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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Josephstadt; Josephus; Josias; Jósika

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Josephstadt - Jósika.

in drei Klassen, von denen die erste und zweite den Erbadel, die dritte den Personaladel verlieh. Der Orden ist seit 1861 aufgehoben.

Josephstadt (tschech. Josefov), Stadt und Festung in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Königinhof, an der Mündung der Mettau in die Elbe und der Pardubitz-Reichenberger Eisenbahn, von welcher hier die Bahn nach Liebau abzweigt, hat ein neues Rathaus, eine Kirche, Kasernen, ein Zeughaus, Garnisonspital, Zuckerfabrik und (1880) mit der Garnison (3479 Mann) 5963 Einw. J. ist Sitz des 9. Korpskommandos. Die 1781-87 an der Stelle des Dorfs Pleß erbaute und zu Ehren Josephs II. benannte Festung ist eine der wichtigsten in der österreichischen Monarchie, ward aber noch nicht belagert. Sie bildet ein regelmäßig bastioniertes Achteck, dessen Gräben unter Wasser gesetzt werden können, während das umliegende Terrain zum Teil unterminiert ist.

Josephus (Josephos), Flavius, Geschichtschreiber der Juden, aus einem Priestergeschlecht, mütterlicherseits von der Familie der Hasmonäer abstammend, geb. 37 n. Chr. zu Jerusalem, erhielt eine gelehrte Bildung und schloß sich an die Sekte der Pharisäer an. Er begab sich 63 nach Rom, wo er sich die Gunst der Poppäa, Neros Gemahlin, zu verschaffen wußte, schloß sich nach seiner Rückkehr in sein Vaterland, nachdem er sich vergeblich bemüht hatte, den beabsichtigten Aufstand seiner Landsleute gegen die römische Oberherrschaft zu hintertreiben, den Aufständischen selbst an, ward Befehlshaber in Galiläa, geriet bei der Einnahme von Jotapata in römische Gefangenschaft, wußte sich aber bei dem römischen Feldherrn Vespasian dadurch, daß er diesem die Besteigung des Kaiserthrons prophezeite, in Gunst zu setzen, so daß er befreit wurde und später auch das römische Bürgerrecht erhielt. Er wohnte zunächst der Belagerung von Jerusalem durch Titus bei und lebte dann, bis jedenfalls nach 93, in Rom, wo er sich durch seine Gewandtheit in der Gunst der Kaiser behauptete und sich hauptsächlich mit schriftstellerischen Arbeiten beschäftigte. Sein erstes Werk ist die Geschichte des jüdischen Kriegs, dem er selbst, zum Teil als Mithandelnder, beigewohnt hatte ("De bello judaico libri VII", deutsch von Gfrörer, Stuttg. 1835, und von Paret, das. 1865), die er erst in syro-chaldäischer Sprache schrieb, dann aber (um 75) für Vespasian, Titus und die Römer überhaupt (wie er selbst sagt, mit einiger fremden Beihilfe) ins Griechische übersetzte. Sein zweites Hauptwerk: "Die jüdischen Altertümer" ("Antiquitatum judaicarum libri XX", deutsch von Kaulen, 2. Aufl., Köln 1883), ist im J. 93 in griechischer Sprache verfaßt und enthält eine Geschichte des jüdischen Volkes von Erschaffung der Welt an bis zum 12. Jahr der Regierung Neros (66 n. Chr.), welche in der Absicht geschrieben ist, den Römern eine günstigere Vorstellung von dem bei ihnen so verachteten Volk der Juden beizubringen. Außer diesen beiden größern Werken, die, obgleich ihre Glaubwürdigkeit nicht selten durch die persönliche und nationale Eitelkeit des Verfassers und durch seine Schmeichelei gegen die römischen Machthaber beeinträchtigt wird, dennoch von großem historischen Wert und Interesse sind, besitzen wir von ihm noch eine an die Geschichte des jüdischen Kriegs sich anschließende Selbstbiographie und eine zur Verteidigung seiner jüdischen Geschichte abgefaßte Schrift: "Gegen Apion" (hrsg. von Müller und Riggenbach, Basel 1877), in zwei Büchern, in welcher besonders die dort vorgetragene Ansicht über das hohe Alter des jüdischen Volkes aufrecht zu erhalten gesucht wird. Ob die "Lobrede auf die Makkabäer", welche in mehreren Ausgaben der griechischen Übersetzung des Alten Testaments als 4. Buch der Makkabäer aufgenommen ist, den J. zum Verfasser hat, ist zweifelhaft; noch zweifelhafter ist dies hinsichtlich einer Schrift: "Über das Weltall", welche bisweilen dem J. zugeschrieben wird. Gesamtausgaben seiner Werke besorgten Havercamp (Amsterd. 1726, 2 Bde.), Dindorf (1845-47, 2 Bde.), Bekker (Leipz. 1855-56, 6 Bde.) und Niese (Berl. 1886 ff.); J.' Selbstbiographie gab Henke (Braunschw. 1786) heraus. Vgl. Bärwald, J. in Galiläa (Bresl. 1877); Böttger, Topographisch-historisches Lexikon zu den Schriften des F. J. (Leipz. 1879); Bloch, Die Quellen des Flavius J. in seiner Archäologie (das. 1879); Destinon, Die Quellen des F. J. (Kiel 1882); Olitzki, Flavius J. und die Halacha (Leipz. 1886).

