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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jonas; Jonathan; Jonathan Apphus; Joncières; Jonckbloet; Jones

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Jonas - Jones.

auch, nachdem er zuvor das bekannte Abenteuer mit dem großen Fisch erlebt, ausgeführt, worauf aber die Stadt Buße gethan, so daß Gott sie diesmal noch verschont habe. Diese Erzählung hat offenbar rein lehrhafte Tendenz, und sicherer als jede Ausscheidung des historischen oder mythischen Stoffes ist die Annahme, daß der Verfasser des Buches die Nichterfüllung prophetischer Strafandrohungen, die man oft genug erlebt hatte, motivieren wollte. Das angebliche Grab des Propheten I. wird übrigens noch heutzutage in der Gegend des alten Ninive gezeigt.

Jonas, Justus, Freund und Gehilfe Luthers bei der Reformation und Bibelübersetzung, geb. 5. Juni 1493 zu Nordhausen, studierte Jurisprudenz und später Theologie in Erfurt und ging 1521 als Professor und Propst der Schloßkirche nach Wittenberg. An dem Fortgang der Reformation den regsten Anteil nehmend, begleitete er Luther nach Worms, unterstützte ihn beider Schulvisitation (1529), wohnte dem Religionsgespräch in Marburg und dem Reichstag in Augsburg bei. 1546 von Halle, wo er seit 1541 als Pastor gelebt, vertrieben, begleitete er Luther auf seiner letzten Reise nach Eisleben und starb, nachdem er Hofprediger in Koburg gewesen, 9. Okt. 1555 als Superintendent in Eisfeld. Er übersetzte mehrere Schriften Luthers und Melanchthons und schrieb außer Anmerkungen zur Apostelgeschichte: "Discussio pro conjugio sacerdotali" (1523). Sein Briefwechsel wurde herausgegeben von Kawerau (in den "Geschichtsquellen der Provinz Sachsen", Halle 1884-85). Vgl. Pressel, Justus I. (Elberf. 1863).

Jonathan ("Gottesgabe"), Sohn des israelitischen Königs Saul, führte den Krieg gegen die Philister zuerst mit glücklichem Erfolg, bis er in der Schlacht bei Gilboa (1033 v. Chr.) seinen Tod fand. Seine treue Freundschaft zu David bildet eine der schönsten Episoden der alttestamentlichen Geschichte.

Jonathan (Bruder J., engl. Brother J., spr. dschónnäthan), scherzhafte Benennung für die Gesamtheit der Einwohner der nordamerikanischen Freistaaten, dem John Bull der Engländer entsprechend. Der Name rührt von Jonathan Trumbull her, welcher zur Zeit des nordamerikanischen Freiheitskriegs eine Zeitlang Gouverneur von Connecticut war und sich durch Geistesgegenwart und Klugheit die Achtung und Freundschaft Washingtons in dem Grad erworben hatte, daß dieser nach einem resultatlosen Kriegsrat in Massachusetts ausgerufen haben soll: "Wir müssen Bruder J. zu Rate ziehen", welcher Ausruf in schwierigen Lagen bald sprichwörtlich wurde.

Jonathan Apphus, der Makkabäer, Sohn des jüd. Priesters Mattathias, ward nach dem Tod seines Bruders Judas (160 v. Chr.) Hauptanführer der jüdischen Patrioten gegen die Syrer und hielt sich mit geringen Streitkräften an der Ostgrenze des Landes. Bei den Thronstreitigkeiten zwischen den syrischen Königen Demetrios und Alexander Balas (152) ergriff er des letztern Partei und ward dafür erst zum Hohenpriester, dann zum Feldherrn und Meridarchen (Statthalter eines Landesteils) ernannt. Als Demetrios Nikator gegen Alexander auftrat (147), mußte sich J. 145 dem Drang der Umstände fügen und an erstern sich anschließen, welcher ihn in seinem hohenpriesterlichen Amt bestätigte. Da aber Demetrios in der Folge seine ihm gemachten Versprechungen nicht hielt, ergriff J. die Partei des unmündigen Antiochos VI., der von Diodotos Tryphon, einem Feldherrn Alexanders, als Gegenkönig gegen Demetrios aufgestellt war, und schlug in Galiläa ein Heer des Demetrios. Nachdem er einen Angriff des letztern abgeschlagen, befestigte er Jerusalem stärker, ließ sich aber von Tryphon, welcher sich der Krone des Antiochos bemächtigt hatte, überlisten, fiel in dessen Gefangenschaft und ward kurze Zeit darauf getötet (143).

