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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Josephine; Josephinenhütte; Josephsehe; Josephshöhe; Josephson; Josephsorden

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Josephine - Josephsorden.

der allerdings schwierigen Aufgabe nicht gewachsen. Seit der Schlacht bei Roßbach 5. Nov. 1757 kommandierte er nicht wieder, sondern lebte in Wien der Pflege der Musik. Die Übertragung der Administrations- und Debitkommission des Fürstentums Hildburghausen rief ihn 1769 dahin. 1779 übernahm er die Vormundschaft über seinen Urgroßneffen Friedrich und führte diese auch nach dessen Volljährigkeit bis zu seinem 4. Jan. 1787 erfolgten Tod fort. Seine Ehe, die er bald wieder löste, da man ihn über das Vermögen seiner Gemahlin getäuscht hatte, war kinderlos geblieben.

Josephine, Marie Rose, Kaiserin der Franzosen, erste Gemahlin Kaiser Napoleons I., geb. 3. Juni 1763 auf Martinique, wo ihr Vater Joseph Tascher de la Pagerie königlicher Hafenkapitän war, kam in einem Alter von 15 Jahren nach Frankreich und heiratete 13. Dez. 1779 ihren Landsmann, den Vicomte Alexandre Beauharnais (s. d.). Die Sprößlinge dieser nicht glücklichen Ehe waren Eugen, der nachmalige Herzog von Leuchtenberg (s. d.), und Hortense (s. d.), die nachherige Gemahlin des Königs Ludwig Bonaparte von Holland, die Mutter Napoleons III. Nach der Hinrichtung ihres Gatten (9. März 1794) ward J. ebenfalls verhaftet und sollte vor dem Revolutionstribunal erscheinen, als die Katastrophe vom 9. Thermidor eintrat. Auf Verwenden von Therese Cabarrus, der nachherigen Gattin Talliens, die sie im Gefängnis kennen gelernt, ward sie von Tallien befreit und erhielt durch ihn einen Teil ihrer konfiszierten Güter zurück. Im Haus von Barras, der ihr Freund und Beschützer wurde, lernte sie den General Bonaparte kennen und reichte demselben 9. März 1796 ihre Hand. J. nahm den lebhaftesten Anteil an den Waffenthaten ihren Gemahls und konnte kaum abgehalten werden, denselben auch nach Ägypten zu begleiten. Sie lebte während dieser Zeit in Malmaison, das sie käuflich an sich gebracht hatte. Nach Bonapartes Rückkehr wirkte sie auch zu dessen politischen Zwecken erfolgreich mit; namentlich wußte sie an ihren kleinen Hof, den sie nach dem 18. Brumaire im Palast Luxembourg eröffnete, und mit dem sie 1800 in die Tuilerien übersiedelte, auch Mitglieder der royalistischen Partei zu fesseln. Dabei entwickelte sie aber einen übergroßen Luxus, der sie in schwere Geldverlegenheiten stürzte. Obwohl sie keine besondere Bildung genossen, so wußte sie doch diesen Mangel durch hohes geselliges Talent, das weniger durch eigentliche Schönheit als durch Anmut gehoben ward, reichlich zu ersetzen. Sie besaß ein außerordentliches Gedächtnis, welches Bonaparte oft benutzte. Die vielen Treulosigkeiten ihres Gemahls ertrug sie nur mit größtem Unwillen; mit den Geschwistern Napoleons stand sie von je in einem gespannten Verhältnis. Ihre menschenfreundliche Gesinnung zeigte sie, indem sie manche Härten ihres Gemahls auszugleichen suchte und ihn oft nicht ohne Erfolg von Gewaltthaten abmahnte. Insbesondere zogen sie alte Sympathien zu dem emigrierten Adel hin, von dem viele Mitglieder ihr Amnestie, Ämter und Pensionen verdankten. Mit ihres Gemahls Streben nach souveräner Gewalt war sie keineswegs einverstanden und bot im Einverständnis mit Fouché alles auf, den letzten Schritt zu hindern oder wenigstens hinauszuschieben, da sie voraussah, daß die Gründung einer Napoleonischen Dynastie die Auflösung ihrer kinderlosen Ehe und eine anderweite Vermählung ihres Gemahls notwendig machen würde. Als ihr indes Napoleon 2. Dez. 1804 selbst die Kaiserkrone aufsetzte, fügte sie sich, obwohl ungern, in ihr Schicksal, das durch persönliche Differenzen mit Napoleon über ihre Verschwendung und ihr etikettewidriges Benehmen beschleunigt ward. Aber auf den Wunsch Napoleons, daß sie selbst auf Scheidung antragen solle, ging sie durchaus nicht ein und willigte erst nach langem Sträuben ein, daß 16. Dez. 1809 die Trennung ihrer Ehe gesetzlich ausgesprochen ward. J. lebte seitdem mit kaiserlichem Titel und Glanze zu Navarre in der Nähe von Evreux, von ihrem alten Hof umgeben. Sie bewahrte für ihren geschiedenen Gatten nicht nur ihre alte Neigung, sondern blieb mit ihm auch im Briefwechsel und empfing mehrmals seine Besuche. Sein Sturz brach daher ihre geistige und physische Kraft. Die Gunst, den Gefallenen nach Elba begleiten zu dürfen, ward ihr nicht gewährt, wiewohl die verbündeten Monarchen sich sonst sehr rücksichtsvoll gegen sie benahmen. Sie starb 29. Mai 1814 in Malmaison an einer Halsentzündung und ward in der Kirche zu Ruel, unweit Malmaison, beigesetzt. Ihre Kinder aus erster Ehe errichteten ihr daselbst 1822 ein Denkmal, auf welchem sie in knieender Stellung dargestellt ist. Vgl. "Lettres de Napoléon à J. pendant la première campagne d'Italie, le Consulat et l'Empire" (Par. 1827); "Lettres de J. à Napoleon et à sa fille" (das. 1833, 2 Bde.; deutsch von Elsner, Stuttg. 1838-39, 2 Bde.); Aubenas, Histoire de l'impératrice J. (Par. 1857-1859, 2 Bde.); "Mémoires de Mme. de Rémusat" (das. 1879-80, 2 Bde.; deutsch von Ebeling, Köln 1880) und ihre Lebensbeschreibung von Saint Amand (Par. 1884, 4 Bde.).

