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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jaguapalme; Jaguar; Jaguarão; Jaguaríbe; Jahde; Jahn

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Jaguapalme - Jahn.

ser, in deren einem Götz von Berlichingen geboren wurde, ein römisches Castrum und (1885) 803 meist evang. Einwohner.

Jaguapalme, s. v. w. Maximiliana regia.

Jaguar, s. Pantherkatzen.

Jaguarão (spr. -raung), Grenzstadt in der brasil. Provinz Rio Grande do Sul, am gleichnamigen Fluß, den Dampfschiffe befahren, und an dessen Oberlauf wertvolle Steinkohlen vorkommen sollen, hat 4000 Einw., die viel Schleichhandel mit Uruguay treiben.

Jaguaríbe, Küstenfluß in der brasil. Provinz Ceará, entspringt in der Serra Araripe und mündet nach 800 km langem Lauf unterhalb Aracaty ins Meer. Er ist nur 25 km weit schiffbar.

Jahde, Fluß, s. Jade.

Jahn, 1) Friedrich Ludwig, der sogen. Turnvater, geb. 11. Aug. 1778 zu Lanz bei Wittenberge in der Priegnitz, besuchte, von seinem Vater, einem Prediger, vorgebildet, auch schon frühzeitig in körperlichen Fertigkeiten geübt, 1791-94 das Gymnasium zu Salzwedel, darauf kurz das zum Grauen Kloster in Berlin, studierte dann nach längern Wanderungen durch Deutschland 1796-1800 in Halle (wo er zeitweise wegen seiner Verfeindung mit den Landsmannschaften in einer Höhle bei Giebichenstein lebte), darauf in Jena und 1802 in Greifswald, wo er Arndt kennen lernte, und zwar nach seines Vaters Bestimmung Theologie, widmete sich aber bald zumeist sprachlichen Studien. Eine Frucht derselben ist seine damals mit Anerkennung aufgenommene Schrift "Bereicherung des hochdeutschen Sprachschatzes, versucht im Gebiete der Sinnverwandtschaft" (Leipz. 1806). Vorher schon war von ihm unter dem Namen Höpffner eine Schrift: "Über die Beförderung des Patriotismus im Preußischen Reiche. Allen Preußen gewidmet" (Halle 1800), erschienen. Nachdem er einige Zeit als Hauslehrer in Mecklenburg gelebt, ging er 1805 nach Göttingen, brach 1806 nach Ausbruch des Kriegs auf, um in das preußische Heer zu treten, erreichte es aber erst nach der Schlacht bei Jena und flüchtete mit versprengten Resten bis Lübeck, von dessen Einnahme er Zeuge war. Die nächsten Jahre verbrachte er teils unstet wandernd und den Haß gegen den Feind schürend, teils im Vaterhaus, wo er an seinem "Deutschen Volkstum" (Lüb. 1810; wiederholt, Leipz. 1817) arbeitete, das zwar reich ist an absonderlichen und unausführbaren Vorschlägen, aber doch eindringlich die Lehre vom einigen Deutschland predigt und in der Erweckung nationaler Erziehung und eines volkstümlichen Heer- und Staatswesens die Rettung aus der Not der Gegenwart sieht. J. ließ es aber nicht bei den Worten. Nachdem er Ende 1809 nach Berlin gekommen und außer vorübergehender Lehrthätigkeit am Grauen Kloster an der Plamannschen Erziehungsanstalt eine Stelle gefunden, begann er im Sommer 1810 mit Knabenscharen ins Freie zu ziehen und Leibesübungen zu treiben. Mit dem Stamm derselben wurde im Frühjahr 1811 der erste Turnplatz ("Turnen" hatte J. diese Gymnastik genannt, anknüpfend an den Namen der alten Turniere, den er für einen echt deutschen hielt) in der Hasenheide eröffnet, wo bei sich mehrendem Zulauf der Jugend und steigender Aufmerksamkeit seitens der Erwachsenen die Übungen geregeltere Gestalt und durch Einführung von Geräten an Umfang gewannen. Zuweilen traten auch anstrengende Wanderungen an ihre Stelle. Unter Jahns Gehilfen, mit denen er dann auch in den Wintermonaten die Sache weiter förderte, steht obenan K. F. Friesen (s. d.). Wohl durfte der eigentliche Zweck dieser Übungen, die Erziehung zur Wehrhaftigkeit, nicht laut werden; aber die jugendlichen Gemüter ahnten, wie J. sagt, verschwiegen, was sie zu erstreben berufen waren. 