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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Jasykow - Jativa.

Amtsgericht, eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein reiches Waisenhaus, Wollspinnerei, Tuch-, Maschinen-, Zigarren-, Schnupftabaks-, Schuh- und Stiefelfabrikation, besuchten Pferdemarkt (zu Michaelis) und (1885) 5046 meist evang. Einwohner. J. wurde 1603 durch König Siegmund III. von Polen zur Stadt erhoben und kam 1772 an Preußen.

Jasykow, Nikolai Michailowitsch, russ. Dichter, geb. 4. März (a. St.) 1803 zu Simbirsk, kam 1815 in das Berginstitut zu Petersburg und trat dann ins Ingenieurkorps, aus dem er jedoch aus Neigung zu litterarischer Beschäftigung schon nach einem Jahr wieder ausschied. Er lebte hierauf in Dorpat und seit 1829 in Moskau, wo er 1831-33 in der Vermessungskanzlei beschäftigt ward. Um seine wankende Gesundheit herzustellen, hielt er sich längere Zeit in seiner Vaterstadt, dann in Italien und in der Schweiz auf. Nach Moskau 1843 zurückgekehrt, starb er 26. Dez. (a. St.) 1846 daselbst. Nachdem er anfangs ein Sänger des Weins und der Liebe gewesen (daher sein Beiname "russischer Anakreon"), schlug er später unter dem Einfluß einer unheilbaren schmerzlichen Krankheit eine ernstere Richtung ein und wandte sich religiösen Stoffen zu. Seine von Puschkin hochgeschätzten Poesien zeichnen sich durch meisterhafte Versifikation und Herrschaft über die Sprache sowie durch Innigkeit und stimmungsvollen Aufschwung aus. Die erste Sammlung derselben erschien in Petersburg 1833, die letzte ("Stichotworénija N. M. Jasýkowa", mit biographischen Notizen) in Moskau 1858 (2 Bde.).

Jász-Apáthi (spr. jaß-), Markt im ungar. Komitat Jász-N.-Kun-Szolnok, mit schöner kath. Pfarrkirche, (1881) 9752 industriellen Einwohnern, fruchtbarer Umgebung, Tabaksbau u. Bezirksgericht. In der Nähe die Märkte: Jász-Fényszaru, an der Budapest-Szolnoker Bahnlinie, mit 4376 kath. Einwohnern, sowie Jász-Kisér mit 5771 reform. Einwohnern, bedeutendem Tabaksbau und Tabakseinlösungsamt und Jasz-Alsó-Szent-György, an der Zagyva, mit 4126 kath. Einwohnern und Bienenzucht.

Jászay (spr. jassai), Paul, ungar. Historiker, geb. 1809 zu Szántö im Komitat Abaujvár, war Sekretär der ungarischen Hofkanzlei und wirkte dann in gleicher Eigenschaft an der Seite des Ministerpräsidenten Grafen Ludwig Batthyány. Er starb 1852. Sein Hauptwerk ist: "A magyar nemzet napjai amohácsi vész után" ("Die Tage der ungarischen Nation nach der Niederlage bei Mohács"), ein größtenteils nach archivalischen Quellen bearbeitetes Werk, das die Geschichte eines Zeitraums von nur fünf Monaten in umfassender Weise behandelt (Pest 1846, Bd. 1). Seine (gleichfalls in ungarischer Sprache geschriebenen) "Annalen der ungarischen Nation von den ältesten Zeiten bis zur Goldenen Bulle" gab Franz Toldy heraus (Pest 1855).

Jász-Berény (spr. jaß-berenj), Stadt im ungar. Komitat Jász-N.-Kun-Szolnok, ehemaliger Hauptort des Distrikts Jazygien, an der Zagyva und der Ungarischen Staatsbahn, mit katholischer und evang. Kirche, Franziskanerkloster, stattlichem Rathaus, Denkmal des Palatins Erzherzogs Joseph, (1881) 21,507 Einw., Tuchfabrikation, Weinbau, ansehnlicher Viehzucht, Gymnasium und Gerichtshof.

Jász-Nagy-Kun-Szolnok (spr. jaß-nadj-), s. Jazygien-Großkumanien-Szolnok.

