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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jagdzeug

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Jagdzeug.

einer 150 Schritt langen, fingerstarken Leine oben festgenäht und auf denen der Namenszug des Jagdherrn, oft auch das Jahr der Anfertigung angebracht sind. Die Federlappen werden auf einen Haspel aufgewunden, die Tuchlappen auf einen etwa meterlangen Heftel nach Art einer Waschleine aufgeschlungen. Jede so aufgewundene Leine von 150 Schritt Länge heißt ein Bund Lappen. Man richtet diese Lappen möglichst frei, damit sie schon von weitem vom Wild gewahrt werden, auf den Linien, über welche dasselbe nicht fortfliehen soll, indem man die Leine um dort stehende Bäume schwingt oder sie auf 15 Schritt entfernte, in die Erde geschlagene Stellstangen hängt. Für Rotwild werden sie 1½ m, für Rehe 1 m, für Hasen und Füchse ½ m hoch angebracht. Sicherer erreicht man bei Hochwild den beabsichtigten Zweck durch Dublieren, d. h. Aushängen zweier Lappenleinen übereinander, so daß die untere etwa ¾ m vom Boden entfernt ist. Besonders bei windigem Wetter läßt sich das Wild durch die hin- und herwehenden Lappen scheuchen, wird dasselbe aber stark beunruhigt, so respektiert es diese nicht mehr; auch kann man es in einer Lappstatt nicht über Nacht halten, weil im Dunkeln die Lappen nicht blenden. Soll dies geschehen, so müßten die Lappenlinien verfeuert werden. Man benutzt daher

