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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jakobsstab; Jakobsstern; Jakobsstraße; Jakobstad; Jakobstadt; Jakonett; Jakub Beg; Jakulator; Jakut; Jakuten; Jakútsk

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Jakobsstab, gelber - Jakutsk.

lus, Baculus Jacob, Radius astronomicus, Gradstock, Kreuzstab genannt), bestehend aus einem längern Stab AB (s. Figur), auf welchem ein Querstab CD in seiner Mitte E verschiebbar angebracht war. In A, C, D waren Visiere angebracht. Wenn man nun A an das Auge hielt und CD so weit verschob, daß man z. B. den einen von zwei Sternen in der Richtung AC, den andern nach AD erblickte, so war der Winkelabstand beider CAD gegeben durch die Gleichung tan ½ CAD = EC/AE. Erst im vorigen Jahrhundert ward der J. durch den Spiegelsextanten verdrängt.

^[Abb.: Geometrische Konstruktion zum Jakobsstab.]

Jakobsstab, gelber, s. Narcissus.

Jakobsstern, Bezeichnung Christi, mit Bezug auf 4. Mos. 24, 17.

Jakobsstraße, im Mittelalter Bezeichnung für die Milchstraße. Vgl. auch Jakobsbrüder.

Jakobstad, Stadt in Finnland, Gouvernement Wasa, am Bottnischen Meerbusen, mit (1881) 2091 Einw., welche Schiffahrt und einigen Handel treiben (1885 Wert der Ausfuhr 603,429, der Einfuhr 850,172 finn. Mark). J. ist Sitz eines deutschen Konsulats.

Jakobstadt (lett. Jehkaba-Meets), Stadt im russ. Gouvernement Kurland, an der Düna, östlich von Mitau, mit 4 Kirchen, 2 Synagogen, Handel mit Branntwein, Leder, Tabak, Getreide und (1881) 5383 Einw., zur Hälfte Juden.

Jakonett (franz. Jaconats, Jaconas, spr. scha-), feine, glatt gewebte baumwollene Zeuge, dichter als Musselin, mit weicher Appretur, werden weiß, gestreift, gemustert und bedruckt hergestellt und dienen hauptsächlich zu Damenkleidern. Sie wurden ursprünglich in Glasgow gewebt, doch liefern jetzt auch Frankreich, die Schweiz, Österreich und Deutschland (Plauen, Auerbach, Augsburg, Ravensburg etc.) diese Ware.

Jakub Beg, Herrscher von Kaschgar, geb. 1820, war der Sohn von Issmet ulla, einem Bewohner von Chodshent und Gebetvorleser. Bald nach seiner Geburt trennte sich seine Mutter von seinem Vater und heiratete einen Fleischer zu Pskent, 50 Werst von Taschkent entfernt. In dem Haus desselben wuchs J. auf. Sehr bald verlor er seine Eltern und wurde, um sich zu ernähren, Tänzer. Durch die Verheiratung des Chakims von Taschkent, Nar Mahomed, mit Jakub Begs Stiefschwester wurde letzterer sehr bald zum Offizier befördert, und zum Beg von Akmetschet (Fort Perowski) ernannt. 1852 wurde er in einem Gefecht mit den Russen geschlagen und kehrte nach Taschkent zurück, jetzt schon durch seine Energie und Fähigkeiten bekannt. Als 1864 Alim Kul von Kokan den Busuruk-Chan nach Kaschgarien sandte, befand sich J. in seinem Gefolge. Die Geschichte Kaschgariens (s. d.) fällt von diesem Zeitpunkt ab mit der Jakub Begs zusammen, bis er 29. Mai 1877 starb. J. war ein kluger, thätiger, mit einem ausgezeichneten Gedächtnis begabter Mann, dabei aber schlau und listig; die Wahrheit sagte er nie. In der letzten Zeit zeigte er sich als schlechter Feldherr. In seinem Privatleben war er sehr einfach, begnügte sich mit wenigem; während 24 Stunden ruhte er nur 4, die übrige Zeit arbeitete er. Er bekümmerte sich um alles und selbst um den Pferdestall und die Küche. Obgleich er nicht lesen und schreiben konnte, galt er doch für einen Gelehrten. Vgl. Boulger, Life of Yakoob Beg (Lond. 1878).

