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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jesus-Maria-Orden; Jesus-Namensfest; Jesus Maria; Jesus Nazarenus Rex Judaeorum; Jesus Sirach

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Jesus Maria - Jesus Sirach.

geliums ausgehend, mit origineller und geistreicher Kritik in der evangelischen Geschichte historische und unhistorische Bestandteile zu scheiden versucht, und Gfrörer ("Geschichte des Urchristentums", Stuttg. 1838, 5 Bde.) wollte zeigen, wie das Christentum auf dem Boden des vom Talmud aus zu erkennenden Judentums aufgewachsen sei. Neuere, durch die Straußsche Kritik hervorgerufene und sie mit mehr oder weniger Erfolg bekämpfende Bearbeitungen des Lebens Jesu sind von Neander (Hamb. 1837, 5. Aufl. 1852), Krabbe (das. 1839), Kuhn (Mainz 1838, Bd. 1), J. ^[Julius] Hartmann (Stuttg. 1837-39, 2 Bde.), Theile (Leipz. 1837), J. P. ^[Johann Peter] Lange (Heidelb. 1844-1847, 3 Bde.), Ammon (Leipz. 1842-47, 3 Bde.), Friedlieb (Bresl. 1855, 2. Aufl. 1886), Riggenbach (Basel 1858), Baumgarten (Braunschw. 1859). Vgl. Strauß, Streitschriften zur Verteidigung meiner Schrift über das Leben Jesu und zur Charakteristik der gegenwärtigen Theologie (Tübing. 1837, 3 Hefte). Ein ähnliches Aufsehen wie Strauß in Deutschland erregte in Frankreich das Werk von Renan: "Vie de Jésus" (Par. 1863), welches in kurzer Zeit in viele Sprachen übertragen wurde. Renan hat darin bei mehr geistreicher als methodisch-korrekter Quellenbenutzung und phantasiereicher Ausschmückung das Leben Jesu auf reizendstem landschaftlichen Hintergrund gezeichnet als Bild eines liebenswürdigen und heitern Propheten, welcher, einmal in Gegensatz zu Pharisäern und Priestern getreten und zum Fortgehen auf dieser Bahn gedrängt, zum Schwärmer wird und sich allmählich darin gefällt, den mit der Wundergabe ausgerüsteten Messias zu spielen, bis er diesen Genuß mit dem Tod büßt. Von den zahllosen Streitschriften wider das Renansche Werk heben wir nur hervor die französischen, wissenschaftlich auf freiestem Standpunkt stehenden Kundgebungen von Réville, Colani, Schérer und Coquerel. Gleichfalls mit der Menschheit Jesu vollsten Ernst zu machen, war die durchschlagende Tendenz in Schenkels "Charakterbild Jesu" (Wiesbad. 1864, 4. Aufl. 1873), in welchem mit Zugrundelegung des zweiten Evangeliums das Leben Jesu vorzugsweise nach der Seite seiner der Satzungsreligion entgegentretenden Lehrwirksamkeit hin dargestellt wird. Das Trifolium "Strauß, Renan, Schenkel" wurde nun sofort wieder zum Gegenstand des Angriffs von seiten einer ganzen Reihe von theologischen und theologisierenden Schriftstellern, unter welchen auf katholischer Seite Veuillot ("Leben unsers Herrn J.", deutsch, Köln 1864) und Sepp ("Thaten und Lehren Jesu", Schaffh. 1864), auf holländischer van Oosterzee ("Das Bild Christi nach der Schrift"; "Geschichte oder Roman", beides deutsch, Hamb. 1864), auf französisch-protestantischer Pressensé ("Jésus-Christ, son temps, sa vie, son œuvre", 3. Aufl., Par. 1866; deutsch, Halle 1866) genannt werden mögen. Eine Arbeit von großer Bedeutung für die kritische Feststellung der Grundlagen sind Weizsäckers "Untersuchungen über die evangelische Geschichte, ihre Quellen und den Gang ihrer Entwickelung" (Gotha 1864). Vermittelnd schrieb Krüger-Velthusen: "Das Leben Jesu" (Elberf. 1872). Die über das Leben Jesu Christi angefachte wissenschaftliche Bewegung hat dann auch das nachgelassene "Leben Jesu" von Schleiermacher (Berl. 1864) sowie dasjenige von Bunsen (Leipz. 1865) an das Licht gebracht, mit welchen die unklar apologetisch gehaltene "Geschichte Christus'" von Ewald (3. Aufl., Götting. 1867) den allgemeinen Standpunkt teilt. In der neuesten Phase der auf die Geschichte Jesu Christi bezüglichen wissenschaftlichen Forschung ragt ganz entschieden Keims Werk hervor: "Geschichte Jesu von Nazara, in ihrer Verkettung mit dem Gesamtleben seines Volkes" (Zürich 1867-72, 3 Bde.; dritte [kurze] Bearbeitung, 2. Aufl. 1875). Ähnlich, jedoch statt des Matthäus den Markus zu Grunde legend, stehen auch Holtzmann in der mit Weber gemeinsam bearbeiteten "Geschichte des Volkes Israel und der Entstehung des Christentums" (Leipz. 1867, 2 Bde.), Hausrath ("Neutestamentliche Zeitgeschichte", Teil 1: "Die Zeit Jesu", Heidelb. 1868; 3. Aufl. 1879) und Wittichen ("Das Leben Jesu in urkundlicher Darstellung", Jena 1876), während auf gleicher Grundlage Volkmar ("Jesus Nazarenus und die erste christliche Zeit", Zürich 1882) wieder näher an Strauß (s. d.), bez. B. Bauer (s. d.) heranrückt, B. Weiß aber eine die apologetischen Bemühungen in ermäßigender Form zusammenfassende Darstellung gibt ("Das Leben Jesu", Berl. 1882; 2. Aufl. 1884, 2 Bde.), zu welcher Beyschlags Werk ein farbenreicheres Seitenstück bildet ("Das Leben Jesu", Halle 1885-86, 2 Bde.).

