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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Italienische Litteratur

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Italienische Litteratur (17. und 18. Jahrhundert).

nigstens des Verfassers eisernen Fleiß bezeugt. Auch theoretisch oder praktisch belehrende Werke erschienen jetzt. Das Hauptwerk für die Geschichte der Kunst sind ohne Vergleich die "Vite de' più eccellenti pittori, scultori ed architetti" von Giorgio Vasari aus Arezzo (gest. 1574). Mehr theoretisch handelt von der Malerei und Skulptur "Il riposo" von Rafaello Borghini, in Gesprächsform. Nicht minder wichtig sind die Schriften des wissenschaftlich ungebildeten, aber höchst originellen Benvenuto Cellini (gest. 1570), besonders seine Selbstbiographie, sowie die Abhandlungen "Dell' arte della pittura" von Giampolo Lomazzi aus Mailand, die "Pareri sopra la pittura" von dem Maler Bernardino Campi aus Cremona und "De' veri precetti della pittura" von Giambattista Armenino aus Faenza. Die Baukunst behandelte Andrea Palladio aus Vicenza (gest. 1580) in seinem großen Werk "Dell' architettura". Schlecht in der Sprache, aber bedeutend für die Kunst ist die "Idea d'architettura universale" von Vicenzo Scammozzi (1616), in dessen Werken sich schon der verdorbene Geschmack des folgenden Jahrhunderts zeigt. Die Litteraturgeschichte war noch äußerst dürftig bearbeitet. Die Schrift "Dell' origine della poesia rimata" von Giammaria Barbieri (gest. 1571) enthält gute Untersuchungen über die älteste Poesie der Provençalen und Italiener. Die gelehrten Arbeiten des Antonio Possevino, seine "Bibliotheca selecta" und "Apparatus sacer", sind mehr Encyklopädien als Litteraturgeschichten. Von den Philosophen, welche mit Hintansetzung der bisherigen Systeme sich eine eigne, kühne Bahn der Forschung schufen, sind nennenswert: Girolamo Cardano (gest. 1576); Giordano Bruno (gest. 1600) und Lucilio Pompeio Vanini (gest. 1619).

Vierte Periode (17. und 18. Jahrh.).