Jaszó (spr. jásso, Joß), Markt im ungar. Komitat Abauj-Torna, südwestlich von Kaschau, an der Bodwa, mit einer Prämonstratenserpropstei (seit 1255), einer prächtigen Kirche und 1496 Einw. In der Nähe eine merkwürdige schachtförmige Tropfsteingrotte.

Jat, ind. Volksstamm, s. Dschat.

Jatagan (türk., "Verteidiger, Waffe"), ein dolchförmiges, ca. 60 cm langes, zweischneidiges Schwert, welches nicht an der Seite, sondern vorn im Gürtel getragen wird, früher eine Hauptwaffe der Janitscharen, heute aber nur bei der Landpolizei und der untern Volksklasse im Gebrauch. Eine große Rolle spielt diese Waffe in Persien unter dem Namen Kama, welche gleich unsern Hirschfängern an der Seite getragen wird.

Jatai, s. Hymenaea.

Jataka (Dschataka, "Geburt"), Name einer Sammlung von Legenden über die frühere Geburt des Sakhyamuni (Buddha), welche im 3. Jahrh. n. Chr. in der Pâlisprache niedergeschrieben sein soll. Diese Legenden bilden einen Lieblingsgegenstand für die Dichtung und Malerei der Buddhisten sowie für die dramatischen Darstellungen bei Festen und Prozessionen und sind litterarisch besonders dadurch wichtig, daß sie die ältesten nachweisbaren Quellen vieler Fabeln und Erzählungen enthalten, welche später in die Fabel- und Märchensammlungen der Inder und von da auch in die Litteratur des Westens übergegangen sind. Eine Ausgabe des J. im Original begann Fausböll ("The J. together with its commentary", Bd. 1 u. 2, Lond. 1877-79; ins Englische übersetzt von Rhys Davids, Bd. 1, das. 1880).

Jateorhiza Miers., Gattung aus der Familie der Menispermaceen, schlingende, steif und abstehend behaarte Sträucher mit großen, handförmig gelappten und handnervigen Blättern, in zusammengesetzten, hängenden Rispen gebüschelt stehenden männlichen, in einfachen, hängenden Trauben einzeln stehenden weiblichen Blüten und eiförmiger, einsamiger Steinfrucht. Zwei im tropischen Afrika und auf Madagaskar heimische Arten. J. palmata Miers. (Cocculus palmatus Dec.), ein windender Strauch mit krautigen, jährlich absterbenden Stengeln, an der Ostküste Afrikas, bei Oibo, Mosambik und Schupanga am untern Sambesi, kultiviert auf Mauritius, den Seschellen und auf der Malabarküste, hat große, langgestielte, rotbehaarte Blätter, blaßgrüne Blüten und Früchte von der Größe einer Haselnuß, länglich-rund und dicht mit langen, schwarzdrüsigen Haaren besetzt. Die bei den Eingebornen Ostafrikas in hohem Ansehen stehende und von ihnen Kalumb genannte starke, dicke, bräunlichgelbe, aus mehreren walzenförmigen, etwas gegliederten, gebogenen, fleischigen Knollen von 30 cm Länge bestehende Wurzel ist als Kolumbo-, Kalumbo-, Ruhrwurzel offizinell und kommt meist in 1 cm dicken Scheiben in den Handel. Sie ist von ziemlich derber Textur, aber vorherrschend mehlig, schmeckt rein und sehr stark bitter, färbt Wasser sofort gelb, ist sehr reich an Stärkemehl und enthält außer oxalsaurem Kalk einen farb- und geruchlosen Bitterstoff, das Kalumbin C21H22O7 ^[C<sub>21</sub>H<sub>22</sub>O<sub>7</sub>], amorphe Kalumbosäure und Berberin. Man benutzt sie mit Erfolg bei Verdauungsstörungen und damit verbundenen chronischen Diarrhöen, bei Durchfällen Schwindsüchtiger etc. Sie zeichnet sich dadurch aus, daß sie den Magen wenig belästigt und daher auch gegeben werden kann, wenn ein subakuter Katarrh längere Zeit anhält. Sie wurde 1675 durch Redi als giftwidrig bekannt, aber erst durch den englischen Arzt Percival allgemeiner eingeführt und gegen Ende des vorigen Jahrhunderts fast überall in Deutschland in die Pharmakopöen aufgenommen.

Jativa, Bezirksstadt in der span. Provinz Valencia, liegt malerisch am Fuß der Sierra de las Agujas, überragt von einem ehedem sehr starken Kastell, zu