Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jordan

262

Jordan.

Verteidigungsschrift zu 5 Thlr. Kosten verurteilte. Als die Ereignisse von 1848 eintraten, mahnte J., wieder in den Landtag gewählt, zur Mäßigung und Versöhnung, nahm in diesem Sinn teil am Vorparlament und ward mit dem Titel eines Geheimen Legationsrats Bevollmächtigter Kurhessens beim Bundestag (bis Januar 1850). Auch saß er als Abgeordneter eines kurhessischen Wahlbezirks in der Nationalversammlung, wo er ebenfalls vermittelnd zu wirken suchte. Er starb 15. April 1861 in Kassel. Vgl. außer seiner "Selbstverteidigung" (2. Aufl., Mannh. 1845) Trinks und Julius, Jordans Leben und Leiden (Frankf. 1845).

3) Rudolf, Maler, geb. 4. Mai 1810 zu Berlin, begann daselbst seine künstlerische Ausbildung unter Wach, verließ denselben jedoch schon 1830 und machte in Rügen Naturstudien, auf Grund deren sein erstes Genrebild: die Fischerfamilie, entstand. 1833 wandte er sich nach Düsseldorf und arbeitete in der dortigen Akademie bei Schadow und K. Sohn. Dort begründete er 1834 seinen Ruf durch den Heiratsantrag auf Helgoland (Nationalgalerie zu Berlin), der durch Nachbildungen sehr beliebt wurde. Von da ab widmete er sich ausschließlich der Schilderung des Fischer- und Schifferlebens, wozu er sich die Stoffe auf häufigen Reisen nach Holland, Belgien und Frankreich holte. Er stellt mit gleichem Geschick humoristische wie ernste, selbst tragische Szenen dar. Seine Auffassung ist gesund, mitunter wahrhaft poetisch, die Zeichnung scharf individualisierend. Seine Färbung war anfangs kräftig und ist erst zuletzt etwas flauer geworden. Seine spätern Hauptwerke sind: die vergessenen Stiefel (1835), zurückkehrende Lotsen (1836, Berliner Nationalgalerie), das Lotsenexamen (1842), die Lotsensturmglocke, Szene in den Dünen nach dem Sturm (1844), Rettung aus dem Schiffbruch (1848), betende Weiber mit ihrem Geistlichen in Sturmesnot (1852), die Krankensuppe (in der Kunsthalle zu Düsseldorf), Suppentag im Kloster (Museum zu Köln), das Altmännerhaus an der holländischen Küste (1864, Nationalgalerie in Berlin), Strandwache, eine Hochzeit auf der Insel Marken, das Frauenhaus zu Amsterdam, gestrandete Passagiere, der Witwe Trost (1866, Nationalgalerie zu Berlin), das Begräbnis des alten Seemanns (1874), nach durchwachter Nacht, Schiffbruch an der Küste der Normandie (1880), Rückkehr vom Heringsfang (1881), holländische Strandkneipe (1884) und eine große Zahl größerer und kleinerer Familienszenen. Minder glücklich sind seine Darstellungen aus dem italienischen Volksleben. Viele von Jordans Gemälden sind durch Stich, Lithographie etc. weit verbreitet. Auch als Aquarellmaler, Illustrator und Radierer hat er sich vorteilhaft bekannt gemacht. Er starb 26. März 1887 als königlicher Professor und im Besitz der großen goldenen Medaille der Berliner Ausstellung.

4) Ludwig Andreas, Reichstagsabgeordneter, geb. 24. Febr. 1811 zu Deidesheim in der bayrischen Pfalz, Weingutsbesitzer und 1848-52 Bürgermeister daselbst, 1857 Präsident der pfälzischen Handelskammer und 1845-55 und 1862-72 Mitglied des bayrischen Abgeordnetenhauses, wo er der gemäßigt freisinnigen und national gesinnten Partei angehörte. 1848 nahm er an den Verhandlungen des Vorparlaments in Frankfurt a. M. teil und schloß sich bald der von Barth, Volk und Brater gegründeten deutschen Fortschrittspartei in Bayern an. 1868 zu Landau in das Zollparlament und 1871 in den deutschen Reichstag gewählt, schloß er sich der nationalliberalen Partei an, zu deren eifrigsten und treuesten Mitgliedern er gehörte. Er starb 1. Juli 1883 in Deidesheim.

