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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Japan

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Japan (Handel und Verkehr).

Anordnung überraschen. Polygonale und cylindrische Formen hat er dem Chinesen entlehnt, aber weiter ausgebildet, während er von den alten griechischen die edelsten, wie Amphoren und Weinkannen, nicht nachahmte, wenn sie auch durch Geschenke der Portugiesen und Holländer ins Land kamen. Die Lackindustrie hat ihren Hauptsitz in den großen Städten von Hondo und in Nagasaki, wo namentlich viel Perlmuttereinlagen und Schildpattarbeiten verfertigt werden. In der Bronzeindustrie wetteifern Kioto, Tokio und Kanazawa miteinander. Auch die übrige Metallindustrie wird in Kioto ganz besonders gepflegt. Sogen. Zellenschmelz (émail cloisonné) auf Kupfer, Porzellan und Steingut macht man in Kioto, Nagoya und Tokio. Arita in der Provinz Hizen, nordöstlich von Nagasaki, und Satsuma im S. der Insel Kiushiu, ferner Kioto, Seto in Owari und Kanazawa in Kaga sind durch die prächtigen Erzeugnisse an Porzellan, bez. Steingut bekannt, während der westliche Teil von Kioto immer Hauptsitz der feinern Seidenweberei war und unter anderm Brokatstoffe von unvergleichlicher Schönheit liefert. Eine Übersicht über die im einzelnen noch nicht genügend erforschte Geschichte der japanischen Malerei gibt die von Professor Gierke gegründete Sammlung japanischer Malereien im Berliner Museum. Die Malerei kam im 6. Jahrh. von China nach J. und nahm dort bald einen nationalen, auf selbständiger Naturbeobachtung begründeten Charakter an. Vgl. L. Gonse, L'art japonais (Par. 1883); Audsley, The ornamental arts of J. (Lond. 1885); Anderson, The pictorial arts of J. (das. 1886).

Handel und Verkehr.

