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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Joinville; Jojachin; Jojakim; Jokai; Joke; Joki; Joklama; Jokohama

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Joinville - Jokohama.

"Revue des Deux Mondes" erschienen gesammelt als "Études sur la marine et récits de guerre" (Par. 1859). Er ist seit 1. Mai 1843 vermählt mit einer Tochter des Kaisers Pedro I. von Brasilien, Prinzessin Franziska (geb. 2. Aug. 1824), die ihm die mit dem Herzog von Chartres vermählte Prinzessin Franziska und den Herzog Peter von Penthièvre (geb. 4. Nov. 1845) geboren hat.

Joinville (spr. schoängwil), Jean, Sire de, der erste bedeutende Historiker der Franzosen, geb. 1224 als Sprößling einer alten Familie in der Champagne, nahm als Seneschall des Grafen von Champagne, Königs Thibaut IV. von Navarra, teil an dem Kreuzzug König Ludwigs IX. (1248), wozu er auf seine Kosten 700 Bewaffnete stellte. Mit Ludwig IX., dessen Freund er geworden, kehrte er erst 1254 nach Frankreich zurück und lebte seitdem teils am Hof, teils auf seinen Gütern. Er starb 1318. Seine durch Anschaulichkeit, Wahrheit und Treue der Schilderungen ausgezeichnete "Histoire de saint Louis" ward herausgegeben von Ducange (Par. 1668); neue Ausgaben von Michel (4. Aufl., das. 1867) und de Wailly (neue Ausg., das. 1883; deutsch von Driesch, Trier 1853). Vgl. Didot, Études sur la vie et les travaux de Jean de J. (Par. 1870).

Jojachin (Jechonja), König von Juda, Sohn Jojakims, bestieg den Thron nach dem Tode desselben 597 v. Chr., im 18. Lebensjahr, regierte aber nur drei Monate, indem Nebukadnezar mit einem Heer vor Jerusalem erschien, die Stadt eroberte, den Tempel in Trümmer legte und J. nebst einer großen Anzahl Juden ins Exil abführte (597). Doch erhielt J. von Nebukadnezars Nachfolger Evilmerodach gleich nach dessen Thronbesteigung 561 seine Freiheit wieder.

Jojakim, König von Juda 607-597 v. Chr., hieß eigentlich Eljakim und war der ältere Sohn des Josias, ward aber erst nach der Absetzung seines jüngern Bruders, Joahas, durch Necho von Ägypten 607 auf den Thron erhoben und war ein unterwürfiger Vasall Ägyptens. Um den Tribut zu zahlen und seiner eignen Lust- und Prachtliebe zu frönen, bedrückte er das Volk mit schweren Steuern. Nach Nechos Vertreibung aus Syrien unterwarf sich J. 600 dem siegreichen König Nebukadnezar von Babylonien, versuchte aber 598, auf ägyptische Hilfe bauend, eine Empörung. Noch ehe Nebukadnezar Jerusalem selbst bezwungen hatte, starb J. 597.

