Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jagdbar; Jagdfolge; Jagdfrone; Jagdgedichte; Jagdgerecht; Jagdgeschütze; Jagdgewehr

126

Jagdbar - Jagdgewehr.

bell, Wildanger, Skizzen aus dem Gebiet der J. und ihrer Geschichte (Stuttg. 1859).

Jagdbar, das Wild, welches der Jagdordnung gemäß zum Abschuß gelangen kann; auch ein Hirsch von zehn Enden; "stark j." heißt der Hirsch, wenn er mehr als zehn Enden aufgesetzt hat; s. Geweih.

Jagdfolge, das Recht, angeschossenes oder angehetztes Wild auch auf fremdem Revier zu verfolgen. Im Bereich der Gültigkeit des Landrechts war die jetzt aufgehobene J. durch die Bestimmungen Teil 1, Titel 9, § 130 ff. geregelt. Zur Ausübung der J. gehörte nach den sonst gewöhnlich durch die Forstordnungen getroffenen Bestimmungen, daß Haar oder Schweiß auf dem eignen Revier dargethan worden, daß die Folge binnen 24 Stunden nach dem Anschuß geübt wird und aufhört, wenn der Schweißhund die Fährte verläßt. Das Gewehr muß zurückgelassen und das erlegte Stück darf vor erfolgter Anzeige an den Besitzer des Nachbarreviers nicht fortgeschafft werden, welche binnen 24 Stunden erfolgen muß. Jetzt ist die J. aufgehoben.

Jagdfrone, s. Jagd, S. 124.

Jagdgedichte, eine Art altdeutscher Dichtungen, in welchen das ritterliche Liebeleben unter der Allegorie einer Jagd dargestellt wird. Die sinnvollste Produktion dieser Art ist die "Jagd" des Hadamar von Laber (s. d.); andre führen die Titel: "Der Minne Falkner", "Jagd der Minne" etc. Ähnliches ist der Fall bei Kaiser Maximilians "Teuerdank", wo Hirsch-, Gemsen- und Bärenjagden eine große Rolle spielen.

Jagdgerecht, den weidmännischen Vorschriften entsprechend.

Jagdgeschütze, die im Bug eines Kriegsschiffs aufgestellten Geschütze (Bugarmierung), meist lange, weit tragende 15 und 21 cm Kanonen, aus welchen ein fliehendes feindliches Schiff bei der Verfolgung beschossen wird; die Bezeichnung J. paßt daher, streng genommen, nur für schnell fahrende Kreuzer und Avisos. In Frankreich wurden zuerst 1865 bei dem Panzerschiff Alma zwei feste, über die Bordwände vorspringende Panzertürme gebaut, in welchen die J. auf Drehscheiben standen.

