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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jazygien; Jazygien-Großkúmanien-Szolnok; Jeaffreson; Jean; Jean Charles; Jean Jacques; Jeanne; Jeanne d'Arc

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Jazygien - Jeanne d'Arc.

(des Asowschen Meers) seßhaft: später mit den übrigen sarmatischen Stämmen die Uferländer des Pontus überschwemmte, und von dem ein Teil bis Ungarn vordrang, wo er sich in der Tiefebene zwischen der Theiß, Donau und Gran niederließ und mit den benachbarten Quaden und Markomannen in ein enges Bündnis trat. Mit diesen vereint, griffen sie 170 n. Chr. das römische Reich an, wurden aber 172 von Marcus Aurelius geschlagen und traten in Roms Bundesgenossenschaft, dem sie 8000 Reiter stellten. Nochmals schlug sie Carus 283. Dann wurden sie dem Gotenreich Hermanrichs unterworfen. Nach Attilas Tod gerieten sie mit den Goten in einen Kampf, in welchem sie untergingen. Vgl. Jazygien.

Jazygien, ehemals selbständiger Distrikt in Ungarn, südlich vom Heveser Komitat, umfaßte eine Acker- und Weideebene von 1100 qkm (20 QM.) mit etwa 60,000 Einw., meist Katholiken. Hauptort war Jász-Berény. 1876 wurde es dem neugebildeten Komitat Jász-Nagy-Kun-Szolnok einverleibt. Die Jazygen (lat. Jassones) stammen teils von den Petschenegen, teils von den Szeklern, Kumanen, Bulgaren, selbst von Tataren ab, waren teils unfrei, teils freie Adlige und scheinen meist als Pfeilschützen (ungar. Jászok) im Krieg verwendet worden zu sein. Sie genossen daher besondere Vorrechte und lebten gleich den Kumanen in besondern Bezirken, an deren Spitze je ein Oberkapitän stand. Vgl. Gyárfás, Geschichte der Jazygen und Kumanen (Szolnok, 3 Bde.).

Jazygien-Großkúmanien-Szolnok (Jász-Nagy-Kun-Szolnok), im J. 1876 aus den Distrikten Jazygien und Großkumanien sowie aus dem südlichen Teil von Heves-Szolnok neugebildetes ungar. Komitat, grenzt an Heves, das Haidukenkomitat, Békés, Csongrád und Pest und umfaßt 5374 qkm (97,6 QM.). Es ist ganz eben, an der Theiß, die es mit der Zagyva durchströmt, sumpfig, hat (1881) 278,443 Einw., lebhafte Vieh-, Pferde-, Schaf- und Schweinezucht und Fischerei, viel Getreide, Obst und Tabak und bedeutenden Handel. Sitz des Komitats, welches von der Ungarischen Staatsbahn gekreuzt wird, ist Szolnok.

Jeaffreson (spr. dscheffrs'n), John Cordy, engl. Schriftsteller, geb. 14. Jan. 1831 zu Framlingham in Suffolk, studierte zu Oxford und ward 1859 Advokat in London, wo er seitdem lebt. Als Schriftsteller trat er zuerst 1854 mit dem Roman "Crewe-Rise" auf, der Beifall fand und eine lange Reihe andrer, darunter "Miriam Copley" (1859), "Live it down" (1869), "A woman in spite of herself" (1872), "Lottie Darling" (1874) etc., zur Folge hatte. In allen seinen Romanen entwickelt J. die Eigenschaft eines Erzählers, der mit gutem Stil tüchtige Charakteristik und Kunst der Schilderung verbindet. Außerdem veröffentlichte er einige mehr wissenschaftliche Werke, wie: "Novels and novelists from Elizabeth to Victoria", eine Geschichte des englischen Romans (1858, 2 Bde.); "Annals of Oxford" (1871, 2 Bde.); "Brides and bridals", Skizzen über den Fortschritt in der Heiratskunst (1872, 2 Bde.); ferner die drei zusammengehörigen Schriften: "A book about doctors" (1860, 2 Bde.; 2. Aufl. 1862), "A book about lawyers" (1866) und "A book about the clergy" (1870, 2 Bde.), kulturhistorische Essays über die drei gelehrten Stände Englands; "A book about the table" (1874, 2 Bde.); "A joung squire of XVII. century" (1878, 2 Bde.) u. a. Auch als Biograph hat sich J. bekannt gemacht durch "The life of R. Stephenson" (1864), neuerdings durch das aufsehenerregende Werk "The real Lord Byron, new views of the poet's life" (1883), dem "The real Shelley" (1885, 2 Bde.) folgte. J. ist seit Jahren bei der Regierungskommission für geschichtliche Urkunden angestellt, und die englischen Blaubücher geben vielfach Zeugnis seiner archivalischen Thätigkeit.