2) die Sperrzeuge dazu, um das Wild in einem Distrikt so festzuhalten, daß es selbst mit Gewalt nicht zu entweichen vermag. Sie bestehen: a) aus den Tüchern (dunklem Zeug) und zwar den hohen Tüchern, welche für Rot- und Damwild benutzt werden und etwa 3 m hoch, und aus den halben Tüchern für Rehe und Sauen, welche etwa 2 m hoch stellen. Sie werden aus starker Leinwand gefertigt, welche oben und unten um eine 150 Schritt lange, fingerstarke Leine, die obere und untere Saumleine, genäht ist. Damit sich das Tuch schieben und prall stellen läßt, sind an diesen Saumleinen entweder eiserne Ringe festgenäht (Ringtücher), oder es ist daran ein Gemäsch aus starkem Bindfaden angebracht (Gemäschtücher). Durch die Ringe oder das Gemäsch ist oben und unten eine starke Leine, die Ober- und Unterleine (Arche), gezogen, welche etwa 30 m länger sein muß als das Tuch. Um die Tücher aneinander zu befestigen, sind in den Enden (Wechseln) derselben Bindlöcher und Knebel angebracht; bisweilen fehlen jedoch letztere, und da man dann die Tücher nicht aneinander knüpfen kann, so muß man sie in der Weise verbinden, daß durch die Bindlöcher eine Leine (Wechselleine) oder eine fingerstarke Gerte (Wechselrute) gezogen wird. Zur Richtung eines Tuches gehören elf starke Stellstangen, die oben eine kleine Gabel oder eine tiefe Kerbe haben und so lang sein müssen, daß sie, etwa 1/3 m in die Erde gestoßen, die Höhe des Tuches haben. Soll gestellt werden, so fährt der Zeugwagen langsam an der Stelllinie hin, 12 Mann heben das Tuch vom Wagen und schlagen es aus, 2 Mann schlagen Heftel in den Boden und binden daran die Enden der Ober- und Unterleinen an, 2 Mann knebeln die Wechsel ein, 2 Mann stoßen mit Pfahleisen die Löcher für die Stellstangen in den Boden, 4-6 Mann tragen diese herzu und richten sie auf, 6-8 Mann heben die Oberleine mit Hebegabeln auf die Stellstangen und ziehen Ober- und Unterleine so straff an, daß sich zwischen den Stellstangen keine Bogen bilden, ein Mann schlägt die Heftel für die Windleinen in den Boden, und 2 Mann binden diese an der Oberleine und den Hefteln an, damit das Tuch nicht vom Wind umgeworfen werden kann, sondern von beiden Seiten festgehalten wird. Endlich tragen 4-6 Mann Heftel herbei, um die Unterleine am Boden damit festzuhaken, weil sonst das Wild diese heben und durchkriechen könnte. Sobald der Zeugwagen sein letztes Tuch abgeladen hat, bleibt er bei dem Wechsel desselben außerhalb der Stellung stehen. An den Stellen, wo das Zeug einen Winkel bilden (sich brechen) muß, wird es entweder um einen Baum geschwenkt, oder, falls ein solcher fehlt, auf stärkern Stellstangen (Krummruten) befestigt. Wo sich Bäume in der Stelllinie befinden, befestigt man die Tücher der größern Haltbarkeit wegen an denselben durch Anbinden der Windleinen. Da das Aufrichten des Jagdzeugs möglichst schnell erfolgen muß, so stellt man auf zwei Flügeln, d. h. man verknüpft zwei Tücher oder Netze an den Wechseln und stellt nun nach rechts und links. Eine besondere Art von Tüchern sind die Rolltücher, welche dazu dienen, das Wild aus der Stellung heraus auf den Lauf zu lassen. Das Rolltuch stellt gleichfalls 150 Schritt, besteht aber aus fünf Abteilungen, welche an den Enden (Wechseln) mit Bindlöchern und Knebeln versehen sind. An jedem Wechsel stehen 2 Mann, welche auf Kommando diese auf- oder zuknebeln und mit dem Tuch wie mit einem Vorhang so nach rechts und links laufen, daß die Tuchwand je nach Bedürfnis geöffnet oder geschlossen ist. Denselben Zweck kann man auch mit einem gewöhnlichen Tuch erreichen, wenn man dasselbe als Schnapptuch stellt. Die Stellstangen (Schnappstangen) müssen besonders stark und gut in der Erde befestigt, auch oben mit Rollen versehen sein, über welche die an der Oberleine befestigten Windleinen laufen. Mit Anziehen oder Nachlassen derselben kann das mit der Unterleine an der Erde festgeheftelte Tuch nach Bedarf schnell gehoben und auch wieder bis auf den Boden herabgesenkt werden. b) Die Netze (lichte Zeuge) sind entweder Prellnetze oder Fangnetze. Bei den erstern sind die Maschen spiegelig, d. h. sie bilden aufrecht stehende Rechtecke, bei den letztern dagegen bilden sie verschobene Vierecke. Man verbindet diese aus starkem Bindfaden gestrickten, 150 Schritt langen, auf einer Ober- und Unterleine verschiebbaren Netze an den Enden (Wechseln) mittels einer durch die Maschen gesteckten Wechselrute und stellt sie in derselben Weise wie die Tücher. Gewöhnlich gebraucht man sie zum Dublieren der Kammern, in denen das Wild auf einen kleinen Raum zusammengebracht ist, wo die Stellung daher besonders gesichert werden muß. Beim Dublieren auf Rotwild werden die Netze nach außen, auf Sauen dagegen nach dem Innern des Jagens dicht an die Tücher gestellt, damit die Hirsche sich nicht mit den Geweihen in den Maschen der Netze verwickeln und die Sauen nicht mit ihren Gewehren die Tücher aufschlitzen können. Zum Fangen des Wildes sind nur die Fangnetze verwendbar, sie werden aber dann nicht prall, sondern busig, d. h. so lose gerichtet, daß sie nur zwei Drittel der Höhe und der Länge stellen; auch müssen die Stellstangen (Fangstangen), auf welchen sie mit der Oberleine an kleinen Zapfen hängen, das Herabgleiten gestatten, sobald Wild in das Netz fällt, damit die Oberleine hinter dem Wild herabrutscht und sich letzteres in dem Busen des Netzes verwickelt. Je nach der Wildart, auf welche die Netze verwendet werden sollen, sind sie wie die Tücher von verschiedener Höhe.

Das J. muß nach jedesmaligem Gebrauch gut getrocknet und ausgebessert werden. Man bewahrt dasselbe in besondern Jagdzeughäusern auf, welche so eingerichtet sind, daß stets genügender Luftzug hergestellt werden kann, damit das Zeug nicht stockt. Die Aufsicht, den Transport und das Stellen haben