Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jenikale; Jenil; Jenipasar; Jenische Sprache; Jenischehr; Jenissei; Jenissei-Ostjaken; Jenisseisk

193

Jenikalé - Jenisseisk.

auch selbständig Porträte von Männern der Reformationszeit (Calvin, Bugenhagen, Camerarius).

Jenikale, Stadt, s. Kertsch.

Jenil (Genil, spr. chhenil), Fluß im südlichen Spanien, entspringt am Nordabhang der Sierra Nevada in der Provinz Granada, bildet ein tiefes, malerisches Gebirgsthal, hat viele Stromschnellen, durchströmt in nordwestlicher Richtung die öde bätische Steppe und fällt nach einem Laufe von 250 km unterhalb Palma links in den Guadalquivir. An seinem obern Lauf liegt Granada; der untere Lauf ist sehr versandet.

Jenipasar, Stadt, s. Novipasar.

Jenischehr, Stadt, s. Larissa.

Jenische Sprache, s. v. w. Gaunersprache, s. Kochemer Loschen.

Jenissei (Jenisei), großer Fluß Sibiriens, zwischen dem Ob im W. und der Lena im O., entsteht in der chinesischen Mongolei aus den beiden Quellflüssen Beikchem, der auf dem Sajanischen Gebirge, und Chuakhem, der von den Höhen am Westrand des Kossogol herabkommt und eine Reihe von Zuflüssen aus dem Tanuolagebirge aufnimmt, und fließt sodann als Ulukhem nordwestlich bis zur russischen Grenze, wo er, das Sajanische Gebirge in Katarakten und Stromschnellen durchbrechend, sich nördlich wendet, eine Richtung, die er bis zu seiner Mündung ins Eismeer beibehält. Von O. gehen ihm die Angara oder Obere Tunguska, die aus dem Baikalsee kommt, oberhalb Jenisseisk zu, dann die Podkamennaja oder Steinige Tunguska, die Nischnaja oder Untere Tunguska und die kleinern Kureika, Daneschkina u. a. Die Zuflüsse von links sind wegen der größern Nähe des Ob weit unbedeutender; die wichtigsten sind: Kas, Sym und Ingarewka. Der J. hat die ungeheure Länge von 4750 km, sein Stromgebiet wird auf 2,712,000 qkm (49,250 QM.) geschätzt. Bereits nach der Vereinigung mit der Angara im Mittel 1500-2000 m breit, erweitert sich sein unterer, durch die Tundra ziehender, mit zahllosen Inseln erfüllter Lauf bis zu 50 km, verengert sich bei der Mündung aber wieder zu 22 km. Dabei ist von Jenisseisk ab die Tiefe des Flusses sehr bedeutend, doch ist derselbe unter 56° nördl. Br. 162, unter 72° 192 Tage mit Eis bedeckt; das Zufrieren erfolgt hier Mitte November, dort Mitte Oktober. Bislang wird der Fluß außer von zahlreichen Barken, die, an ihrem Endziel angelangt, als Bau- und Brennholz verkauft werden, nur von 4 Dampfern und 2 Segelschiffen von über 50 Tonnen von Minussinsk abwärts, zuzeiten selbst bis zur Mündung befahren, wo Nordenskjöld 1875 den trefflichen Dicksonhafen fand. Seitdem haben Schiffe von Europa aus durch das Karische Meer wiederholt die Jenisseimündung zu erreichen versucht, was freilich nicht immer geglückt ist. Die Wasser des J. sind sehr fischreich; im Kreis Minussinsk wird viel Getreide erzeugt, das meist in den Goldwäschereien und den Ortschaften an seinen Ufern verbraucht wird. Von den letztern sind die bedeutendsten das schon genannte Minussinsk, Krasnojarsk, Turuchansk und Dudinsk. Der nördlichste, dauernd bewohnte Ort ist Krestowsk, rechts an der Mündung. Seit 1882 hat die russische Regierung, angeregt durch die Kaiserlich russische geographische Gesellschaft und den Kaufmann Funtussow in Jenisseisk, der 10,000 Rubel beisteuerte, den Bau eines Kanals begonnen, welcher den Großen und Kleinen Kaß, Nebenflüsse des J., mit Ket, Osernaja, Lomawataja und Jasewaja, Nebenflüssen des Ob, verbinden und nach Regulierung der Angara eine ununterbrochene schiffbare Wasserstraße von Irkutsk zum Ob herstellen soll.

