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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jonge; Jongleur; Jonke; Jönköping; Jonquille; Jonson

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Jonge - Jonson.

vom Mississippi, mit einem großen Irrenhaus und (1880) 879 Einw. In der Nähe Eisengruben und Kalksteinbrüche.

Jonge, 1) Johannes Cornelis de, niederländ. Geschichtschreiber, geb. 9. Mai 1793 zu Zieritzen in Zeeland, war beim niederländischen Reichsarchiv angestellt und Aufseher des königlichen Münzkabinetts im Haag, wo er 11. Juni 1853 starb. Von seinen Werken ist besonders zu nennen: "Geschiedenis van het nederlandsche zeewezen" (3. Aufl., von seinem Sohn herausgegeben, Zwolle 1869, 6 Bde.).

2) Johann Karel Jacob de, niederländ. Historiker, Sohn des vorigen, geb. 17. Juni 1828 im Haag, studierte in Leiden die Rechte, wurde dann Hilfsbeamter beim Reichsarchiv im Haag, wo er sich mit Bakhuizen van den Brink und mit van den Bergh an der Herausgabe von "Het nederlandsch rijksarchief; verzameling van onuitgegeven oorkonden en bescheiden voor de geschiedenis des vaderlands" beteiligte. Er starb 15. März 1880. Im J. 1862 erschien der erste Teil seines großartig angelegten, aber unvollendet gebliebenen Werkes "De opkomst van het nederlandsch gezag in Oost-Indie; verzameling van onuitgegeven stukken uit het oudkoloniaal archief" (Haag 1862-77, 10 Bde.; Bd. 11 u. 12 hrsg. von Deventer, 1883-84), welches eine gründliche Darstellung der niederländischen Kolonialgeschichte im Indischen Archipel enthält. Ferner schrieb er: "De oorsprong van Nederlands bezittingen op de kust van Guinea in herinnering gebragt uit de oorspronkelijke stukken" (Haag 1871) und eine historische Studie über Louise de Coligny (das. 1880).

Jongleur (franz., spr. schong-lör, mittellat. joculator, provençal. joglar, joglador, altfranz. jogléor oder joglère), bei den Provençalen und Nordfranzosen Bezeichnung für Spielleute, welche aus Gesang, Musik und Erzählung ein Gewerbe machten (im Gegensatz zu den ritterlichen Kunstdichtern, den Troubadouren und Trouvères) und vielfach auch zur Gaukelei und Possenreißerei herabsanken. Troubadoure, welche die Gabe, ihre Lieder singend vorzutragen, nicht selbst besaßen, pflegten einen J. zum Begleiter anzunehmen, um von diesem ihre Gedichte singen und zugleich auf einem Instrument begleiten zu lassen. Bei den Trouvères der Nordfranzosen hießen die Jongleure, wenn sie im Dienst großer Herren standen und selbst zu dichten verstanden, auch Ménéstrels (s. d.). Vgl. Freymond, J. und Ménéstrels (Halle 1883). Gegenwärtig versteht man unter Jongleuren lediglich Leute, welche Meister in den Künsten der Körpergewandtheit und Äquilibristik sind; unter diesen sind die indischen Jongleure die berühmtesten.

Jonke, Feldmaß auf Java à 4 Bouwis = 283,86 Ar.

Jönköping (spr. jöndschöping), Län im Innern des südlichen Schweden, grenzt im N. an Skaraborglän und Ostgotland, im O. an letzteres und Kalmar, im S. an Kronobery, im W. an Halland und Elfsborgslän und umfaßt den nördlichen höhern Teil der Landschaft Småland mit einem Areal von 11,574,6 qkm (210,2 QM.) mit (Ende 1884) 197,392 Einw. Das Land ist gebirgig und von Seen (Wettersee) und Flüssen (Nissa, Laga, Helgeå, Mörrumså, Emmå, Svartå etc.) erfüllt, hat aber zum Teil fruchtbaren Boden und besitzt in seinen Bergen (z. B. im Taberg) ansehnlichen Metallreichtum. Unter den Wäldern ist der Holaveden, der nördliche Grenzwald, der bedeutendste. Das Län zerfällt in neun Gerichtsbezirke. - Die Hauptstadt J. liegt in reizender Gegend am Südende des Wettersees und an der Eisenbahn Falköping-Malmö, hat einen Hafen, Handel mit Landprodukten (Korn etc.), Zündhölzer- ("Säkerhets Tändstickor"), Papier-, Tapeten- und Tabaksfabrikation und (1885) 19,344 Einw. J. ist Sitz des höchsten Gerichtshofs von Gotland sowie auch eines deutschen Konsuls. - J. war Sitz mehrerer schwedischer Reichstage, besonders 1599; 1612 wurde es von den Schweden verbrannt, damit die Dänen nicht Quartier finden sollten. Hier 10. Aug. 1809 Friedensschluß zwischen Dänemark und Schweden.