Nach der Entdeckung des Landes durch Mendez Pinto im J. 1542 bildeten während des mehr als 80jährigen portugiesischen Verkehrs mit demselben Gold, Silber und Kupfer die wichtigsten und gewinnreichsten Ausfuhrartikel, denen gegenüber andre, wie Lackwaren und Schwerter, nur wenig ins Gewicht fielen. Die Einfuhr bestand vornehmlich in chinesischer Seide von Macao, Wollenstoffen, Gewürzen und Medikamenten (darunter Baroskampfer und Ginseng), Zucker, Schildpatt, Elfenbein und verschiedenen andern Artikeln. Der Mitbewerb Spaniens (über Manila) vom Jahr 1580 an, Hollands und Englands seit 1609 schmälerte wohl den Gewinn, änderte aber sonst wenig an diesem Verkehr. Da kam die Ausrottung des Christentums, Vertreibung der katholischen Spanier und Portugiesen, Abschließung des Landes und Verkehrsbeschränkung auf Chinesen und Holländer zu Nagasaki, Maßregeln, welche im J. 1640 ihren Abschluß fanden und von da ab 214 Jahre lang in Kraft blieben. Die eiserne Hand der Tokugawa und ihr eigentümliches Regierungssystem begünstigten auch den Inlandverkehr in keiner Weise, so daß außer den großen Landstraßen, welche die acht Landschaften durchzogen, aber den Wagenverkehr gänzlich ausschlossen, nur Pfade vorhanden waren. Die Gebirgsübergänge an der Grenze benachbarter Daimioherrschaften konnten in vielen Fällen noch nicht einmal von Lasttieren benutzt werden, obwohl es nicht schwer war, gangbare Wege anzulegen. Unter solchen Umständen war von einer Belebung des Handels keine Rede, hatte man doch gegen den Handelsstand selbst die größten Vorurteile und stellte ihn dem Bauer und Handwerker nach. Die Holländer erwarben und erhielten sich ihr Handelsmonopol unter den unwürdigsten und demütigendsten Bedingungen, zu denen vor allen die Verleugnung des Christentums gehörte. Dafür zogen sie daraus großen Gewinn, namentlich solange Edelmetall neben Kupfer und Kampfer die wichtigsten Exportartikel waren. Mit dem Jahr 1672 traten aber hierin sowie in der Preisbestimmung der eingeführten Artikel weitere Beschränkungen ein, wodurch sich das Goldene Vlies nach Kämpfer in ein gemeines Fell verwandelte. Nichtsdestoweniger wurde das Privilegium durch Unterwürfigkeit gegenüber allen Zumutungen arroganter japanischer Beamten sowie durch Intrigen gegen alle Versuche andrer Nationen, mit J. Verkehr anzuknüpfen, eifersüchtig gewahrt, bis endlich 1854 Kommodore Perry mit seinem Geschwader in den japanischen Gewässern erschien, das Land dem fremden Verkehr erschloß und für dasselbe eine neue Epoche anbahnte. Seitdem hat dasselbe wie auf fast allen Gebieten, so auch in seinem Handel und Verkehr einen staunenswerten Wandel durchgemacht. Im Binnenverkehr, wo Fuhrwerke fehlten, mußten der Tragkorb und die Sänfte einem neuen Vehikel, der Jinrikisha, einem Karren mit stuhlartigem Sitz für 1-2 Personen und einer Schere, in welcher der Arbeiter das Zugtier vertritt, mehr und mehr weichen. Insbesondere hat diese Jinrikisha (d. h. eines Mannes Kraftwagen) in den Städten ganz die Rolle unsrer Droschken übernommen. Im J. 1872 wurde die erste Eisenbahnstrecke von Tokio nach Jokohama dem Verkehr übergeben. Seitdem hat man fünf weitere Linien mit zusammen 91 Ri (357 km) Länge eröffnet und eine ganze Anzahl in Angriff genommen. Telegraphenleitungen verbinden alle größern Städte; eine submarine Telegraphenleitung führt seit 12. Aug. 1871 von Nagasaki nach Schanghai und stellt J. dadurch in den schnellsten Verkehr mit Europa und Amerika. Der Postdienst mit dem In- und Ausland ist wohlgeregelt und zuverlässig. Alle größern Hafenplätze stehen miteinander in regelmäßigem Dampfschiffsverkehr. Zahlreiche Leuchttürme warnen die Schiffe vor gefährlichen Felsvorsprüngen und deuten denselben weit besser die Wege an, als dies an manchem europäischen Gestade der Fall ist.

Der Außenhandel Japans ist in fortwährender, wenn auch nicht stetiger Steigerung begriffen; derselbe hat sich während der letzten zehn Jahre nahezu verdoppelt. Unter den Ausfuhrartikeln stehen, wie in China, Seide und Thee obenan; Rohseide, Abfallseide, seidene Gewebe und Seidenraupeneier bilden seit 25 Jahren etwa 46 Proz. des gesamten Exports, der sich während der fünfjährigen Periode 1881-85 auf durchschnittlich 34½ Mill. Jen (138 Mill. Mk.) belief. Es kamen ferner (in Prozenten) auf:

^[Liste]

Thee 19

Kupfer 3,3

Steinkohlen 4,3

Kampfer 2

Reis 3,4

Algen 2,4

Seetiere 4,4

Kunstgew. Erzeugnisse 4,4

Die hervorragendsten Abnehmer waren: die Vereinigten Staaten von Nordamerika (Seide und Thee), China (Meeresprodukte, Pilze, Kampfer, Medikamente, Kupfer, Steinkohlen, Thon- und Lackwaren), Frankreich (Seide, Kunstgegenstände), England (Seide, Tabak, Sumachtalg, Kupfer, Antimon, kunstgewerbliche Erzeugnisse, Reis), Indien (Kupfer), Deutschland (Reis, Fischöl, kunstgewerbliche Artikel), Australien (Reis). Der Durchschnittswert der Einfuhr betrug in demselben Zeitraum (1881-85) 29½ Mill. Jen (118 Mill. Mk.). Sie bestand vornehmlich in Baumwolle und Baumwollgarnen, Schirting, halbwollenen und wollenen Geweben, Eisen und andern Metallen, Maschinen und Waffen, Zucker, Petroleum, Droguen und Farben. Der Hauptanteil, mit 44 Proz., fiel auf England. Es lieferte mit In-^[folgende Seite]