Jenissei-Ostjaken, zu den Hyperboreern gehöriger Volksstamm in Sibirien, am Jenissei und seinen Nebenflüssen, zwischen Jenisseisk und Turuchansk, zerfällt in die südlichern symschen und die nördlicheren imbazkischen Ostjaken. Sie haben mit dem sonst Ostjaken genannten Volk wenig gemein; ihre Gesichtszüge tragen ein mehr türkisches als mongolisches Gepräge; sie sind Christen, verehren aber noch ihre heidnischen Götter. Ihre Beschäftigungen sind Fischfang, Jagd auf Pelztiere und Renntierzucht. Zu ihnen gehören auch die jetzt fast ganz ausgestorbenen Kotten am Agul, einem Nebenfluß des in den Jenissei mündenden Kan. Die Sprache der J. bildet mit der der eben genannten Kotten eine isolierte Sprachfamilie, die sich durch den Mangel der Vokalharmonie, den Gebrauch von Präfixen und Infixen und die radikale Verschiedenheit der Zahlwörter, denen das Quinar- (Fünfer-) System zu Grunde liegt, von der ural-altaischen scharf unterscheidet. Vgl. Castrén, Versuch einer jenissei-ostjakischen und kottischen Sprachlehre (Petersb. 1858).

Jenisseisk, russ. Gouvernement in Sibirien, erstreckt sich von der chinesischen Grenze bis zum Eismeer, westlich von Tomsk und Tobolsk, östlich von Irkutsk und Jakutsk begrenzt, und umfaßt ein Areal von 2,571,428 qkm (46,700 QM.) mit (1883) 421,010 Einw. Das weite, dem vierten Teil Europas an Größe gleichkommende und noch ziemlich unbekannte Gebiet hat nur im S. größere fruchtbare Strecken, während sich im N. der Anbau auf die Ufer der Hauptströme beschränkt, und ist im übrigen im S. stark gebirgig, im N. bis zum 69.°, wo die Waldgrenze ist, ein mit Weiden, Wäldern (vielen Lärchen) und Sümpfen bedecktes Land. Auf der Südgrenze erhebt sich das dicht bewaldete, schwer zu überschreitende Sajangebirge bis zu Höhen von 12-1500 m; im N. sind das Sywermagebirge und das bis zur Taimyrhalbinsel hinziehende waldlose Byrrangagebirge zu nennen. Diese Halbinsel bildet mit dem Kap Tscheljuskin (unter 77° 34'' nördl. Br.) den nördlichsten Punkt des asiatischen Kontinents. Die Hauptflüsse sind der Jenissei (s. d.) mit seinen Nebenflüssen; im hohen Norden entspringen die Pjasina, Chatanga, Anabara. Das Klima ist außerordentlich streng (in der Stadt J. fällt das Thermometer im Januar bis -56° C.) und die Temperaturunterschiede der Jahreszeiten sehr groß. Ergiebig ist der Getreidebau im S.; nahe dem Polarkreis gedeihen in den Niederungen noch Rüben und Kartoffeln, Getreidebau wird aber unsicher. Die Viehzucht ist bedeutend, im N. finden sich außer unsern Haustieren große Herden von Renntieren. Der Fischfang in den großen Strömen und in vielen wasserreichen Seen ist ergiebig; abgenommen hat die Jagd, doch wird jährlich eine große, stark besuchte Pelzmesse in Turuchansk gehalten. Von Metallen findet sich im S. Eisen, das in Irbinsk u. a. O. verarbeitet wird, Kupfer und Silber sehr reichlich im Thal des Abakan. Goldwäschen werden in den Bezirken von Atschinsk, Minussinsk, Krasnojarsk und J. betrieben, die erstern seit 1850, die letztern seit 1840. Die ersten drei ergaben 1880: 1016 kg Gold, die letztere 4592 kg. Einigermaßen nahe aneinander liegen die Dörfer nur in dem schmalen Gürtel fruchtbaren Landes am Rande des Hochgebirges, so daß z. B. im Kreis Krasnojarsk die Dichtigkeit der Bevölkerung 228 Seelen auf der Quadratmeile erreicht. Die Bewohner sind hier durchgehends Russen, die jenseit der Angara nur noch längs des Jenissei angesiedelt sind. Die übrige Bevölkerung besteht aus den schnell aussterbenden, den Russen stets feindlichen Juraken im höchsten Norden,