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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: John Bull; John Halifax Gentleman; John o' Groats House; Johnit; Johnson

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John Bull - Johnson.

brechen gegen den Staat. In Bezolds "Gesetzgebung des Deutschen Reichs" erläuterte er die "Strafprozeßordnung für das Deutsche Reich" (Erlang. 1881-84).

John Bull, s. Bull.

John Halifax Gentleman, Verfasser des, s. Craik 2).

Johnit, s. Türkis.

John o' Groats House (spr. dschonn o grohts haus', eigentlich Johnny Groat's House), ehemaliges Fährhaus am äußersten Ende von Schottland, beim DuncansbyHead, im 15. Jahrh. gebaut, jetzt verschwunden, aber noch immer sprichwörtlich genannt, wenn man den äußersten Punkt Schottlands bezeichnen will.

Johnson (spr. dschonnss'n), 1) Ben, s. Jonson.

2) Samuel, ausgezeichneter engl. Gelehrter, Dichter und Kritiker, geb. 18. Sept. 1709 zu Lichfield in Staffordshire, studierte zu Oxford, sah sich aber durch seine Mittellosigkeit gezwungen, noch vor beendeten Studien die Stelle eines Unterlehrers an einer Freischule zu Markt-Bosworth in Leicestershire anzunehmen. Bald gab er diese Stelle auf, um sich durch litterarische Arbeiten seinen Unterhalt zu erwerben. So übersetzte er Lobos "Reise nach Abessinien" aus dem Französischen, wofür er aber nur 5 Guineen Honorar erhielt. Im J. 1735 verheiratete er sich mit einer Witwe, die ihm 800 Pfd. Sterl. zubrachte, und gründete nun in Birmingham eine Erziehungsanstalt. Da es ihm auch damit nicht glückte, ging er 1737 mit einem seiner Zöglinge, dem später berühmten Dav. Garrick, nach London, um daselbst ein von ihm gedichtetes Trauerspiel: "Irene", auf die Bühne zu bringen, was ihm aber nicht gelang. Er lieferte nun für das von Cave herausgegebene "Gentleman's Magazine" Parlamentsreden ("Debates in parliament", neue Ausg., Lond. 1811, 2 Bde.). Mehrere Gedichte, die er während dieser Zeit geschrieben, z. B. die Satire "London" (1738), eine Nachahmung der dritten Satire des Juvenal, in welcher er die Laster und Thorheiten der Hauptstadt mit Witz geißelte, machten ihn weitern Kreisen bekannt. Es folgten: "Die Debatten des Senats zu Liliput", eigentlich kommentierte Auszüge aus den Reden der berühmtesten Parlamentsmitglieder der damaligen Zeit; die meisterhafte Biographie seines Freundes, des Dichters Richard Savage (1744); ferner das "Dictionary of the English language" (1755, 2 Bde.), das 1758 bereits die 6. Auflage erlebte und bis jetzt allen ähnlichen Werken über die englische Sprache zur Grundlage gedient hat (neue Ausg. 1878). Ein Seitenstück zu dem Gedicht "London" war: "The vanity of human wishes" (1749), eine Nachbildung der zehnten Satire Juvenals. Er redigierte inzwischen auch die geistreichen Zeitschriften: "The Rambler" (1750-1752, 280 Stück) und "The Idler" (1758-60), die ungemeinen Beifall ernteten. Erst 1762 aber entriß ihn eine von der Regierung ausgesetzte Pension von 300 Pfd. Sterl. den Nahrungssorgen, wofür er sich durch zwei Flugschriften politischen Inhalts: "The false alarm" (1770) und "Taxation no tyranny" (1775), dankbar erwies. In diese Zeit fällt auch seine Ausgabe Shakespeares (1765, 8 Bde.), die epochemachend in der Shakespeare-Litteratur und in der Geschichte der litterarhistorischen Kritik überhaupt geworden ist. Wenngleich Johnsons Charakteristik des Shakespeareschen Dramas den damals herrschenden französischen Einfluß verrät, insbesondere die auch von Diderot geteilte Ansicht von der moralisierenden Tendenz des bürgerlichen Schauspiels (des Rührstücks), so durchbricht dieselbe doch anderseits mit vieler Kühnheit die kritischen Anschauungen des Zeitalters. Während aber J. in den Alten die "Kunst" repräsentiert sieht, erblickt er in Shakespeare, ähnlich wie Milton, den Dichter der "Natur". Er war der erste in England, der es wagte, Shakespeare wegen der Mischung des Tragischen und Komischen und wegen seiner Vernachlässigung der sogen. Einheiten des Ortes und der Zeit zu verteidigen. Die Frucht einer Reise nach Schottland und den Hebriden (1773) war seine "Journey to the Western Isles of Scotland" (1775), die ihn aber wegen der darin gegen die Echtheit der Dichtungen Ossians geäußerten Zweifel in eine heftige Fehde mit Macpherson verwickelte. Bereits 70 Jahre alt, lieferte er noch die Biographien englischer Dichter ("The lives of the most eminent English poets", Lond. 1779-81 u. öfter; zuletzt Oxford 1864-65, 3 Bde.; deutsch von Blankenburg, Altenb. 1781, 2 Bde.) für eine Sammlung der englischen Klassiker. Er starb 13. Dez. 1784 und ward in der Westminsterabtei begraben. So bedeutend seine übrigen Leistungen sind, so wenig läßt sich dies von seinen Dichtungen sagen. J. war zu sehr Kritiker, um Dichter zu sein, und zu sehr das Kind seiner Zeit, in welcher Witz und Eleganz für das Höchste in der Poesie galten. Daher sind seine Verse korrekt und fließend, aber kalt, und selbst sein Trauerspiel "Irene" ist nur ein Werk des Verstandes. Erwähnenswert ist noch sein politisch-lehrhafter Roman "History of Rasselas, prince of Abyssinia" (1759; deutsch unter andern von Bärmann, Hamb. 1843, 2 Bdchn.). Ein besonderes Interesse gewinnt J. durch seine engen Beziehungen zu Oliver Goldsmith, den er durch den Verkauf des Manuskripts seines "Vicar of Wakefield" vom Schuldarrest befreite. Johnsons sämtliche Werke wurden herausgegeben von Hawkins (Lond. 1787, 11 Bde.), Murphy (das. 1792, 12 Bde.; neue Aufl. 1876), am vollständigsten von Talboys und Pickering (Oxf. 1825, 11 Bde.). Vorzügliche Biographien Johnsons lieferten Boswell (Lond. 1791, 2 Bde.; neue Aufl. von Croker, 1831, 5 Bde., und 1875; von Morley, 1884, 5 Bde.) und neuerdings Stephen (das. 1879).