Josephinenhütte, s. Schreiberhau.

Josephsehe (Engels- oder Jungfernehe, Matrimonium virgineum), mit Anspielung auf Joseph, den Gatten der Maria, eine Ehe, bei welcher infolge vorheriger Übereinkunft der Zweck der Kindererzeugung wegfällt.

Josephshöhe, s. Auerberg.

Josephson, Ludwig Oskar, schwedischer dramat. Dichter, geb. 20. Febr. 1832 zu Stockholm, widmete sich in Paris dem Buchhandel und eröffnete 1855 nach seiner Rückkehr nach Stockholm ein Geschäft, ging aber später, einem innern Drang folgend, zur Bühne über. Seit 1861 am königlichen Theater daselbst angestellt, erhielt er 1863 die Regie des Dramas, 1865 die der Oper und wurde 1872 zum szenischen Direktor des Theaters in Christiania berufen. Wenige Jahre später begab er sich auf Reisen; nach seiner Rückkehr übernahm er 1879 das Neue Theater in Stockholm, das er allmählich zur ersten Bühne der Hauptstadt erhob. Als dramatischer Schriftsteller erntete er zahlreiche Erfolge. Wir nennen von seinen Stücken "Brage i Valhall", "Et sundhetskollegium", "Folkungalek" "Marsk Stigs döttrar", "Onkel fra Kalifornien", "Kunstens vapen", das Lustspiel "Familjelif", das Schauspiel "Paris" und als eins der jüngsten "Thord Hasle", worin die Sage von den schwedischen Einwanderern im schweizerischen Haslethal behandelt ist. Ein wertvoller Beitrag zur schwedischen Theatergeschichte ist sein Buch "Våra teaterförhållanden" (Stockh. 1870). - Sein älterer Bruder, Jakob Axel J., geb. 27. März 1818, gest. 29. Mai 1880 als Musikdirektor an der Universität zu Upsala, war ein namhafter Komponist. Von seinen Liedern, Romanzen und Gesängen für Männerchor sind viele sehr beliebt; auch gediegene Kirchenkompositionen, z. B. ein "Kyrie", ein "Quando corpus" u. a., hat er hinterlassen.

Josephsorden, großherzoglich toscan. Orden, gestiftet 1807 von Ferdinand III., zweiter im Rang,