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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Italienische Litteratur

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Italienische Litteratur (19. Jahrhundert).

distrutta" von Cesare Arici, "La Colombiade" von Bernardo Bellini, "La coltivazione de' cedri" von Giuseppe Niccolini, "La Russiade" (Napoleons I. Feldzug in Rußland behandelnd) von Cavaliere Orti, "Camillo o Veja conquistata" von dem Historiker Carlo Botta u. a.

In der Prosa tritt uns hier zum erstenmal der Roman und zwar vorzüglich der historische entgegen. Während französische und englische Schriftsteller den Roman in immer neuen Formen pflegten, genügte den Italienern die poetische Form des bei ihnen so reich vertretenen romantischen Epos, und der Mangel einer ausgebildeten Geselligkeit ließ sie das Bedürfnis einer andern Gattung nicht empfinden. Die von den "Ultime lettere di Jacopo Ortis" angeschlagene Saite klang zwar in den zahlreichen Romanen Bertolottis nach, aber ohne bedeutenden Beifall zu finden. Erst als der Ruhm Walter Scotts und die Bewunderung seiner Werke nach Italien drang, kam auch hier der historische Roman als eine den Italienern bis dahin unbekannte Gattung der Poesie in Aufnahme. Besonders war es Manzoni (gest. 1873), welcher durch seine "Promessi sposi" zuerst die Bahn brach, auf welcher er unzählige Nachfolger gefunden hat. In Manzonis Fußstapfen traten der Pisaner Giovanni Rosini (gest. 1855) mit seiner "Monaca di Monza" sowie später in seiner "Luisa Strozzi", Massimo d'Azeglio (gest. 1866) in "Ettore Fieramosca" und im "Niccolò de' Lapi", Tommaso Grossi (gest. 1853) im "Marco Visconti", Cesare Cantù in der "Margherita Pusterla". Andre Romanschriftsteller jener Zeit sind: Bazzoni, Varese, Falconetti, Lanzetti, Defendente Sacchi, Marocco, Zorzi, Luigi Vigna, Santa Rosa, Giacinto Battaglia, Ranieri. Eine Art von "Kraftgenie" entwickelte Francesco Domenico Guerrazzi (gest. 1873) in den Romanen: "La bataglia di Benevento", "L'assedio di Firenze" u. a.; einen entschiedenen Tendenzroman schrieb der Jesuit Bresciani im "Ebreo di Verona". Interessant ist der Charakterroman "Fede e bellezza" von Niccolò Tommaseo (gest. 1874). Dem gemütlichen Kreis des Familienlebens wendete sich zuerst Giulio Carcano zu in seinen Erzählungen ("Angiola Maria", "Racconti"); später folgten in dieser Richtung Vittorio Bersezio, Gherardi del Testa, Ferdinando Bosio und der zu großer Popularität gelangte Cesare Donati ("Perungomitolo"). Dem historischen Roman wendeten sich wieder zu: Giorgio Cimino, Giacomo Oddo, Rusconi, Tigri, Pietro Fanfani (gest. 1879; "Cecco d'Ascoll"). Zu den geschätztesten Erzeugnissen auf dem Gebiet des Romans gehören auch die "Memorie d'un ottagenario" von Ippolito Nievo und die "Cento anni" von Rovani; mit Erzählungen für die Jugend gelangte Pietro Thouar zu bedeutendem Ruf. Von sonstigen Erzählern mögen noch genannt sein: Cleto Arrighi, Torquato Giordana, Pompeo Gherardo Molmenti ("Maria"), De Amicis als Verfasser der "Bozzetti della vita militare"; ferner Ant. Giulio Barrili, Antonio Ghislanzoni, Giovanni Verga ("Il marito di Elena"), Salvatore Farina ("Il mio figlio", "Caporal Silvestro"), Enrico Castelnuovo, Luigi Capuana ("Giacinta"), Domenico Ciampoli ("Diana"), die Romandichterin Grazia Pierantoni-Mancini ("Dalla finestra") u. a.

