanken einer auf die Selbstthätigkeit der Gemeinden gestützten Verwaltung gewonnen worden. Anfang 1847 wurde ein milderes Zensurgesetz gegeben, und eine freilich nach patriarchalischen Vorstellungen zusammengesetzte Consulta di Stato sollte der Regierung zur Seite stehen. Diese schwachen Anfänge einer Reform machten den Papst in ganz I. nicht nur populär, sondern sie regten auch überall zu Forderungen gleicher Art gegenüber den Regierungen an. Namentlich in dem österreichischen I. erlangte die oppositionelle Stimmung eine bis dahin nicht gekannte Höhe und verschaffte sich zunächst durch kleinliche, aber doch verständliche Mittel, wie das geheime Verbot des Rauchens österreichischen Tabaks, Geltung. Inzwischen war die Revolution im Süden der Halbinsel zum Durchbruch gekommen. Ein blutiger Aufstand in Palermo nötigte den König von Neapel, zur Behauptung der schönen Insel etwas zu thun. Er erteilte daher im Januar 1848 eine Verfassung für das ganze Königreich. Im März befand sich die Lombardei in vollem Aufstand, und in Turin drängte man den König Karl Albert, zur Befreiung Italiens das Schwert zu ergreifen. Die Herzogtümer Mittelitaliens folgten der allgemeinen Bewegung. Einer der folgenreichsten Entschlüsse für die Entwickelung Italiens war aber die 24. März 1848 beschlossene Kriegserklärung Sardiniens an Österreich. Indem Karl Albert hierdurch seinen Thron gegen die republikanischen Bewegungen sicherte, schwang er sich mit einemmal an die Spitze der italienischen Unabhängigkeits- und Einheitspartei und gab seinem Staat und seiner Regierung die entscheidende Richtung. Da die Österreicher Mailand geräumt und sich hinter den Mincio zurückgezogen hatten, so besetzte die piemontesische Armee (26. März) die Hauptstadt der Lombardei, während auch Venedig durch Kapitulation der Österreicher (22. März) in die Gewalt einer republikanischen Regierung fiel. Indessen vermochte König Karl Albert weder durch das Aufgebot der regulären Truppen noch durch den Zuzug der Freischaren eine dem österreichischen, von Radetzky kommandierten Heer gewachsene Macht herzustellen. Anfangs war der Verlauf der Kriegsereignisse für die piemontesische Armee zwar nicht ungünstig, aber sie vermochte die Zentralstellung der Österreicher in dem Festungsviereck am Mincio nicht zu durchbrechen. Nachdem Radetzky Verstärkungen an sich gezogen hatte, brach er hervor und gewann durch eine Reihe von Siegen bei Curtatone (29. Mai), bei Vicenza (11. Juni) und bei Custozza (25. Juli) die Lombardei und Mailand wieder.

Die künftige Gestaltung Italiens wurde nun mehr und mehr ein Gegenstand der allgemeinen diplomatischen Erörterung, indem Frankreich und England Mittlerrollen in Anspruch nahmen und Englands Minister Palmerston das Interesse Italiens mit Nachdruck und nicht ohne die Wärme innerer Überzeugung vertrat. Aber eine Neugestaltung der politischen Verhältnisse der Halbinsel scheiterte an der Unvereinbarkeit der monarchischen Pläne Sardiniens mit den republikanischen Gestaltungen, welche mittlerweile in den mittelitalienischen Staaten und in Rom Platz gegriffen hatten. Auch war in Neapel der alte Gegensatz zu Sizilien erwacht und der blutigste Bürgerkrieg zwischen den beiden Teilen des Königreichs geführt worden. Österreich konnte alle diese Verhältnisse leicht benutzen, um die vermittelnden Westmächte zu täuschen und die einfache Wiederherstellung der alten Zustände anzubahnen. Unter diesen Umständen erneuerte Piemont im Frühjahr 1849 den Krieg gegen den übermächtigen Nachbar, welcher in den eroberten Provinzen ein strenges Militärregiment eingeführt hatte und die öffentliche Meinung von ganz I. gegen sich wachrief. Allein der Zustand des piemontesischen Heers ließ sehr viel zu wünschen übrig. Weder die Ausrüstung war eine hinreichende, noch standen die Truppen unter tüchtigen Führern. Indem Radetzky den Schein erregte, als wollte er, wie im Jahr vorher, Mailand räumen und die Minciolinie halten, täuschte er die Piemontesen gründlich und schlug dieselben bei Novara 23. März 1849 entscheidend auf das Haupt. Karl Albert, der sich allen Gefahren der Schlacht ausgesetzt hatte, aber unverwundet blieb, dankte darauf ab und übertrug, da er sich persönlich für das größte Hindernis eines erträglichen Friedens betrachtete, die Regierung seinem Sohn Viktor Emanuel II. Vor der geplanten Vernichtung durch