Als Stifter der christlichen Religion bildete J. auch für die mittelalterliche Dichtung, voran die deutsche, den Mittelpunkt aller Empfindung und Phantasievorstellung. Für die geistliche Dramatik, die aus den Kulthandlungen selbst hervorwuchs und vom 12. Jahrh. an mit deutsch geschriebenen Weihnachtsspielen, Passions- und Osterspielen einen außerordentlichen Umfang erlangte, blieb J. lange Zeit der ausschließliche Held; seine Geburt, sein Leiden, seine Auferstehung und Himmelfahrt bildeten die Haupthandlungen der geistlichen Aufführungen. In der epischen Dichtung treten den gereimten Evangelienharmonien, dem "Krist" des Otfried, dem "Heliand", dem "Leben Jesu" der Dichterin Ava etc., allerdings bald andre Stoffe zur Seite, und in der Fülle der Legenden verschwindet die Christusgestalt hinter der großen Schar der Heiligen und Märtyrer. Die Nachwirkungen des geistlichen Dramas lassen sich durch die protestantisch-biblische Dramatik des 16. und noch durch die Operndichtung des 17. Jahrh. hindurch verfolgen. Solange sie währten, blieb Leben und Sterben des Erlösers Lieblingsstoff der Darstellung und gewährte den Dramatikern den Vorteil eines allbekannten epischen Unter- und Hintergrundes. In der neuern deutschen Dichtung begann die epische Behandlung des Lebens Jesu mit Klopstocks "Messias" (1748-73), an den sich Lavaters "Jesus Messias" (1783), v. Halems "Jesus, der Stifter des Gottesreiches" (1810), Mehrings "Jesus in seiner siegenden Gotteskraft" (1821), Friedr. Rückerts "Leben Jesu" (1839), Karl Moritz' "Christus der Überwinder" (1841) und K. Siebels "Jesus von Nazareth" (1856) anreihen. Neuere dramatische Versuche gehen von ganz andern Voraussetzungen als die naiv-gläubigen Dramen der ältern Zeit aus; eine charakteristische Probe dieser veränderten Anschauung ist "Jesus der Christ" von Albert Dulk (1865).

Jesus Maria, Silberminen, s. Concepcion 4).

Jesus-Maria-Orden, s. Eudisten.

Jesus-Namensfest, Gedächtnisfeier Christi, 1721 vom Papst Innocenz XIII. zu einem Kirchenfest erhoben, fällt auf den zweiten Sonntag nach Epiphanias.

Jesus Nazarenus Rex Judaeorum (lat., abgekürzt I. N. R. I., "Jesus von Nazareth, König der Juden"), die Inschrift, welche Pilatus über dem Kreuz Jesu anbringen ließ (vgl. "I. N. R. I.", S. 861).

Jesus Sirach (d. h. Jesus, Sohn Sirachs), jerusalemischer Jude, Verfasser der unter seinem Namen