Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

187

Jeja - Jekaterinoslaw.

tragödien (mit Castelli geschrieben), ging eine Zeitlang über alle Bühnen. Außerdem übersetzte er Lustspiele aus dem Spanischen (wie "Die Macht des Blutes" von Moreto) und aus dem Französischen.

2) Isaak, mit seinem spätern christlichen Tauf- und Schriftstellernamen Julius Seidlitz, geb. 3. Sept. 1814 zu Prag, widmete sich erst dem Handelsstand, dann der Litteratur und verfaßte "Novellen" (Leipz. 1842, Wien 1845), das für seine Zeit vorzügliche Buch "Die Poesie und die Poeten in Österreich" (Grimma 1837, 2 Bde.), mehrere Romane, z. B.: "Böhmen vor 400 Jahren" (1837, 3 Bde.), "Der Astrolog" (1839), "Die letzten Adepten" (1855, 4 Bde.) etc., und ein mit vielem Erfolg aufgeführtes Volksstück: "Doktorin Nacht". Einer der Zensurflüchtlinge Österreichs, lebte J. in Sachsen, dann in Ungarn, stets journalistisch thätig, später in Wien, wo er nach 1848 die "Presse" redigierte, die "Vorstadtzeitung" und bald darauf die Wochenschrift "Feierstunden" gründete, die beide sehr populär wurden. Er starb 8. März 1857.

Jeja (Jega), Fluß in Ciskaukasien, im Gebiet der Tschernomorischen Kosaken, fließt in westlicher Richtung und mündet in den Jeiskischen Liman des Asowschen Meers. Der 235 km lange Fluß ist nicht schiffbar, aber sehr fischreich.

Jejunum (lat.), Leerdarm, s. Darm.

Jekaterinenburg (Katharinenburg), Kreisstadt und Festung im ostruss. Gouvernement Perm, liegt malerisch an beiden Ufern des Isetj und am Ostrand des mittlern Urals, 250 m ü. M., hat breite und gerade Straßen, 12 Kirchen (darunter 2 Kathedralen), ein Kloster, Gymnasium, eine Realschule, ein Theater und (1880) 25,133 Einw. Die Stadt ist Sitz eines Oberbergamtes und überhaupt der Mittelpunkt des uralischen Berg- und Hüttenwesens, wo alles Kron- und Privatgold des Urals geschmolzen und probiert wird; sie besitzt einen Münzhof für Kupfergeld, einen Kaufhof, die Sibirische Handelsbank (jährlicher Umsatz 9 Mill. Rubel), eine Bergwerkshütte und 27 Fabriken, darunter eine Maschinenfabrik, Talgsiedereien, Stearin- und Talglichtfabriken, Tuch- und Seifefabriken, eine Steinschleiferei, eine große Eisenhütte, eine Kupferschmelzhütte, eine große Anstalt für Arbeiten in Jaspis, Marmor, Porphyr u. dgl. und mehrere Goldwäschereien. J. ist durch eine Eisenbahn (seit 1878) mit Perm und seit Dezember 1885 mit Tjumen verbunden. Es wurde 1723 von Peter d. Gr. gegründet und zu Ehren seiner Gemahlin Katharina I. benannt. Der Kreis J. wird von einer Kette des Urals durchzogen; der Boden ist steinig, das Klima rauh. Die im Kreis lebenden Baschkiren sind ausgezeichnete Bienenzüchter; die übrigen Bewohner treiben Viehzucht, arbeiten in den Bergwerken und verfertigen Holzkasten und Räder. Auch einige bedeutende Eisengießereien sind vorhanden.

Jekaterinenstadt (Katharinenstadt), reiche deutsche Kolonie im russ. Gouvernement Samara, am linken Ufer der Wolga, mit 3 Kirchen, einem Denkmal der Kaiserin Katharina II. (seit 1852, von Clodt) und gegen 5000 Einw.; 1765 vom Baron Beauregard gegründet. Die Kolonisten betreiben Tabaks- und Ackerbau, Gärtnerei und lebhaften Getreidehandel auf der Wolga.

Jekaterinodar, Hauptstadt des Kubangebiets der russ. Provinz Kaukasien, am Kubanfluß, in ungesunder Sumpfniederung, Sitz des Hetmans der Kubankosaken, mit Kathedrale, großem Kriegshospital, Gymnasium, sonst ärmlichen, mit Stroh gedeckten Häusern und (1879) 28,017 Einw., welche etwas Industrie und bedeutenden Handel (große Septembermesse) betreiben. J. wurde 1792 von Katharina II. gegründet.

