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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ivry; Iwan

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Ivry - Iwan.

ches die Römer auf Anraten der Sibyllinischen Bücher gründeten. Später war es Sitz langobardischer Herzöge und nach Eroberung des Langobardenreichs durch Karl d. Gr. Hauptort einer Markgrafschaft. Nach der Absetzung Karls des Dicken (887) standen die Markgrafen von I. unter denen, welche sich um die italienische Königskrone bewarben, mit obenan. Markgraf Berengar bemächtigte sich sogar vorübergehend als Nebenbuhler Hugos, Königs von Italien, des Throns, und sein Sohn Adalbert II. führte nach dessen Tod 966 den Titel fort. Dessen Sohn Otto wurde der Gründer des Geschlechts der Grafen von Burgund; doch besaß das Geschlecht in ununterbrochener Reihenfolge die Markgrafschaft I., bis Kaiser Heinrich II. 1018 dieselbe den Söhnen des aufrührerischen Markgrafen Arduin, erwählten Königs von Italien, entriß und dem Reich einverleibte. Bei diesem blieb sie, bis 1248 Kaiser Friedrich II. den Grafen Thomas von Savoyen mit I. belehnte.

Ivry, 1) I. la Bataille, Dorf im franz. Departement Eure, Arrondissement Evreux, links an der Eure, mit Resten einer Abtei und eines Schlosses (beide aus dem 10. Jahrh.) und (1876) 1095 Einw., welche Fabrikation von Musikinstrumenten, Kämmen und Leder betreiben. Ein Obelisk erinnert an den Sieg Heinrichs IV. über die Ligue 14. März 1590. - 2) I. sur Seine, Dorf im franz. Departement Seine, Arrondissement Sceaux, 1 km südöstlich von Paris, an der Seine und der Orléansbahn, hat ein großes Siechenhaus (für Paris), zahlreiche Villen, (1881) 18,442 Einw., Gemüsekultur, Fabrikation von Kautschuk, Seilerwaren, Fayence- und Marmorwaren, Öl, Bierbrauereien etc. Im S. etwas erhöht das Fort I.

Iwan (russ., s. v. w. Johann), Name mehrerer russ. Großfürsten und Zaren, von denen die namhaftesten sind:

1) I. I., Danilowitsch, auch Kalita (der "Almosenspender", wörtlich "die Tasche", "der Geldsack", also vielleicht im Sinn von "der Sparsame" zu verstehen) genannt, war erst Fürst von Wladimir, Nishnij Nowgorod und Moskau und ward 1328 durch die Tataren, nach der Absetzung Alexanders II., zum Großfürsten von Moskau erhoben. Er starb 1341.

2) I. II., Sohn des vorigen, geb. 30. März 1326, folgte seinem ältern Bruder, Semen (Simeon), 1353 in der Regierung, verlor bedeutende Länderstrecken am Dnjepr an die Litauer und starb 13. Nov. 1359.

3) I. III., Wasiljewitsch, Sohn Wasilijs des Blinden, Großfürsten von Moskau, geb. 22. Jan. 1440, bestieg 17. März 1462 den Thron und fügte dem moskowitischen Großfürstentum Twer, Moshaisk, Wologda und andre Gebiete hinzu. Er vermählte sich 1472 mit Sophie, Tochter des Thomas Paläologos, Bruders des letzten byzantinischen Kaisers, wodurch der doppelköpfige byzantinische Adler in das russische Wappen kam. 1478 unterjochte er das blühende Nowgorod, und 1480 machte er sich von der Abhängigkeit von den Tataren frei. Er war der erste, welcher den Titel Zar von Großrußland führte und die Einheit und Unteilbarkeit des russischen Reichs proklamierte; er starb 27. Okt. 1505.