1813 war J. der erste, welcher Berlin verließ und sich, noch vor des Königs Aufruf an sein Volk, in Breslau als Freiwilliger stellte, und von seinen Turnern zog mit ins Feld, wem es nur irgend Alter und Kräfte erlaubten (s. Eiselen 2). J. wurde einer der Werber der Lützowschen Freischar, bei der er dann als Volontäroffizier und (wie im Gefecht von Mölln) Kommandeur des 3. Bataillons stand; doch war auch während des Kriegs seine Thätigkeit mehr eine agitatorische. Nachdem er 1814 noch für einige Zeit der Generalkommission der deutschen Bewaffnungsangelegenheiten zugeteilt worden war, nahm er die Thätigkeit auf dem Berliner Turnplatz wieder auf. Als 1815 Napoleons Rückkehr die wehrhaften Turner wieder ins Feld gerufen hatte, wurde J. von Hardenberg, der ihn schon im Frühjahr nach Wien hatte kommen lassen, nach Paris beschieden, wo er besonders durch eine Rede, mit der er die Herabnahme des aus Venedig entführten Siegesgespanns begleitete, Aufsehen machte. Die folgenden Jahre waren außer seiner Beteiligung an der von ihm mit gegründeten "Berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache" und Vorträgen über deutsches Volkstum hauptsächlich wieder der Pflege der Turnkunst gewidmet, und es erschien 1816 die von J. und seinem Schüler Eiselen gemeinsam herausgegebene "Deutsche Turnkunst", den Bericht über die Entstehung der Sache, die bis dahin in den Gebrauch gekommenen Übungen und ihre Betriebsweise enthaltend (vgl. Turnkunst). Bei dem unbeschränkten Einfluß, den J. auf die sich ihm ergebende Jugend hatte, und bei der Rücksichtslosigkeit und Ungebundenheit seines Auftretens war es kein Wunder, daß die eintretende Reaktion ihren Verdacht auf J. und seine Sache in erster Linie lenkte. Im März 1819 wurde Jahns Turnplatz von der Regierung gesperrt und er selbst im Juli als des Demagogentums verdächtig verhaftet und von Festung zu Festung, zuletzt nach Kolberg geführt. Wenn auch das Breslauer, ihn auf einige unvorsichtige Äußerungen hin zu zweijähriger Festungsstrafe verurteilende Erkenntnis durch das Oberlandesgericht zu Frankfurt a. O. 1825 aufgehoben wurde (vgl. seine "Selbstverteidigung", Leipz. 1863) und man ihm seinen 1814 bewilligten Gehalt beließ, so beschränkte doch die Regierung sein Aufenthaltsrecht und stellte ihn unter polizeiliche Aufsicht. Er lebte von 1825 bis 1828 in Freiburg a. d. Unstrut, später in Kölleda. Von schriftstellerischen Arbeiten erschienen von ihm noch unter andern: "Runenblätter" (Frankf. 1814), "Neue Runenblätter" (Naumb. 1828) und "Merke zum deutschen Volkstum" (Hildburgh. 1833), worin einzelne Abschnitte des "Volkstums" weiter ausgeführt wurden; dazu die Mitteilungen aus seinem Leben bis 1815 enthaltenden "Denknisse eines Deutschen, oder Fahrten des Alten im Bart" (Schleusing. 1835) und "Leuwagen für Fr. Heinrich Leo" (Leipz. 1837). Nach Friedrich Wilhelms IV. Regierungsantritt wurde J., der schon 1836 wieder nach Freiburg gezogen, außer polizeiliche Aufsicht gestellt, erhielt auch das ihm bis dahin vorenthaltene Eiserne Kreuz. Vorarbeiten zu einer Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs wie auch zu einer von ihm beabsichtigten Geschichte der Lützower Schar vernichtete eine 1838 bei ihm ausgebrochene Feuersbrunst, die seine Wohnung und Bibliothek in Asche legte. Den erlittenen Verlust deckte eine öffentliche Sammlung, die ihm auch ermöglichte, sich nun ein eignes Haus zu bauen. Trotzdem wußte er bald darauf