Die vierte Periode reicht vom Ende des 16. bis gegen das Ende des 18. Jahrh. und ist die Zeit des Verfalls der italienischen Litteratur. Übertriebene Verfeinerung und Weichlichkeit, Blasiertheit und Genußsucht in den gebildetern Ständen, Abstumpfung, Aberglaube, Verdummung und Liederlichkeit dagegen in den niedern Klassen des Volkes sowie der Argwohn und die Verfolgungssucht der in den einzelnen Republiken aufgetauchten Dynastien und einer herz- und geistlosen Geistlichkeit mögen die Hauptursachen dieses bedauerlichen Rückganges gewesen sein. Was die Poesie anlangt, so wird in dieser Periode des verdorbenen Geschmacks die poetische Wahrheit und Natürlichkeit der Darstellung ersetzt durch leere Wortfülle, durch unpassende, oft plumpe und falsche Bilder, durch falschen Witz, Wortspiele, geschraubte Antithesen und unsinnige Metaphern. Doch ist nicht zu leugnen, daß deutliche Spuren dieses Übels sich schon bei Petrarca finden, und daß die Lust daran sich durch das ganze 16. Jahrh. hindurchzieht und namentlich auch bei Tasso nicht zu verkennen ist. Je mehr nun die spätern Dichter ohne innere Begeisterung die Poesie nur als ein heiteres Spiel zur Befriedigung der Eitelkeit und zur Erheiterung fremden Müßigganges betrachteten, um so mächtiger mußte auch jene falsche Richtung hervortreten. Die Zahl der Dichter, namentlich der Lyriker, ist Legion. Als Urheber des Verderbens pflegt Giambattista Marini (gest. 1625), der Verfasser des großen Gedichts "Adone", genannt zu werden. Die allgemeine Bewunderung, welche er fand, rief eine ganze Dichterschule (Marinisten) hervor, welche die Fehler ihres Meisters nachzuahmen und nach Kräften noch zu überbieten suchte. Bis zum tollsten Übermaß aber wurde diese Manier von zwei Juristen aus Bologna, Claudio Achillini (gest. 1640) und Girolamo Petri (gest. 1626), getrieben. Mit ernstem Streben, wenn auch nicht mit großem Erfolg suchten einige Dichter durch Werke gediegener Art dem Verderben zu steuern, als deren bedeutendster Gabriello Chiabrera aus Savona (gest. 1637) zu nennen ist. Derselbe versuchte der italienischen Lyrik den Geist und die Formen der Alten zu geben, weshalb er denn auch die sogen. pindarische Ode an die Stelle der Kanzone setzte; aber nur seine lyrischen Gedichte zeigen diesen edlern Stil, während er in seinen Epen selbst oft in hohlen Schwulst verfällt. Desselben Fehlers wie Chiabrera macht sich auch häufig Fulvio Testi (gest. 1646) schuldig. Männlicher und edler ist der patriotische Dichter Vincenzo da Filicaja (gest. 1707) aus Florenz, dessen Kanzonen auf die Belagerung und Befreiung Wiens berühmt sind. Benedetto Menzini aus Florenz (gest. 1704) gehört ebenfalls, besonders durch seine Satiren und seine "Arte poetica", zu den bessern Dichtern seiner Zeit. Die Königin Christine von Schweden, welche ihre letzten Jahre in Rom verlebte, hatte sich eine Art von poetischem Hof gebildet, zu welchem außer Menzini auch Alessandro Guidi (gest. 1712), welcher in der Art des Chiabrera dichtete, Giambattista Felice Zappi (gest. 1719), Francesco de Lemene (gest. 1704), Carlo Maria Maggi (gest. 1699) u. a. gehörten. Die Mitglieder dieser und einer ähnlichen Privatgesellschaft vereinigten sich später unter Gravinas und Crescimbenis Leitung zu der Akademie der Arkadier, welche ursprünglich den Zweck hatte, auf eine größere Einfachkeit und Natürlichkeit in der Dichtkunst hinzuwirken, thatsächlich aber nur neue Geschmacklosigkeiten an die Stelle der frühern setzte. Einen bei weitem höhern Platz würde Carlo Frugoni aus Genua (gest. 1768) beanspruchen können, wenn seine zahlreichen Poesien weniger ungleich wären. Ganz andrer Art, dem Geiste Dantes und Petrarcas verwandt, sind die nicht zahlreichen Gedichte des auch als Mathematiker und Astronom ausgezeichneten Eustachio Manfredi aus Bologna (gest. 1739); auch Paoli Rollis (gest. 1767) lyrische Gedichte sind nicht ohne Wert. Sehr dürftig fällt in dieser Periode die Rubrik des ernsten Heldengedichts aus. Außer den schon erwähnten, jetzt vergessenen epischen Dichtungen von Chiabrera verdient unter den sogen. Epopöen nur "Il conquista di Granada" von Girolamo Graziani (gest. 1675) allenfalls Erwähnung. Als eine eigentümliche Gattung treten zwei ernste Dichtungen hervor: "Adamo il mondo creato" von Tommaso Campailla (gleichsam ein christlicher Lukrez) und "Visioni sacre e morali" von Alfonso Varano, worin sich eine erfreuliche Rückkehr zur Gesinnung und Sprache des Dante zeigt. Besser gedieh in dieser Zeit politischer Verkommenheit das komische Heldengedicht. Als Meister in dieser Gattung gilt Alessandro Tassoni (gest. 1635), dessen Gedicht "La secchia rapita" noch jetzt auch außerhalb Italiens gelesen wird. Schwächer ist "Lo schemo degli Dei" von Fr. da Bracciolini aus Pistoja (gest. 1645). Jedem Fremden aber, ja selbst den heutigen Florentinern fast ganz unverständlich ist das "Malmantile racquistato" des Malers Lorenzo Lippi (gest. 1664). Aus der großen Zahl ähnlicher Werke erwähnen wir noch als die berühmtesten: Bartolommeo Corsinis "Torracchione desolato", des Grafen Carlo de' Dottori "L'asino", Bartolommeo Bocchinis "Le pazzie de' savj ovvero il Lambertuccio", Francesco Baldovinos "Il lamento di Cecco da Varlunga", Gianfrancesco