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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jaroslaw; Jarotschin; Jarovit; Jarra; Jarral; Jarretière; Jarrow; Järvi; Jasak; Jasaul; Jaschmak; Jasht; Jaslo; Jasmin; Jasmineen; Jasminöl

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Jaroslaw - Jasminöl.

Segeltuch, Korn, Tischzeug, Drell, gesalzenem Fleisch, Seife, Leinsamen etc.; die Einfuhr in Farben, Salz, Eisen, Kramwaren. Im ganzen Gouvernement finden jährlich 93 Jahrmärkte statt, auf welche Waren im Wert bis zu 5 Mill. Rub. gebracht werden. Das Gouvernement hat (1882) 407 Elementarschulen mit 27,389 Schülern, 11 mittlere Lehranstalten mit 2609 Schülern, 4 höhere Schulen mit 849 Schülern, im ganzen 422 Lehranstalten mit 30,847 Lernenden. Es zerfällt in zehn Kreise: Danilowsk, J., Ljubimsk, Mologsk, Müschkinsk, Poschechonsk, Romanowo-Borissoglebsk; Rostow, Rybinsk; Uglitsch. - Die gleichnamige Hauptstadt, am Einfluß des Kotorost in die Wolga und an der Eisenbahn Moskau-Wologda, ist regelmäßig gebaut, hat fünf Vorstädte und breite Straßen mit vielen Palästen und unzähligen Kuppeln und Türmen. Es befinden sich hier 46 Kirchen und 3 Klöster; die Einwohnerzahl betrug 1883: 23,032, welche Baumwollspinnerei (1881 Produktionswert 5 Mill. Rub. bei 3800 Arbeitern), Fabrikation von Geweben in Baumwolle, Leinen, Wolle und Seide, ferner von Papier, Bijouterien und Öl betreiben. Der Handel nach Petersburg und Moskau ist lebhaft und wird durch eine Kommunalbank (1882 mit einem Umsatz von 14,4 Mill. Rub.) unterstützt. Die Schiffahrt dauert gegen 200 Tage. Die Stadt ist Sitz des Gouverneurs und eines Erzbischofs und hat ein theologisches Seminar (1882 mit 420 Schülern), ein juristisches Lyceum (309 Studenten) und 3 Gymnasien (darunter 2 weibliche). J. ward 1025 von dem Großfürsten Jaroslaw Wladimirowitsch gegründet und 1468 an das Großfürstentum Moskau abgetreten, worauf es eine Zeitlang Residenz der Großfürsten war, daher die ältesten Prinzen der russischen Großfürsten Fürsten von J. hießen.

Jaroslaw, Großfürst von Kiew, Sohn Wladimirs d. Gr., erhielt nach seines Vaters Tod 1015 Nowgorod als Fürstentum, vertrieb 1016 seinen Bruder Swjatopolk, der sich mit Gewalt Kiews bemächtigt hatte, wurde aber von dessen Schwiegervater Boleslaw Chrobry von Polen 1017 geschlagen und konnte erst nach dessen Abzug 1019 wieder Kiew erobern, wo er 1019-1054 als Großfürst herrschte. Die Nowgoroder belohnte er für ihre treue Hilfe durch die Verleihung der berühmten Rechtsurkunde von Nowgorod. Er vermählte sich mit Ingegard, Tochter des schwedischen Königs Olaf, und erneuerte so das alte Bündnis mit Skandinavien. Er hatte in Bruder- und Bürgerkriegen viel zu kämpfen, erweiterte aber doch das Reich bedeutend durch Eroberungen nach Norden und Süden, schmückte Kiew durch großartige kirchliche Bauten und war ein Förderer der Interessen der Geistlichkeit und des Schulwesens.

Jarotschin (Jaroczyn), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, Kreis Pleschen, unweit der Lutinia, Knotenpunkt der Linien Posen-Kreuzburg-J.-Lissa und Öls-Gnesen der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine evangelische und eine kath. Kirche, besuchte Viehmärkte und (1885) 2492 meist kath. Einwohner.

Jarovit, in der Mythologie der Slawen (Polaben) der Kriegsgott, eigentlich die über den Winter siegende Frühlingssonne; hatte Tempel in Wolgast und Havelberg.

Jarra (spr. chharra), spanisch-maurischer Wasserkrug aus Fayence mit zwei Henkeln, auch Bezeichnung für die Alhambravasen (s. d.).