Was die wissenschaftliche Litteratur in diesem Zeitraum betrifft, so hat sich zunächst auch ein ernsterer und gründlicherer Sinn für die Geschichte offenbart, wovon namentlich das "Archivio storico italiano" das beste Zeugnis ablegt. Sehr gründlich sind die Forschungen Giuseppe Micalis (gest. 1844); seine frühern Untersuchungen über den ältesten Zustand Italiens erschienen zuerst unter dem Titel: "L'Italia avanti il dominio de' Romani", dann sehr erweitert und mit Bezugnahme auf die Arbeiten deutscher Gelehrten unter dem Titel: "Storia degli antichi popoli d'Italia". Ebenfalls gründlich und ausgezeichnet sind die Arbeiten von Garzetti: "Della condizione d'Italia sotto il governo degli imperatori romani" und "La Germania e suoi popoli". An diese Werke schließt sich Atto Vanuccis "Storia dell' Italia antica". Die umfassendste historische Arbeit ist Cesare Cantùs "Storia universale", welche 37 Bände umfaßt und größtenteils auf deutschen Forschungen und Vorarbeiten beruht. Unter den sonstigen Geschichtschreibern sind hervorzuheben: Carlo Botta (gest. 1837), Verfasser einer "Storia della guerra dell' independenza degli Stati Uniti d'America" und einer "Storia d'Italia dal 1789-1814"; Vincenzo Cuoco (gest. 1823), der in einem nachlässig geschriebenen, aber sonst vortrefflichen "Saggio storico sulla rivoluzione di Napoli" meist selbsterlebte Thatsachen erzählt; Pagano, mit seiner "Storia del regno di Napoli", und Pietro Colletta, mit der "Storia dei reame di Napoli dal 1734-1825". Von vorzüglichem Wert sind auch die "Considerazioni sulla storia di Sicilia dal 1532-1789" von Pietro Lanza, die Schriften: "La guerra del Vespro Siciliano" und "Storia dei musulmani di Sicilia" von Michele Amari. Als Werke gelehrten Fleißes verdienen Auszeichnung: "Storia delle relazioni vicendevoli dell' Europa e dell' Asia" des Grafen Baldelli-Boni, die "Annali d'Italia dal 1750" (eine Fortsetzung Muratoris) von A. Coppi, vor allem aber die "Famiglie celebri d'Italia" vom Grafen Pompeo Litta und die "Tavole cronologiche e sincrone della storia fiorentina" des Deutschen Alfred Reumont. Von größern allgemeinen Werken sind zu nennen: Luigi Bossis "Storia antica e moderna d'Italia" und "Storia della Spagna", Lorenzo Pignottis (gest. 1812) "Storia della Toscana fino al Principato" und Pietro Custodis Fortsetzung der "Storia di Milano" von Pietro Verri (s. oben). Das umfassendste neuere Werk über Italien ist die "Storia generale d'Italia", von den ältesten (vorrömischen) Zeiten bis auf die neueste Zeit, von Giov. Campiglio. Interessante Beiträge zur ältern Geschichte Italiens liefern die von Molini aus der Pariser Bibliothek herausgegebenen "Documenti di storia d'Italia". Auch eine Menge Spezialgeschichten, darunter recht treffliche, sind weiterhin noch erschienen, so Vareses "Storia della repubblica di Genova fin' all' anno 1814", Celesias "Storie genovesi" und "Storia dell' università di Genova", Luigi Cibrarios "Storia della monarchia di Savoia" und "Origine e progresso delle istituzioni della monarchia di Savoia", Caruttis "Storia della diplomazia della corte di Savoia". Die Geschichte Piemonts behandelten Ricotti ("Storia del Piemonte") und N. Bianchi ("Storia della monarchia Piemontese"). Carutti gab eine "Storia del regno di Vittorio Amadeo II." und eine "Storia del regno di Carlo Emmanuele III."; Giuseppe Massari schrieb "La vita e il regno di Vittorio Emmanuele II. di Savoia", Romanin eine ausführliche "Storia di Venezia", welcher sich Molmentis "Storia di Venezia nella vita privata" anschließt. Über Sizilien schrieben nach Giuseppe Alessi ("Storia critica di Sicilia") Isidoro La Lumia ("Studj di storia siciliana"), Mortillaro ("Leggende siciliane"),