Jagdgewehr, die Handfeuerwaffe, welche bei Ausübung der Jagd benutzt wird: ein Kugelgewehr, die Büchse, mit gezogenem Lauf zur Erlegung des Elch-, Rot- und Damwildes sowie der stärkern Sauen und des Rehwildes, wenn solches beim Birschen geschossen wird, und ein Schrotgewehr, die Flinte, mit meist glattem, seltener mit seinen Haarzügen versehenem Lauf zur Erlegung des Federwildes und des kleinen Haarwildes. Gewöhnlich haben die Jagdgewehre zwei Läufe: Doppelflinte, Doppelbüchse, Büchsflinte mit rechts liegendem Büchsen- und links liegendem Flintenlauf und das Doppelzeug, bei welchem man beliebig die Büchsflinten- oder die Doppelflintenrohre einlegen kann (Einlegeläufe). In neuerer Zeit bevorzugt man Hinterlader möglichst einfacher Konstruktion. Obgleich auch hier Mauser-, Vetterli-, Werndl-, Martini- und andre Systeme im Gebrauch sind, hat doch das System des Aufklappens der hintern Laufmündungen zum Laden die weiteste Verbreitung gefunden. Bei dem 1834 bekannt gewordenen Lefaucheux-Gewehr kam es zuerst zur Anwendung (s. Figur), hat aber im Lauf der Zeit verschiedene Einrichtung erhalten, z. B. Aushebung des Verschlusses durch einen auf und nieder zu bewegenden oder auch seitlich verschiebbaren Hebel vor dem Abzugsbügel. Die Patrone besteht aus einer niedrigen messingenen Bodenkapsel, durch deren Rand senkrecht der unten vom Zündhütchen umgebene Zündstift geht, auf welchen der Hahn des Perkussionsschlosses schlägt. In der Kapsel steckt die aus Papier oder Pappe rollierte Hülse zur Aufnahme der Ladung. Sehr beliebt sind ferner das Doppelzündnadelgewehr von Dreyse sowie das Patentzündnadelgewehr von Teschner in Frankfurt a. O. Letzteres unterscheidet sich vom erstern im wesentlichen dadurch, daß an die Stelle der Zündnadel mit Spiralfeder ein Schlagbolzen mit Schlagfeder getreten ist, und daß das Zündhütchen hinten am Patronenboden sich befindet. Die abgeschossene Patronenhülse wird beim Aufklappen des Laufs durch einen Auszieher selbstthätig ausgeworfen. Man nennt diese Gewehre, zum Unterschied von den Lefaucheux, Zentralfeuergewehre. Eine ausgezeichnete Waffe ist das Diana-Gewehr von Pieper in Lüttich, bei dem ein Perkussionshahn auf einen kurzen, federnden Schlagbolzen zur Zentralzündung schlägt. Durch den Druck auf einen zwischen den Hähnen stehenden Griff löst der doppelte Verschluß aus, und die Läufe klappen herunter. Aber auch Dreyse in Sömmerda und Sauer in Suhl liefern nicht minder ausgezeichnete Jagdgewehre der verschiedensten Konstruktion, darunter auch Revolverbüchsen und ein Mitrailleusengewehr für Flugwild-, namentlich Entenjagd, welches, auf einem Pivot drehbar, auf jedem Boot befestigt werden kann.

Eine gute Birschbüchse muß eine möglichst rasante Flugbahn haben, d. h. auf 80-120 Schritt möglichst gleiche Höhe schießen, weil es nach der verschiedenen Beleuchtung und nach der Beschaffenheit der Bestände, in welchen das Wild steht, schwierig ist, die Entfernung ganz richtig zu schätzen; keinenfalls darf die Kugel seitlich von der Visierlinie abweichen. Die Form des Geschosses dürfte am zweckmäßigsten die des Langbleies sein, weil Spitzkugeln sich leicht verschlagen. Man wählt nicht zu starke Kaliber (unter Kal. 20), weil mit solchen keine rasante Flugbahn zu erzielen ist, und nicht zu kleine (über Kal. 28), weil sie wenig Schweiß geben und dadurch die Nachsuche erschweren. Die Büchsen mit Metallpatronen (Mauser-Büchsen), aus welchen ein kleines Langblei mit sehr starker Pulverladung geschossen wird, geben jedoch beim Ausschuß eine erweiterte, stark schweißende Wunde. Die Flinten müssen die Schrotladung gut zusammenhalten, sie dürfen nicht zu sehr streuen, was namentlich bei dem Schuß mit stärkern Schrotsorten (Hasenschrot) häufiger als bei dem mit feinen Schroten der Fall ist. Man hat, um dies zu erreichen, in neuester Zeit eine besondere Bohrung der Rohre, die Würge oder Shoke-Bohrung, eingeführt. Damit aber das Wild nicht nur von einer hinreichenden Zahl von Schrotkörnern getroffen, sondern auch von denselben getötet wird, müssen die Flinten scharf

^[Abb.: Lefaucheux-Gewehr mit Bügelverschluß.]