Joncières (spr. schougßiähr), Victorin de, franz. Komponist, geb. 12. April 1839 zu Paris, war auf dem Konservatorium Schüler von Elwart und Leborne, verließ aber das Institut infolge eines Streits mit Leborne über Richard Wagner, zu dessen Verehrern er gehört, wie er denn 1868 zur ersten Aufführung der "Meistersinger" nach München reiste und auch als Musikreferent (für die "Liberté") Wagners Sache energisch vertritt. Von seinen Kompositionen sind zu nennen: die Musik zu "Hamlet", die Opern: "Sardanapal" (1867), "Pompejis letzter Tag" (1869), "Dimitri" (1876, alle drei im Théâtre lyrique aufgeführt), "Königin Bertha" (1878 in der Großen Oper aufgeführt) und "Johann von Lothringen" (1885, auch in Köln aufgeführt); ferner eine Symphonie romantique, eine Chorsymphonie: "Lamer", eine ungarische Serenade, ein Violinkonzert, eine Konzertouvertüre etc. J.' Richtung ist die modernste, doch fehlt seinen Werken Reinheit des Stils.

Jonckbloet (spr. -blut), Willem Jozef Andreas, holländ. Litterarhistoriker, geb. 6. Juli 1817 im Haag, studierte seit 1835 in Leiden zuerst Medizin, dann Rechtswissenschaft, um sich schließlich dem Studium der niederdeutschen Litteratur zuzuwenden. Nachdem er bereits 1840 wegen einer Abhandlung über Ludwig van Velthem von der philosophischen Fakultät zu Leiden zum Ehrendoktor ernannt worden, erhielt er 1847 eine Professur an der Akademie zu Deventer, die er bis 1854 bekleidete, und wurde 1878 Professor an der Universität zu Leiden. Seine Hauptwerke sind, von Ausgaben verschiedener mittelalterlicher Dichtungen abgesehen: "Geschiedenis der middennederlandsche dichtkunst" (Amsterd. 1851-55, 3 Bde.); "Étude sur le roman de Renart" (Groning. 1863) und namentlich die "Geschiedenis der nederlandsche letterkunde" (das. 1868-70; 3. Aufl. 1881-86, 6 Bde.; deutsch von Berg, Leipz. 1870-72, 2 Bde.), ein Werk, das mit ebensoviel Unparteilichkeit wie Gründlichkeit und Geschmack den Gegenstand behandelt. Ein kleiner Abriß der niederländischen Litteraturgeschichte erschien 1872 (3. Aufl. 1886). J. war übrigens als langjähriges Mitglied der Zweiten Kammer der Generalstaaten auch auf politischem Gebiet thätig. Er starb 19. Okt. 1885 in Wiesbaden.

Jones (spr. dschonns), 1) Inigo, engl. Architekt, geboren um 1572 zu London, war erst Tischler, erwarb sich aber durch einige Landschaftsgemälde hohe Gönner, welche ihn zu seiner künstlerischen Ausbildung Frankreich, Flandern, Deutschland und Italien bereisen ließen. Bald aber trat seine Liebe zur Baukunst in den Vordergrund. Als praktischer Architekt war er zuerst in Dänemark unter Christian IV. thätig, dann bei König Jakob I. von England. Nach der Rückkehr von einer zweiten italienischen Reise, auf welcher er besonders Palladios Werke in Venedig studierte, kam er nach London. Seine bedeutendsten Bauwerke sind: der Bankettsaal im Palast Whitehall, die Villa in Chiswick, das Hospital zu Greenwich, die Säulenhalle der St. Paulskirche, die alte Londoner Börse, das Schloß des Grafen Pembroke zu Wilton in Wiltshire und der Palast Ambresbury in derselben Grafschaft (zum Teil unter Mitwirkung seines Adoptivsohns Webb). Unter Karl I. wurde J. Oberinspektor sämtlicher königlicher Gebäude und starb 21. Juli 1652. Er vermischte noch gotische Elemente mit jenen der spätern italienischen Weise, hatte sich