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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jägersdorf; Jaggery; Jagić; Jagielnica; Jagni Dagh; Jago; Jagodina; Jagow; Jagrezucker; Jagst; Jagstfeld; Jagsthausen

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Jägersdorf - Jagsthausen.

zu gegenseitiger Erheiterung einander aufzugeben pflegten, und in denen ein reicher Schatz von Kenntnissen, Künsten, Sitten und Wörtern, welche auf die Jagd Bezug haben, aufgespeichert ist. Viele dieser Sprüche, die meist mit "Lieber Weidmann, sag mir an" u. dgl. anfangen, sind in Handschriften des 16. und 17. Jahrh. erhalten, reichen aber offenbar in ein höheres Alter zurück; sie sind zusammengestellt in Grimms "Altdeutschen Wäldern" (Bd. 3). Vgl. Grässe, Jägerbrevier (2. Aufl., Wien 1869).

Jägersdorf (Groß-J.), Dorf im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, Kreis Insterburg, mit 490 evang. Einwohnern, bekannt durch die Schlacht zwischen Russen und Preußen 30. Aug. 1757. Jene, 100,000 Mann stark, waren unter Apraxins Oberbefehl im Juni d. J. verwüstend in Preußen eingedrungen und hatten bei J. eine feste Stellung eingenommen, welche im Rücken und in den Flanken durch natürliche Hindernisse gesichert war. Hier griff sie Feldmarschall Lehwaldt auf Befehl Friedrichs d. Gr. mit der zum Schutz Preußens bestimmten Armee von 24,000 Mann an und richtete seinen Stoß vornehmlich auf den feindlichen linken Flügel. Die russische Kavallerie und die erste Linie der Infanterie wurden geworfen, drei Batterien erobert. Aber das überlegene Kartätschenfeuer der russischen Artillerie erschütterte die Reihen der tapfern Angreifer, und als Graf Romanzow 20 frische Bataillone auf dem bedrohten linken Flügel ins Gefecht führte, konnten die Preußen das Schlachtfeld nicht behaupten und zogen sich mit einem Verlust von 4600 Toten und Verwundeten und 28 Geschützen in guter Ordnung über den Pregel zurück.

Jaggery (spr. dschäggeri), s. v. w. Palmzucker.

Jagić (spr. -gitsch), Vatroslav, slaw. Philolog, geb. 6. Juli 1838 zu Warasdin, studierte in Wien und wirkte 1860-70 als Lehrer am Gymnasium zu Agram und eine Zeitlang als zweiter Sekretär der südslawischen Akademie, begab sich jedoch schon 1871 behufs sprachwissenschaftlicher Studien auf Reisen nach Deutschland und Rußland. 1872 übernahm er den Lehrstuhl für vergleichende Sprachforschung an der Universität zu Odessa, den er 1874 mit der Professur für slawische Sprachen an der Berliner Universität vertauschte. Im J. 1880 folgte er einem Ruf an die Universität zu Petersburg; seit 1886 wirkt er als Professor der slawischen Philologie an der Universität in Wien. Außer zahlreichen Arbeiten im "Rad", dem Organ der südslawischen Akademie, und andern Fachzeitschriften veröffentlichte er: "Primjeri starohrvatskoga jezika" ("Proben aus der altkroatischen Sprache", Agram 1864-66); "Grammatik a hrvatskoga jezika" ("Grammatik der kroatischen Sprache", das. 1864); "Historija knjizevnosti naroda hrvatskoga i srbskoga" ("Geschichte der serbisch-kroatischen Litteratur", Bd. 1, das. 1867) nebst "Prilozi" ("Beilagen", das. 1868). Für die slawische Philologie sind besonders wichtig sein "Quatuor evangelicorum codex glagoliticus" (Berl. 1879), "Codex Marianus" (Petersb. 1883), "Carminum christianorum versio palaeoslovenico-rossica" (1886) und für die Frage nach dem Ursprung des glagolitischen Alphabets seine "Kritiko-paleograficeskija statji" ("Kritische Abhandlungen über Paläographie", Petersb. 1884) u. a. Auch gab er zahlreiche serbisch-kroatische und altbulgarische Schriftdenkmäler sowie den Briefwechsel zwischen Kopitar und Dobrovsky (Berl. 1885) heraus. Deutsch schrieb er: "Das Leben der Wurzel dê in den slawischen Sprachen" (Leipz. 1870). Mit Leskien u. a. gründete er das "Archiv für slawische Philologie" (Berl., seit 1876), dessen Redaktion er noch führt. Seine im "Rad" (1875) erschienene Abhandlung "Gradja za istoriju slovinske narodne poesije" ("Materialien zur Geschichte der slawischen Nationalpoesie") wurde in mehrere slawische Sprachen übersetzt.