5) Wilhelm, Dichter und Schriftsteller, geb. 8. Febr. 1819 zu Insterburg, studierte 1838-42 in Königsberg, wo besonders die Vorlesungen von Karl Rosenkranz für seinen Bildungsgang einflußreich wurden, anfangs Theologie, dann Philosophie und Naturwissenschaften, setzte, schon promoviert, seine Studien 1842-43 in Berlin fort und ließ sich sodann in Leipzig nieder. Dort politischer und religiöser Dichtungen und Aufsätze wegen verfolgt und aus Sachsen verwiesen, siedelte er nach Bremen über, wo er schriftstellernd und als Lehrer thätig bis Februar 1848 lebte. In Freienwalde zum Abgeordneten fürs deutsche Parlament erwählt, trat er namentlich in der Polenfrage als Redner auf. Zum Sekretär des Marineausschusses ernannt, wurde er, nachdem die Gründung einer Flotte beschlossen war, als Ministerialrat in die Marineabteilung des Reichsministeriums für Handel berufen. Nach Versteigerung der deutschen Flotte von der Bundesversammlung pensioniert, hat er in Frankfurt a. M. seitdem seinen Wohnsitz. Von einigen frühern Übersetzungen abgesehen, veröffentlichte J.: "Glocke und Kanone" (Königsb. 1841) und "Irdische Phantasien" (das. 1842), Dichtungen mit politischer Tendenz und von ziemlich stürmischem Inhalt; ferner: "Litauische Volkslieder und Sagen" (Berl. 1843); "Die begriffene Welt", 6 Hefte einer Monatsfrist für populäre Darstellungen aus dem Gebiet der Naturwissenschaften (Leipz. 1843-44); "Schaum", Dichtungen (das. 1845); "Weckruf an das Ronge-berauschte Deutschland" (das. 1845); "Geschichte der Insel Haïti und ihres Negerstaats" (das. 1846-49, 2 Bde.); "Demiurgos", ein Mysterium (das. 1852-54, 3 Bde.) "Die Liebesleugner", lyrisches Lustspiel (das. 1854); "Tausch enttäuscht", Lustspiel (1856; 2. Aufl., Frankf. 1884); "Graf Dronte", Schauspiel (1856); "Der falsche Fürst", Schauspiel (1856); "Die Witwe des Agis", Preistragödie (Frankf. a. M. 1858); "Shakespeares Gedichte", die Übersetzung der Sonette und erzählenden Dichtungen Shakespeares enthaltend (Berl. 1861), und die Übersetzung der Tragödien des Sophokles (das. 1862). Unter allen diesen Werken sind "Die Witwe des Agis" und "Demiurgos" als bisherige Hauptwerke zu bezeichnen, letzteres eine philosophische Dichtung in episch-dramatischer Form, eine Art Faustiade, rücksichtlich der Gedanken nicht ohne Verdienst, aber breit und ohne Handlung. 1865 begann J. als wandernder Rhapsode mit dem Vortrag einer Wiederherstellung der Nibelungensage: "Nibelunge", welche (in Stabreimen abgefaßt) in zwei getrennten Teilen: "Sigfriedsage" (Frankf. 1869, 12. Aufl. 1885) und "Hildebrants Heimkehr" (7. Aufl., das. 1885), erschien, an den verschiedensten Orten mit Beifall aufzutreten und hat seine Reisen bis nach Amerika ausgedehnt. Seine Anschauung über die mögliche Wiederbelebung des altdeutschen Epos legte J. in den Schriften: "Das Kunstgesetz Homers und die Rhapsodik" (Frankf. 1869), "Der epische Vers und der Stabreim" (das. 1868) und "Epische Briefe" (das. 1876) dar. Bei glänzenden Stellen und echt epischen Vorzügen im einzelnen, welche in seinem mündlichen Vortrag lichtvoll heraustreten, machen die "Nibelunge" doch mehr den Eindruck eines interessanten poetischen Experiments als einer unmittelbaren und darum ganz lebendigen Schöpfung. Immerhin aber fand das große, konzentrierte Werk Interesse und Teilnahme und half Verständnis und Sinn für unsre germanische Vorzeit