Jekaterinograd, Kosakenstaniza im Terekgebiet der russ. Provinz Kaukasien, in 184 m Höhe, an der Malka nahe deren Mündung in den Terek gelegen, mit (1876) 2543 Einw., wurde 1778 als Festung an dem Militärkordon von Wosdok bis zum Asowschen Meer gegründet und 1822 in eine Staniza verwandelt.

Jekaterinopol, Flecken im russ. Gouvernement Kiew, am Tikitsch, mit (1880) 3757 Einw. 1861 wurde hier ein Braunkohlenlager von über 100,000 qm Ausdehnung entdeckt, das nach vorläufigen Berechnungen mindestens 4¼ Mill. Ton. Kohle enthält.

Jekaterinoslaw (d. h. Katharinas Ruhm), Gouvernement in Südrußland, grenzt im W. an das Gouvernement Cherson, im N. an Poltawa und Charkow, im O. an das Land der Donischen Kosaken, im SO. an das Asowsche Meer, im S. an Taurien und hat ein Areal von 67,719,5 qkm (1229,9 QM.). Das Gouvernement wird vom Dnjepr, der sich hier nach S. wendet und mehrere gefährliche Wasserschnellen (Parogen ^[richtig: Porogen]) bildet, bewässert; im NO. wird es vom Donez begrenzt. Es bildet eine ausgedehnte Ebene, die sich im NO. zu einer Hügelkette erhebt und von ungeheuern Steppen durchzogen wird. Der Steppenboden besteht aus Granit und Gneis, welcher ¼-1½ m hoch mit Humus bedeckt ist. Die Vegetation der Steppe charakterisiert sich hauptsächlich durch das massenhafte Auftreten der Stipa-Arten mit gefiederten Grannen und dem für das Vieh schädlichen Andropogon ischaemum. Das riesenhafte Unkraut wird als Burian oder Feuerungsmaterial benutzt. Das Klima ist mild und gesund, mit Ausnahme einiger Striche, in welchen das durch schlechtes Wasser verbreitete Faulfieber stark herrscht. Die mittlere Jahrestemperatur ist 8,4° C., doch steigt die Kälte zuweilen bis auf -30° C. Die Bewohner (1882) 1,697,061 an Zahl, 25 pro QKilometer, sind ein Gemisch verschiedener Völker: außer Russen, welche die Mehrzahl bilden, leben hier Armenier, Tataren, Arnauten (Albanesen), Raizen (Serben, die 1754 eingewandert), Moldauer, Griechen, Juden, Deutsche. Nach dem Religionsbekenntnis zerfielen sie 1870 in 1,246,058 griechische Katholiken, 6902 Sektierer, 20,284 armenische Gregorianer, 12,678 römische Katholiken, 29,806 Protestanten, 36,331 Juden, 1000 Heiden und 241 Mohammedaner. Die Zahl der Geburten ist (1882) 92,706, darunter 2009 uneheliche, der Sterbefälle 64,639, der Eheschließungen 18,529. Die Bevölkerung treibt Ackerbau. Vom Gesamtareal kommen auf Ackerland 53, auf Wiesen und Weiden 40, auf Unland 5 und auf Wald 2 Proz. Der Boden ist im allgemeinen sehr fruchtbar. Man kultiviert Weizen, Gerste, Roggen, Kartoffeln, Hafer, Buchweizen, Hirse, Mais, Hülsenfrüchte, Mohn, Tabak, Hanf, Flachs, Wasser- und andre Melonen, Gurken und rote Rüben; in den Gärten Obst, Pfirsiche, Aprikosen und Wein, welcher aber durch Nachtfröste leidet. Die Ernte ergab 1884: Winterweizen 325,500 hl, 6,4 hl pro Hektar, Sommerweizen 568,600 hl, 6,4 hl pro Hektar, Gerste 3,160,700 hl, 10,2 pro Hektar, Roggen 2,323,000 hl, 5,3 hl pro Hektar, Hafer 1,570,300 hl, Hirse 592,700 hl, Kartoffeln 1,573,700 hl; die andern Früchte in geringern Quantitäten. Haupterwerb bildet die Viehzucht. J. treibt einen bedeutenden Viehhandel mit den nördlichen Gouvernements, besonders mit St. Petersburg. Man zahlt (1882) 748,000 Stück Rindvieh, 2,728,000 Schafe (davon 1,943,000 veredelter Rasse), 28,000 Ziegen, 266,000 Schweine. Die Pferdezucht ist sehr im Aufschwung (1851 waren 70,000, 1882: 351,000