Jarral (spr. chharral), Dorf an der Nordgrenze des mexikan. Staats Guanajuato, mit dem Schloß des Marquez von J., des größten Grundbesitzers Mexikos.

Jarretière (franz., spr. scharr'tjähr), Knieband, Strumpfband; daher Ordre de la J. Hosenbandorden.

Jarrow (spr. dscharro), Stadt in der engl. Grafschaft Durham, am Tyne, dicht bei South Shields, hat Segeltuchfabriken, Schiffswerften, chemische Fabriken, große Docks, bedeutenden Kohlenhandel und (1881) 25,469 Einw. (1861 erst 6494). Dabei Monkton, Geburtsort des Beda Venerabilis.

Järvi (finn., Jäyri, Jaur), s. v. w. See.

Jasak, in Rußland eine Abgabe, welche alljährlich einmal von gewissen Nomadenstämmen (z. B. den sibirischen Kirgisen) in Geld oder Tierfellen erhoben wird.

Jasaul (türk.), Art Leibgardist, fürstlicher Hausbeamter in Persien und Mittelasien, mit einem Dolch im Gürtel oder einem weißen Stab zur Abwehr der Menge als Abzeichen seines Amtes.

Jaschmak, der Schleier der Türkinnen, besteht aus zwei Stücken weißen Musselins, die, mittels einer Nadel rückwärts an der Haube befestigt, Kopf, Gesicht und Nacken derart verhüllen, daß nur Nasenspitze und Augen oder letztere allein frei bleiben.

Jasht (Yasht), ein Teil des Zendavesta (s. d.).

Jaslo, Stadt im westlichen Galizien, nahe der Vereinigung der Flüsse Jasiolka, Wisloka und Ropa an der Galizischen Transversalbahn, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein Obergymnasium, ein altes Schloß und (1880) 3302 Einw. J. brannte 1826 gänzlich ab.

Jasmin, Pflanzengattung, s. Jasminum; wilder J., s. Philadelphus.

Jasmin (spr. schasmäng, auch Jausmin), Jacquou, franz. Patoisdichter, geb. 6. März 1798 zu Agen in Languedoc, ward Friseur und trieb dies Geschäft selbst dann noch, als er sich durch seine poetischen Produktionen einen Namen erworben hatte, ja selbst noch nach seiner Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion und seiner Krönung als Maitre ès jeux fioraux (mit 5000 Frank Ehrensold) durch die französische Akademie. Er trug seine Dichtungen im neuprovençalischen Dialekt mit großem mimischen Talent vor und hat damit in den ersten Städten, auch zu Paris am kaiserlichen Hof, begeisterten Beifall gefunden. Vor allem gelingt ihm eine halb rührende, halb scherzende Epik, und volkstümlich freundliches und kindlich fröhliches Wesen verleiht seinen Poesien einen großen Reiz. Von denselben sind hervorzuheben: "Las papillotos de J." (1835-43, 2 Bde.); "Lou chaliberi", komisches Heldengedicht (1825); "Lou tres de Mai", gelegentlich der Errichtung des Standbildes Heinrichs IV. zu Nérac gedichtet (1835); "L'abuglo de Castel Cuillé" (1836); "Lous dous frays-bessous" (1847) u. a. J. starb 4. Okt. 1864 in Agen. Seine Poesien erschienen gesammelt in 3 Bänden (Agen 1851). Vgl. Rabain, J., sa vie et ses oeuvres ^[œuvres] (Par. 1867).

Jasmineen (jasminartige Gewächse), dikotyle Pflanzengruppe aus der Ordnung der Kontorten unter den Sympetalen, den Oleaceen nahe verwandte Holzpflanzen, von denen sie sich durch die höhere Gliederzahl in Kelch und Krone unterscheiden. Die Gruppe enthält zwei Gattungen mit über 50 Arten, welche zum größten Teil im tropischen Asien einheimisch sind; nur wenige kommen auch in den Ländern um das Mittelländische Meer vor. Ihre schönen Blüten sind wohlriechend und dienen zur Darstellung wohlriechender Wässer und Öle.

Jasminöl, im Handel ein fettes Öl (Behen- oder Mandelöl), welches mit frischen Blüten von Jasminum officinale maceriert worden ist und dabei deren ätherisches Öl aufgenommen hat. Man bereitet es