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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jakob von Ulm; Jakoba; Jakobäa; Jakobäa-Kannetjes; Jakobeny; Jakobi; Jakobiner

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Jakob von Ulm - Jakobiner.

alten Statuten. 1556 vereinigte Papst Julius II. das Großmeistertum mit der Krone Portugal. Rasch gewann der Orden großes Ansehen und Macht; sein Hauptquartier befand sich in Palmella, und er besaß 47 Dörfer, 150 Präbenden und 4 Klöster sowie Konvente in Santos. 1789 säkularisierte die Königin Maria den Orden und machte ihn zu einem Zivil- und Militärverdienstorden. Am 31. Okt. 1862 erhielt der Orden neue Statuten, welche ihn zur Belohnung wissenschaftlicher, litterarischer und künstlerischer Verdienste bestimmten. Er kann nur bei Vakanzen verliehen werden. Die Dekoration besteht in dem Santiagokreuz, umgeben von einem Lorbeerkranz und daraufliegendem weißen Emailband mit der Devise: "Sciencias, letras, artes". Er hängt an einem Lorbeerkranz mit violettem Band.

3) Brasilischer Orden (São Thiago da Espada). Als der Hof von Portugal nach Brasilien übersiedelte, erneuerte und erweiterte Dom João VI. den Orden durch sein Dekret vom 13. Mai 1808. Der Orden hat drei Klassen: Großkreuze (12), Komture und Ritter (ohne Zahlbeschränkung). Die Dekoration besteht in dem roten Santiagokreuz mit der Kaiserkrone; das Band ist rot und blau umsäumt.

Jakob von Ulm, Glasmaler, s. Griesinger 1).

Jakoba, Stadt, s. Garo-n-Bautschi.

Jakobäa, 1) J. (Jakobe) von Holland (auch von Bayern), Erbtochter Wilhelms VI. von Bayern, Grafen von Holland und Hennegau, geb. 25. Juli 1401, folgte als Witwe des Grafen Johann von Touraine, Dauphins von Frankreich, 1416 ihrem Vater in der Regierung von Holland, fand aber ihre Länder infolge der Parteikämpfe zwischen den Hoeks und Kabeljaus in der schrecklichsten Verwüstung. Von ihrer Mutter wurde sie hierauf 1418 mit dem Herzog Johann IV. von Brabant vermählt, doch ward die unglückliche Ehe bald wieder getrennt. Nachdem sie sich 1422 aufs neue, mit dem Herzog Humfred von Gloucester, verheiratet hatte, wurde ihr von ihrem verstoßenen Gemahl und dessen Anhang Holland streitig gemacht, und nach dessen bald erfolgtem Tod erhob Philipp der Gute von Burgund Erbansprüche an dasselbe. Zwar wurde nach langen Zwistigkeiten ein Vergleich geschlossen, in welchem Jakobäas Erbrecht von Philipp anerkannt wurde, während dieselbe sich verpflichtete, ohne dessen Einwilligung eine neue Ehe nicht wieder einzugehen; allein da sie nach der 1430 erfolgten Scheidung vom Herzog von Gloucester sich dennoch 1432 heimlich mit Franz v. Borselen, einem zeeländischen Edelmann, vermählt hatte, so ließ der Herzog von Burgund ihren Gemahl gefangen nehmen und schenkte ihm nur unter der Bedingung das Leben, daß J. zu gunsten Philipps die Regierung über ihre Länder abtreten solle, die nun (1433) mit Burgund vereinigt wurden. J. starb 9. Okt. 1436 auf dem Schloß Teilingen am Rhein. Ihre Geschichte wurde besonders von den Holländern häufig dramatisch behandelt. Vgl. Löher, J. von Bayern und ihre Zeit (Nördling. 1862-69, 2 Bde.).