Jagielnica, Stadt in Galizien, Bezirkshauptmannschaft Czortkow, hat eine ärarische Tabaksfabrik, Bierbrauerei, Ziegelbrennerei, Kürschnerei, Getreide- und Mehlhandel und (1880) 3186 Einw.

Jagni Dagh, Berg in Armenien, bei welchem 15. Okt. 1877 eine Schlacht zwischen Russen und Türken stattfand. S. Aladja Dagh.

Jago (span.), s. v. w. Jakob.

Jagodina, Kreisstadt im Königreich Serbien, an der Belitza, nicht weit von deren Mündung in die Morava gelegen, mit Progymnasium und 4385 Einw. An der Ostseite der Stadt befinden sich die Überreste einer Moschee, welche eine der größten in Serbien gewesen sein soll. J. ist einer der Hauptplätze des serbischen Schweinehandels. Der Kreis J. umfaßt 1531 qkm (27,8 QM.) mit (1884) 61,973 Einw.

Jagow, Matthias von, Bischof von Brandenburg, geb. 1490 aus einem alten Adelsgeschlecht, studierte Theologie und Jurisprudenz, wurde Dompropst zu Spandau und 1526 als Nachfolger heftiger Gegner Luthers (H. Scultetus und Hardenberg) Bischof von Brandenburg. Obwohl von der Notwendigkeit kirchlicher Reformen überzeugt, begnügte er sich doch bei Lebzeiten des reformfeindlichen Kurfürsten Joachim I. mit der Abstellung von Mißbräuchen und der Besserung des Klerus. Als einflußreichster Ratgeber Joachims II. bewog er diesen zum Übertritt zur Lutherschen Reformation, reichte ihm 1. Nov., dem Berliner Magistrat 2. Nov. 1539 das Abendmahl in beiderlei Gestalt und leitete 1541 die erste Kirchenvisitation in der Mark, worauf die Reformation durchgeführt wurde; auch verheiratete er sich 1541. Er starb 1544 in Ziesar.

Jagrezucker (Jagarazucker), s. v. w. Palmzucker.

Jagst (Jaxt), Fluß in Württemberg, entspringt in den Ellwanger Bergen, fließt, dem Kocher fast parallel, anfangs in nördlicher und nordwestlicher, zuletzt in südwestlicher Richtung, bildet auf eine Strecke die Grenze zwischen Württemberg und Baden und mündet nach einem Laufe von 195 km bei Jagstfeld, Wimpfen gegenüber, rechts in den Neckar. - Nach ihm ist der Jagstkreis benannt, einer der vier Regierungsbezirke Württembergs, der auf 5141 qkm (93,37 QM.) 1885: 405,085 Einw. zählte (darunter 277,206 Evangelische, 123,538 Katholiken und 3768 Juden), Ellwangen zur Hauptstadt hat und in folgende 14 Oberämter zerfällt:

Oberämter QKilom. QMeil. Einwohner Auf 1 qkm

Aalen 308 5,59 29402 96

Ellwangen 548 9,95 31616 58

Gaildorf 374 6,80 24901 67

Gerabronn 471 8,56 30300 64

Gmünd 264 4,79 34964 132

Hall 336 6,10 30081 90

Heidenheim 459 8,34 37230 81

Krailsheim 338 6,14 26710 79

Künzelsau 384 6,97 30030 78

Mergentheim 425 7,72 29861 70

Neresheim 428 7,77 21754 51

Öhringen 358 6,50 31681 89

Schorndorf 193 3,51 25838 134

Welzheim 255 4,63 20717 82

Jagstfeld, Solbad, s. Friedrichshall 2).

Jagsthausen, Pfarrdorf im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Neckarsulm, an der Jagst, hat 3 Schlös-^[folgende Seite]