3) Andrew, der 17. Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, geb. 29. Dez. 1808 zu Raleigh in Nordcarolina, verlor früh seine Eltern, wuchs in großer Dürftigkeit auf, erlernte das Schneiderhandwerk und ließ sich 1826 zu Greenville in Tennessee nieder. Erst von seiner Frau empfing er Unterricht im Lesen und Schreiben. Doch nahm er bald lebhaften Anteil an der Politik, zuerst als Whig, dann als Demokrat und entschiedener Anhänger Jacksons, und es gelang ihm, schon 1828 Alderman, 1830 Mayor von Greenville zu werden, worauf er seit 1835 mehrmals Abgeordneter zur Legislatur von Tennessee, von 1841 bis 1843 Mitglied des Senats war und 1843 in den Kongreß gesendet wurde, dem er bis 1853 angehörte. Von 1853 bis 1857 war er Gouverneur von Tennessee, und 1857 ward er Mitglied des Vereinigte Staaten-Senats. Bei dem Ausbruch des Bürgerkriegs 1861 war J., obwohl bisher Anhänger der demokratischen Partei, der einzige südstaatliche Senator, welcher sich mit Entschiedenheit für die Aufrechthaltung der Union erklärte. Auch bot er, freilich vergebens, alle ihm zu Gebote stehenden Mittel auf, um den Anschluß Tennessees an die Südstaaten zu verhindern. Zum Lohn für seine Bemühungen ernannte ihn Lincoln im Frühjahr 1862 zum Brigadegeneral und Militärgouverneur von Tennessee und erwählte ihn die republikanische Partei 1864 neben dem wieder erwählten Präsidenten Lincoln zum Vizepräsidenten. Wenige Wochen nach Antritt dieses Amtes hob ihn Lincolns Ermordung