Jonquille (franz., spr. schonki[l]j), gelbe Narzissenart, s. Narcissus. Daher Jonquillenfarbe, hochgelbe, ins Grünliche spielende Farbe.

Jonson (spr. dschonnss'n), Ben (eigentlich Benjamin Johnson), engl. Dramatiker, geb. 11. Juni 1573 in Westminster zu London als Sohn eines schottischen Geistlichen, der kurz vor der Geburt des Knaben starb. Dieser wurde zwar in eine gelehrte Schule gebracht, die gedrückte Lage der Familie aber zwang ihn, die kaum begonnenen Studien aufzugeben und bei seinem Stiefvater das Maurerhandwerk zu erlernen. Doch konnte der junge Ben diese Beschäftigung nicht lange aushalten, wie er später dem schottischen Dichter Drummond, der Hauptquelle für Jonsons Leben, erzählt hat. Als damals Königin Elisabeth ihren hart bedrängten Truppen in Flandern Verstärkung sandte, ließ deshalb auch J. sich anwerben; nach beendetem Feldzug kehrte er nach London zurück: um sich alsbald der Bühne in praktischer und schriftstellerischer Thätigkeit zuzuwenden. In letzterer Beziehung scheinen die sogen. "Zusätze zu ältern beliebten Stücken" der Anfang gewesen zu sein. Sehr früh verheiratet, hatte J. nicht lange darauf das Unglück, einen Schauspieler im Duell zu töten, was ihm eine längere Haft zuzog. Durch Fürsprache ward er aber wieder in Freiheit gesetzt. Um jene Zeit war auch sein erstes uns erhaltenes Lustspiel: "Every man in his humour" (1598), entstanden, das nur durch Shakespeares Einfluß zur Aufführung gekommen sein soll. Die eigentümliche Richtung Jonsons ist bereits in diesem ersten Stück vollkommen ausgeprägt: der Dramatiker stellt "jeden in seinem Humor", d. h. in seinem einseitigen, meist zur Thorheit und Lächerlichkeit gewordenen Wesen, dar. Dieser Humor bezeichnet also gleichsam die fixierte, stehen gebliebene Laune, etwas Dauerndes. Wo J. bei Darstellung dieser "humours" den Boden der Wirklichkeit verläßt und (nach Hurds treffendem Ausdruck) abstrakte Passionen zum Gegenstand wählt, da wird er fast ungenießbar. Dies ist besonders der Fall in "The silent woman" (1609, deutsch von Tieck in der Shakespeare-Vorschule) und "Volpone or the fox" (1605), einem Stück, welches Goethe von jeder weitern Lektüre Jonsons abschreckte. Eine gewisse nicht glückliche Mischung phantastisch-konstruktiver und realer Elemente weist alsdann "Cynthia's revels" (1599) auf: hier wird die Königin Elisabeth, dem Zeitgeist entsprechend, mit einer ans Sinnlose streifenden Schmeichelei als Göttin verherrlicht, während die Typen der Höflinge um so beißenderem Spott preisgegeben werden. Charakteristisch sind die dort eingeflochtenen Gesellschaftsspiele der Herren und Damen vom Hof. Die persönlichen Streitigkeiten aber, in welche J. durch dies Stück wie durch den gegen Marston und Dekker gerichteten "Poetaster" (1601) verwickelt ward, bewogen ihn, in seinen nächsten Produktionen von der Gegenwart abzusehen und im "Sejanus" (1605) und im "Catilina" (1611) antike Stoffe zu behandeln. Von ungleich packenderm Interesse ist das Lustspiel "Bartholomew fair" (1614). Hier wird der Jahrmarkt von Smithfield mit