4) I. IV., Wasiljewitsch, mit dem Beinamen der Schreckliche, geb. 25. Aug. 1530, Sohn Wasilijs IV., Enkel des vorigen, regierte, anfangs unter Vormundschaft seiner Mutter, 1534-84. Am 16. Jan. 1547 zum Zaren gekrönt, unterwarf er 1552 Kasan und 1554 Astrachan. Seine Gelüste auf das in den Händen der Deutschen Ritter befindliche Livland vereinigten aber Schweden, Polen und Dänemark zu einem Bündnis gegen ihn. Während seiner Regierung begann die Eroberung Sibiriens. Durch Stephan Báthori in die Enge getrieben, suchte er um Hilfe bei dem deutschen Kaiser Rudolf II. und dem Papst Gregor XIII. nach und trat in dem durch den päpstlichen Nunzius 1582 zu stande gebrachten Waffenstillstand zu Zápolya seine Ansprüche auf Livland ab. Nowgorod ließ er seine Unabhängigkeitsgelüste 1570 mit dem Tod von 60,000 Einwohnern büßen. Auch Twer, Moskau u. a. O. erfuhren seine Grausamkeit. Schon während der Minderjährigkeit Iwans war das Volk durch Parteihader der Großen, Willkür und Grausamkeit schwer heimgesucht worden. Später veranlaßte der Kampf des Zaren mit den Bojaren, insbesondere vom Jahr 1564 ab, eine Reihe terroristischer Maßregeln, von denen nicht bloß der Adel, sondern auch die andern Stände betroffen wurden. Dagegen hat sich I. auch Verdienste um die Zivilisation seines Volkes erworben, hat deutsche Gelehrte, Künstler und Handwerker nach Rußland gezogen und, nachdem die Engländer im J. 1553 den Seeweg nach Archangel aufgefunden hatten, durch einen Vertrag mit England den russischen Handel begründet. Auch die Militärverfassung der Strelitzen ist auf ihn zurückzuführen. Im Jähzorn tötete I. seinen ältesten Sohn, Iwan. Er starb 17. März 1584.

5) I. V., Alexejewitsch, zweiter Sohn des Zaren Alexei und Halbbruder des nachmaligen Kaisers Peter I., geb. 27. Aug. 1666, wegen seiner körperlichen und geistigen Schwäche nach dem Tod seines Bruders, des Zaren Feodor, 1682, anfangs bei der Entscheidung der Frage von der Thronfolge übergangen, wurde, nachdem sein jüngerer Bruder, Peter, etwa einen Monat hindurch allein Zar gewesen war, von den Strelitzen auf Veranlassung seiner Schwester Sophie zum Zaren ausgerufen. Während der Zweiherrschaft Iwans und Peters herrschte deren Schwester Sophie bis zum Jahr 1689. Auch später beteiligte sich I. thatsächlich nicht an der Regierung. Er starb 29. Jan. 1696.

6) I. VI., Sohn des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig-Bevern und der russischen Großfürstin Anna Leopoldowna, geb. 24. Aug. 1740, wurde gleich nach seiner Geburt von der Kaiserin Anna Iwanowna als Sohn angenommen und von derselben bei ihrem Ableben in demselben Jahr zu ihrem Nachfolger unter der Vormundschaft Birons ernannt. Am 28. Okt. 1740 wurde dem jungen Kaiser gehuldigt. Kurz darauf aber stürzte seine Mutter Biron und nahm die Zügel der Regierung selbst in die Hand. Infolge der Thronumwälzung (5. Dez. 1741) zu gunsten Elisabeths, der Tochter Peters I., verlor er Krone und Freiheit, wurde mit seinen Eltern und seiner Schwester nach Riga gebracht, dann in Dünamünde und in Renenburg gefangen gehalten. Im J. 1744 wurde er von seinen Angehörigen getrennt und nach Cholmogory gebracht. Die Besorgnis, daß Friedrich d. Gr. einen Versuch zur Befreiung Iwans unternehmen werde, veranlaßte im Jahr 1756 seine Überführung nach Schlüsselburg, wo er mit Ausnahme eines kurzen Aufenthalts in Petersburg 1757 und einer Reise nach Kexholm 1762 in strengem Gewahrsam verblieb. Der Versuch einer Rebellion zu gunsten Iwans, welchen ein Offizier, Mirowitsch, machte, veranlaßte in dem Augenblick, als der Verschwörer mit einer Anzahl Soldaten dem Kerker nahte, um den ehemaligen Kaiser zu befreien, 5. Dez. 1764 dessen Ermordung durch zwei Offiziere, deren Obhut er anvertraut war, und die in dem gegebenen Fall einer Instruktion entsprechend handelten. Die lange Haft hatte den