2) (Jakobe, Jakobine) Herzogin von Jülich, geb. 16. Jan. 1558, Tochter des Markgrafen Philibert von Baden-Baden und Mechthildens von Bayern, ward von ihrem Oheim katholisch erzogen und vermählte sich 16. Juni 1585 mit Johann Wilhelm, dem Sohn des Herzogs Wilhelm IV. von Jülich. Derselbe folgte 1592 seinem Vater in der Regierung, verfiel aber bald darauf in Blödsinn, worauf J. den jülichschen Hof zum Schauplatz wilder Ausschweifung machte. Sie ward deshalb 1595 von den Landständen beim Kaiser verklagt; aber noch ehe der Prozeß entschieden ward, fand man sie im September 1597 erdrosselt im Bette. Der Mord ward ihrer Schwägerin Sibylle zugeschrieben. Vgl. Haupt, Jakobe, Herzogin von Jülich (Kobl. 1820); Stieve, Zur Geschichte der Herzogin Jakobe von Jülich (Bonn 1878).

Jakobäa-Kannetjes ("Kännchen der Jakobäa"), gelbliche und schmutzig graue, unglasierte Thongefäße in schlanker Krugform mit Henkeln am Hals oder am Bauch. Sie haben ihren Namen von Jakobäa 1), sind aber nicht in Holland, sondern in Siegburg verfertigt worden.

Jakobeny, Dorf im österreich. Herzogtum Bukowina, Bezirkshauptmannschaft Kimpolung, an der Bistritza, mit hübscher Kirche, schönen Gartenanlagen, (1880) 547 Einw., Braunsteinbergbau und Eisenhütte. Nahe dabei das kalte Schwefelbad Puczossul.

Jakobi (Jakobstag), s. v. w. 25. Juli, Tag des heil. Jacobus des ältern (s. d.).

Jakobiner (Jacobins), der Name eines einflußreichen politischen Klubs während der französischen Revolution, der 1789 zu Versailles von den Abgeordneten der Bretagne als "Club breton" gegründet, nach der Übersiedelung der Nationalversammlung nach Paris indes "Club des Jacobins" genannt wurde, weil er zum Versammlungslokal den Saal des nach dem heil. Jakob benannten Dominikanerklosters in der Straße St.-Honoré hatte, während er sich selbst "Gesellschaft der Konstitutionsfreunde" ("Sociéte des amis de la constitution") nannte. Seine Häupter waren Dupont, Barnave und Lameth. Bald nahm er auch Mitglieder auf, die nicht zur Nationalversammlung gehörten, und hielt regelmäßige öffentliche Sitzungen unter dem Vorsitz eines Präsidenten, die später täglich und zwar zur Nachtzeit stattfanden. Zensoren sorgten für Aufrechthaltung der Ordnung während der Verhandlungen; Sekretäre führten das Protokoll und nahmen die Abstimmungen vor, indes ein Schatzmeister die Verwaltung der Beiträge besorgte. Der Klub der Cordeliers (s. d.) bildete eine Sektion des Jakobinerklubs. Durch Affiliationen bald das ganze Reich umspannend, vortrefflich diszipliniert und unter straffer, einheitlicher Leitung stehend, gelangte der Verein bald zu großem Einfluß, und 1791 gewannen, besonders nach dem Tod Mirabeaus, antimonarchische Tendenzen das entschiedene Übergewicht im Klub; deshalb schieden (Juli 1791) die Gemäßigten aus, um einen besondern Verein im Kloster der Feuillanten (s. d.) zu bilden. Damit gaben sie aber den Jakobinern die revolutionäre Einwirkung auf die Menge ausschließlich in die Hand. So geschah es, daß nach Auflösung der konstituierenden Nationalversammlung (September 1791) die Wahlen zur legislativen von den Jakobinerklubs beherrscht wurden. Eine große Anzahl der Mitglieder der neuen Gesetzgebenden Versammlung trat in den Klub ein, in dem nun die beiden republikanischen Fraktionen, die Girondisten und die Anhänger Robespierres, Dantons etc., vereinigt waren, und die nun folgende Entwickelung der Dinge in Frankreich, die Kriegserklärung, der Sturz des Königtums, die Berufung des Nationalkonvents etc., war das Werk des Jakobinerklubs, dessen Verhandlungen ein weit schwereres Gewicht in die politische Wagschale warfen als die der Nationalversammlung. Mit dem Zusammentritt des Nationalkonvents erreichte er den Gipfel seiner Macht. Je mehr die Girondisten sich aus ihm zurückzuziehen begannen, desto mehr gewann Robespierre in ihm das Übergewicht, und unter seiner Leitung begann nun jenes System des Terrorismus, welches alle widerstrebenden Elemente vollends nie-^[folgende Seite]