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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jörg; Joripaß; Joris; Jorissen; Joristen; Jork; Jormungandr

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Jörg - Jormungandr.

Jörg, 1) Johann Christian Gottfried, Mediziner, geb. 24. Dez. 1779 zu Prödel bei Zeitz, studierte in Leipzig und habilitierte sich 1805 daselbst als Privatdozent sowie praktischer Arzt und Geburtshelfer. Später ward er ordentlicher Professor der Geburtshilfe und Direktor der Entbindungsanstalt zu Leipzig und starb 20. Sept. 1856 daselbst. Er gehörte zu den namhaftesten Geburtshelfern dieses Jahrhunderts und machte sich besonders dadurch verdient, daß er die vielfach üblich gewordenen unnützen Eingriffe bei gesundheitsgemäßen Geburten, wie z. B. mechanische Erweiterung des Muttermundes etc., zu beseitigen und der Naturthätigkeit im Geburtsakt ihr Recht zu wahren suchte. Von ihm ging die von Ritgen weiter ausgebildete Idee einer neuen Methode des Kaiserschnittes, der sogen. Bauchscheidenschnitt, aus (1806). Er schrieb: "Lehrbuch der Hebammenkunst" (Leipz. 1814, 5. Aufl. 1855); "Handbuch der Geburtshilfe" (das. 1807, 3. Aufl. 1833); "Handbuch der Krankheiten des Weibes" (das. 1809, 3. Aufl. 1831); "Handbuch zum Erkennen und Heilen der Kinderkrankheiten" (das. 1826, 2. Aufl. 1836); "Die Zurechnungsfähigkeit der Schwangern und Gebärenden" (das. 1837).

2) Joseph Edmund, ultramontaner Politiker, geb. 23. Dez. 1819 zu Immenstadt, studierte Theologie, wandte sich aber unter Döllingers Anleitung der Geschichte zu, trat 1852 in den Archivdienst und ward Vorstand des königlichen Archivs auf Schloß Trausnitz bei Landshut. Von eingehendem Quellenstudium zeugt seine "Geschichte des großen Bauernkriegs" (Freib. i. Br. 1850). Seitdem er 1852 nach Guido Görres' Tode die Redaktion der ultramontanen "Historisch-politischen Blätter" übernommen, für die er viele Artikel schrieb, wandte er sich mehr der Zeitgeschichte zu. So erschienen von ihm eine "Geschichte des Protestantismus in seiner neuesten Entwickelung" (Freib. i. Br. 1857, 2 Bde.) und eine "Geschichte der sozialpolitischen Parteien in Deutschland" (das. 1867). 1865 ward er in den bayrischen Landtag gewählt, 1867 auch in das Zollparlament; doch trat er erst im Januar 1870 als Referent der ultramontanen Majorität des Landtags in der Debatte über die von ihm verfaßte und gegen Hohenlohe gerichtete Adresse hervor. Während er hier seinen Zweck, den Sturz Hohenlohes, erreichte, verfehlte er ihn im Juli 1870, als er als Referent bewaffnete Neutralität Bayerns verlangte, und im Januar 1871, als er Ablehnung der Verträge mit dem Norddeutschen Bund und des Anschlusses an das Deutsche Reich beantragte. Dem deutschen Reichstag gehörte er seit 1871 an, machte sich aber auch hier erst 4. Dez. 1874 durch seine bissige Rede gegen Bismarcks auswärtige Politik bemerklich. Als Haupt der bayrischen Patriotenpartei leitete er im Sommer 1875 die Neuwahlen für den Landtag und beantragte bei dessen Zusammentritt im Oktober 1875 eine wieder von ihm verfaßte scharfe Adresse an den König, welche rundheraus Entlassung des Ministeriums forderte. Sie ward von der Kammer zwar angenommen; indes hatte sie nicht die gewünschte Wirkung, den Sturz der verhaßten Minister, namentlich Lutz', und die Ernennung eines ultramontanen Ministeriums herbeizuführen, indem der König die Adresse in schroffer Weise ablehnte. J. nahm nun im bayrischen Landtag eine versöhnliche Haltung ein, ward aber deswegen von den Extremen seiner eignen Partei in so heftiger Weise angegriffen, daß er sich unter entschiedener Verurteilung der Politik seiner Parteigenossen im Landtag 1880 ganz vom politischen Leben zurückzog.