Jokai (spr. johkaï), Moritz, berühmter ungar. Schriftsteller, geb. 19. Febr. 1825 zu Komorn, widmete sich der Rechtswissenschaft und erlangte 1846 das Advokatendiplom, beschäftigte sich jedoch ausschließlich mit Litteratur und veröffentlichte 1846 seinen ersten Roman: "Hétköznapok" ("Werktage"), welcher bereits das bedeutende humoristische Talent des Dichters verriet. 1847 übernahm er die Redaktion der Wochenschrift "Életképek" ("Lebensbilder") und war seit 15. März 1848 einer der litterarischen Stimmführer der Freiheitsbewegung. Anfang 1849 floh er zugleich mit der ungarischen Regierung und den Abgeordneten nach Debreczin und redigierte daselbst die "Esti lapok" ("Abendblätter"). Seit 1849 mit der damaligen ersten tragischen Schauspielerin Ungarns, Rosa Laborfalvi (geb. 1820 zu Miskolcz, gest. 20. Nov. 1886), verheiratet, lebt er teils in Budapest, teils in seinen Villen im Ofener Gebirge und in Füred am Plattensee, unausgesetzt eine staunenswerte litterarische Thätigkeit entfaltend. J. hatte bis zu seinem 50. Geburtstag, der in Pest von einem großen Kreise seiner Verehrer festlich begangen wurde, bereits nahe an 200 Bände veröffentlicht, darunter 29 Romane, zusammen 100 Bände stark, 2 Bände Gedichte, 2 Bände dramatische Dichtungen, 6 Bände Sammlungen humoristischer Aufsätze, 48 Bände Novellen etc. Dabei war er seit 1858 ununterbrochen als Redakteur thätig; er redigierte lange Zeit ein großes politisches Tagblatt: "Hon" ("Vaterland"), sowie 1858-81 eine humoristische Wochenschrift: "Ústökös" ("Komet"), und ist gegenwärtig Chefredakteur des Regierungsblattes "Nemzet" ("Nation"). Als Abgeordneter (er wurde seit Wiederherstellung der ungarischen Verfassung in jeden der seitherigen Landtage gewählt) gehört er der liberalen Regierungspartei an und zählt zu deren schlagfertigsten Rednern. Seinen litterarischen Ruhm begründete er hauptsächlich mit seinen Romanen, in denen zuerst der Einfluß Victor Hugos, dann der Jules Vernes erkennbar ist, und von welchen viele zuerst ins Deutsche und dann aus dieser Sprache in zahlreiche andre europäische Sprachen übersetzt wurden. Sie zeichnen sich insgesamt durch lebhafte Phantasie, spannende Fabel und manchmal durch gesunden Humor aus, sündigen jedoch durch krasse Unwahrscheinlichkeit, grobe Effekthascherei und bedauerliche Flüchtigkeit der Arbeit. Die bedeutenden derselben sind: "Die weiße Rose" (1854); "Die Türkenwelt in Ungarn" (1855); "Ein ungarischer Nabob" (1856); "Schwarze Diamanten" (1870); "Wie man grau wird" (1872); "Die Narren der Liebe" (1873); "Der Goldmensch" (1873); "Der Mann mit dem steinernen Herzen" (1874); "Der Roman des künftigen Jahrhunderts" (1876); "Mein, Dein, Sein" (1876); "Komödianten des Lebens" (1877); "Rab Ráby" (1880); "Pater Peter" (1881); "Die armen Reichen" (1881); "Ein Frauenhaar" (1883); "Ein Spieler, der gewinnt" (1883); "Durch alle Höllen" (1884); "Die weiße Frau von Leutschau" (1884); "Nach zehn Jahren" (1885); "Der Zigeunerbaron" (1885); "Kleine Könige" (1886). J. bearbeitete auch den ungarischen Teil des vom Kronprinzen Rudolf herausgegebenen Prachtwerkes "Österreich-Ungarn". "Ausgewählte Schriften" von ihm erschienen deutsch Budapest 1881-83 (120 Lfgn.). Er ist seit 1860 Mitglied der Kisfaludy-Gesellschaft, seit 1861 Mitglied der ungarischen Akademie.

Joke (engl., spr. dschohk), Scherz, Spaß.

Joki (finn.), s. v. w. Fluß.

Joklama (türk.), in den türk. Handelsstädten Bezeichnung der Zollämter; J.-naziri, der Titel des obersten Zollrevisors.

Jokohama, erster Handelshafen Japans, an der Jedobucht prächtig gelegen und mit der Hauptstadt Tokio durch eine Eisenbahn von 30 km Länge verbunden, war früher nur ein Fischerdorf, ist, seitdem Japan dem Ausland eröffnet wurde, zu einer Stadt mit (1884) 84,383 Einw. (80,683 Japaner, 2471 Chinesen, 616 Engländer, 187 Amerikaner, 170 Deutsche, 101 Franzosen etc.) emporgewachsen. Der europäische Stadtteil, welcher sich an der tiefen Bucht hinzieht, ist sauber und hübsch gebaut. Hier sind die fremden Handelshäuser etabliert: 53 englische, 25 amerikanische, 20 deutsche, 12 französische, 7 schweizerische, 4 italienische, 1 holländisches. Von fremden Banken bestehen 4 englische und 1 französische, außerdem 15 fremde Dampfschiffsagenturen und 89 fremde Feuer-, Schiffs-, Transport- und Lebensversicherungsgesellschaften. Die Stadt hat Gasbeleuchtung, mehrere Kirchen, gute Gasthöfe, Klubs, Zeitungen in englischer und französischer Sprache, Hospitäler etc. J. ist der Hauptausfuhrhafen für die beiden wichtigsten Exportartikel: Seide und Thee, der wichtigste Eingangshafen für fremde Artikel. 1884 besuchten