Jean (franz., spr. schang), s. v. w. Johann.

Jean Charles, Pseudonym, s. Braun 2).

Jean Jacques (spr. schang schack), die Vornamen Rousseaus und schlechthin Bezeichnung für diesen.

Jeanne (franz., spr. schann), s. v. w. Johanna.

Jeanne d'Arc (spr. schann dark, auch Johanna d'Arc), die Jungfrau von Orléans, die Befreierin ihres Vaterlandes aus der Gewalt der Engländer, wurde 6. Jan. 1412 in Domremy, einem Dörfchen in der Champagne, an der Grenze von Lothringen, geboren. Ihre Eltern waren fleißige, ehrbare Ackersleute, sie selbst ein frommes, fleißiges Mädchen. Ein gewisser Ernst und schwärmerische Religiosität erfüllten sie von frühster Jugend. An den Spielen ihrer Gefährtinnen nahm sie selten Anteil, und seit ihrem 13. Jahr glaubte sie bei Beten und Fasten himmlische Stimmen zu vernehmen, die sie indes nur zum Gutsein und zur Frömmigkeit ermahnten. Burgundische Horden brachten auch ihrem Dörfchen den Kriegslärm nahe, der damals ganz Frankreich erfüllte; sie mußte mit ihrer Familie auf einige Wochen flüchten. Seitdem wandte ihre feurige Einbildungskraft sich diesen Dingen zu; ihre himmlischen Stimmen forderten sie auf, mit Gottes Hilfe zur Errettung Frankreichs auszuziehen; 1428 erschien ihr als das nächste Ziel die Errettung des wichtigen, von den Engländern schwer bedrängten Orléans. Ihre Eltern wollten nichts von ihrem Vorhaben wissen; allein ihr Oheim, den sie von ihrer himmlischen Sendung zu überzeugen wußte, führte sie zu dem königlichen Hauptmann in dem benachbarten Städtchen Vaucouleurs, der ihr Verlangen, an den königlichen Hof geleitet zu werden, lange Zeit als thöricht zurückwies, endlich aber gestattete, nachdem sie Ritterkleidung angelegt, daß zwei Edelleute, die an ihre göttliche Sendung glaubten, sie 23. Febr. 1429 an den Hof zu Chinon geleiteten. Freilich fiel es ihr schwer, die Höflinge und zumal den leichtfertigen Karl VII. selbst von der Wahrheit ihrer Sendung zu überzeugen. Indes da die mehrfach zu ihrer Prüfung ernannten theologischen Kommissionen ihr das beste Zeugnis ausstellten, da sie mit größter Sicherheit, Kühnheit und zugleich Einfachheit auftrat, da endlich die verzweifelte Lage des Reichs jede Aussicht auf Rettung willkommen heißen ließ: so vertraute ihr endlich Karl ein kleines Heer an, mit welchem sie in der That 29. April 1429 in Orléans eindrang. Wichtiger noch als Lebensmittel und Mannschaften, die sie den Belagerten zuführte, war die moralische Stärkung, die sie ihnen brachte; man hielt sie unzweifelhaft für eine Abgesandte der Gottheit. Nur durch den unvergleichlichen Mut und das entschiedene Feldherrntalent der Jungfrau sowie die Begeisterung, welche sie den Kriegern einzuflößen wußte, glückten mehrere Ausfälle gegen die Werke der Engländer, so daß diese 8. Mai die Belagerung von Orléans gänzlich aufheben und noch mehrere andre Plätze an der Loire räumen mußten. Jargeau eroberte J. mit Hilfe des Herzogs von Alençon im Sturm, wobei der englische Befehlshaber, der Graf von Suffolk, selbst gefangen ward. Am 18. Juni schlug sie den Lord Talbot mit einem starken englischen Korps bei Patay. Der ganze Mittellauf der Loire wurde den Engländern abgenommen. Schon zu Chinon hatte sie es als ihre zweite Hauptaufgabe bezeichnet, die Krönung Karls VII. in Reims zu bewirken. Dahin brach sie nun mit dem König auf;