Jakulator (lat.), Schleuderer.

Jakut, Abu Abdallah, geograph. Schriftsteller der Araber, griechischer Abkunft, geb. 1179 n. Chr., kam frühzeitig als Kriegsgefangener nach Bagdad, wo ihn ein arabischer Kaufmann erziehen ließ, machte für diesen größere Handelsreisen und betrieb dann einen Buchhandel. Er mußte später aus Bagdad fliehen und starb 1229 in der Nähe von Aleppo. Sein großes geographisches Wörterbuch "Mu' dscham al-buldân" wurde von Wüstenfeld herausgegeben (Leipz. 1866-71, 6 Bde.), wie auch sein Wörterbuch der geographischen Homonyme ("Al-Mosch-tarik", Götting. 1846).

Jakuten (Sachalor), Volk in Sibirien, zum türkischen Zweig der Mongolen gehörig und zwar dessen nordöstlichster Ausläufer, an beiden Ufern der Lena, etwa vom 60.° nördl. Br. bis zum Eismeer wohnhaft. Man sieht sie auch noch im O. an der Jana, Indigirka und Kolyma, im W. an der Anabara, im S. am Aldan und der obern Maia. Ihre Zahl gibt Wenjukow auf 210,000, Rittich neuerdings auf 80,000 an. Ihr türkisches Idiom, das in Jakutsk die Sprache der Kaufmannswelt ist, haben sie sich in ihrer ursprünglichsten, wenn auch rohesten Form erhalten. Böthlingk lieferte eine Grammatik derselben (Petersb. 1851). Die J. sind größtenteils Nomaden, sie treiben Pferde- und Rindviehzucht; Jagd, Fischerei sowie das Aufsuchen des fossilen Elfenbeins sind weniger bedeutende Erwerbszweige. Im Sommer bewohnen sie leichte Zelte aus Birkenrinde, im Winter Jurten, d. h. Hütten aus schwachen, mit Erde und Rasen belegten Balken, in deren Innerm es sehr unsauber hergeht. Ihre Nahrung besteht aus Fisch und Fleisch, gesäuerter Milch, Beeren, Zedernüssen; zerlassene Butter, frisch oder ranzig, gilt als Leckerbissen. Ihrem Charakter nach sind sie ehrerbietig, diensteifrig, den örtlichen Behörden unterwürfig, aber auch faul, ungesellig, verschlossen und rachsüchtig. Ihre Gastfreiheit gegen Fremde wird gerühmt; dem Namen nach sind sie Christen, doch stehen die alten Götter aus der Schamanenzeit noch immer in voller Verehrung. Vgl. Ferd. Müller, Unter Tungusen und J. (Petersb. 1882).

Jakútsk, russ. Gebiet in Ostsibirien, grenzt nördlich an das Eismeer, östlich an die Küsten- und die Amurprovinz, südlich an Transbaikalien und Irkutsk, westlich an Jenisseisk und hat 3,929,193 qkm (71,358 QM.) Flächeninhalt mit (1883) 243,443 Einw. Das Land umfaßt den ödesten, kältesten und unwirtbarsten Teil Sibiriens, in welchem nur 3,4 Menschen auf der Quadratmeile wohnen. Es wird von der Lena und deren Nebenflüssen sowie von den Küstenflüssen Olenek, Jana, Indigirka, Kolyma etc. reichlich bewässert und ist Gebirgsland (Jablonoi und Stanowoi im SO. und O., die Sinberge im W., die Werchojansk- und Charanlachberge im O. der Lena). Durch das Land zwischen der untern Lena und der Chatanga zieht im Januar die Isotherme von -32° C., und in die Nähe der Stadt J. fällt die kälteste Stelle der ganzen Erdoberfläche. Die große nordische, mit Birken bestandene Tundrasteppe taut nur ganz oberflächlich (bis zu 1 m tief) auf; frostfrei sind nur wenige Tage im Juli und August. Trotzdem treiben nicht bloß Jakuten noch Rindviehzucht, da die Wiesen an der Lena in dem kurzen Som-^[folgende Seite]