Joripaß, s. San Jorio, Passo di.

Joris, Pio, ital. Maler, geb. 1843 zu Rom, besuchte von 1856 bis 1864 die St. Lukasakademie, vollendete seine Studien bei Vertunni und stellte 1866 das Gemälde: römisches Landmädchen, einem Hirten zu trinken reichend, aus. 1867 folgte die ländliche Szene: Gruß der Jungfrau Maria, 1868: eine Hochzeit in Palombara, Sabina, eine hastige Mahlzeit und ein Konzert in Genazzano. Auf der Münchener Ausstellung 1869 erhielt J. für den Sonntagsmorgen vor der Porta del Popolo in Rom eine goldene Medaille. Schon 1869 hatte J. Venedig, Paris und München besucht, 1870 reiste er zu Studienzwecken nach London und hielt sich 1871-72 in Spanien auf. 1872 vollendete er die Saladad (span. Tanz), 1873 führte er verschiedene Motive aus der Umgegend von Rom aus und sandte die Rückkehr vom Almosengang, wofür er eine Ehrenmedaille erhielt, zur Wiener Ausstellung. 1875 beschickte er den Pariser Salon mit dem Pfarrer als Antiquitätenhändler, 1876 mit der Heimkehr der Waisen sowie dem Aquarell: Taufe in Roma Priora. Die nationale Ausstellung zu Neapel 1877 brachte: nach dem Segen und Forio d'Ischia, die Pariser internationale 1878: die Taufe in Ischia und die Via Flaminia. Von seinen übrigen Bildern sind noch zu nennen: Tempel des Antoninus und der Faustina, an den Tiberufern, die Flucht des Papstes Eugen IV. (1883), Patrizierkind und Waisenkinder, ein Antiquitätenhändler des 18. Jahrh., der arme Soldat, die Odaliske, Dämmerung in der römischen Campagna und die Braut aus der Provinz Rom. J. gehört der modernen Richtung in der ital. Malerei an, die, unter dem Einfluß Fortunys, mit pikanter Lebendigkeit der Darstellung des Volkslebens eine geistreiche, fast skizzenhafte technische Ausführung verbindet.

Jorissen, Theodor, niederländ. Historiker, geb. 23. Febr. 1833 zu Utrecht, war zuerst Lehrer am Gymnasium in Gouda, dann an der höhern Bürgerschule zu Haarlem und ist seit 1865 Professor der Geschichte am Athenäum (jetzt Universität) zu Amsterdam. Seine hauptsächlichsten Schriften sind: "Abelard en Heloïse" (Haag 1862); "Charlotte de Corday" (Groning. 1864); "Over het begrip van algemeene geschiedenis" (Amsterd. 1865); "De omwenteling van 1813" (1865-68, 2 Tle.); "Napoleon I et le roi de Hollande" (Haag 1868); "G. K. van Hogendorp en L. van Limburg-Stirum" (Groning. 1869); "De ondergang van het koningrijk Holland" (Arnh. 1871); "Constantin Huygens" (das. 1871); "De eerste coalitie en de republiek der vereenigde Nederlanden" (Amsterd. 1877). Außerdem hat sich J. durch litteraturgeschichtliche Arbeiten, namentlich über Vondel, einen bedeutenden Namen gemacht.

Joristen, s. David Joriszoon.

Jork, Landgemeinde und Hauptort des gleichnamigen Kreises im preuß. Regierungsbezirk Stade, unweit der Elbe, hat ein Amtsgericht, eine evang. Kirche und (1885) 1466 evang. Einwohner. Der Kreis J. umfaßt das Alte Land, einen sehr fruchtbaren Marschdistrikt längs der Elbe zwischen Este und Schwinge, mit trefflicher Viehzucht, Kirschenbau und Schiffahrt; die Bewohner haben noch eigne Sitten und Kleidung und unterscheiden sich aufs schärfste von den Nachbarn im Kreis Kehdingen, im Kehdingerland.

Jormungandr (Jörmungand), in der nord. Mythologie die von Loke und der Riesin Angerbode gezeugte Schlange (auch Midgardschlange genannt), wurde von den Asen in das Weltmeer geschleudert und wuchs darin zu so ungeheurer Größe, daß sie, sich selbst in den Schwanz beißend, mit ihrem Leib die ganze Erde umspannt. Sie erzeugt Ebbe