Josias, König von Juda, Sohn Amons, folgte diesem achtjährig 640 v. Chr. Unter seiner Regierung ward 622 das zweite Gesetzbuch Moses', das Deuteronomium, im Tempel angeblich aufgefunden und durch Verkündigung desselben der Jehovahdienst in gereinigter und verstärkter Form wiederhergestellt und zur ausschließlichen Staatsreligion erhoben; durch diese im Sinn der Propheten durchgeführte Reform wurde das nationale Bewußtsein der Juden sehr gekräftigt. Der Götzendienst und die Opfer auf den Höhen wurden gänzlich unterdrückt. Nachdem schon 626 das Reich von den Skythen verwüstet worden war, fiel 609 Necho von Ägypten in Juda ein. J. zog ihm mit einem Heer entgegen, erlitt aber bei Megiddo eine Niederlage und wurde selbst tödlich verwundet.

Josias, Friedrich, Herzog zu Sachsen, berühmter kaiserlicher Feldherr, Sohn des Herzogs Josias Franz von Koburg, geb. 26. Dez. 1737 zu Koburg, machte in österreichischen Diensten seit 1759 als Oberst eines Kürassierregiments den Siebenjährigen Krieg mit und stieg 1773 bis zum Feldmarschallleutnant. Im Türkenkrieg von 1788 Befehlshaber eines Armeekorps unter Laudon, besetzte er die Moldau, eroberte Chotin, siegte mit Suworow bei Fokschani 1. Aug. 1789 und nahm, nachdem er noch bei Martinestie das türkische Hauptheer unter dem Großwesir gänzlich geschlagen, den größten Teil der Walachei mit Bukarest ein, wofür er zum Feldmarschall ernannt wurde. 1793-94 befehligte er das Heer in den österreichischen Niederlanden und brachte dieselben durch seine Siege bei Aldenhoven und Neerwinden im März 1793 wieder in österreichische Gewalt. In Frankreich eroberte er Condé, Valenciennes, Quesnoy und Landrecies, erlitt aber infolge unglücklicher Dispositionen, zum Teil wohl auch infolge der Uneinigkeit unter den verbündeten Mächten und deren Feldherren im Mai 1794 eine Reihe von kleinern Niederlagen an der Sambre und wurde 26. Juni bei Fleurus entscheidend geschlagen, worauf die Niederlande geräumt wurden, wozu sich die Wiener Diplomatie ohnehin schon früher entschlossen hatte. Hierüber erzürnt und mit offener Anklage der Thugutschen Politik legte nunmehr der Reichsfeldherr seinen Kommandostab nieder, welchen dann Clerfait (s. d.) übernahm, und zog sich nach Koburg zurück, wo er 26. Febr. 1815 starb. Vgl. A. v. Witzleben, Prinz Friedrich J. von Koburg-Saalfeld, Herzog zu Sachsen (Berl. 1859, 3 Bde.).

Jósika (spr. johschi-), Nikolaus, Baron, ungar. Romanschriftsteller, geb. 28. April 1794 zu Torda in Siebenbürgen, schlug die militärische Laufbahn ein und brachte es bis zum Hauptmann, verließ dann den Dienst und wandte sich nach wenig glücklichen