Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jucar; Juchert; Juchnow; Juchten; Juckbohne; Jucken; Jucker; Jucundi acti labores; Juda; Judä; Judäa

279

Jucar - Judäa.

Jucar (spr. chhûkar), Fluß im östlichen Spanien, entspringt am Cerro de San Felipe in der Provinz Cuenca, fließt in einem weiten Bogen erst südlich, dann östlich, tritt in die Provinz Valencia über, nimmt links den Cabriel auf und fällt, nachdem er eine weite, mit Reisplantagen erfüllte Niederung, wo er zahlreiche Bewässerungskanäle abgibt, durchschnitten hat, nach 505 km langem Lauf bei Cullera in das Mittelmeer.

Juchert (Juchart, Jauchart, Jochacker), Feldmaß, in Bayern (Tagwerk) 400 QRuten = 34,0727 Ar; in der Schweiz 400 QRuten = 36 Ar; in Österreich 1600 QKlafter = 57,55 Ar.

Juchnow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Smolensk, an der Ugra, mit 2 Kirchen und (1880) 3248 Einw. Der Kreis hat mehrere Steinkohlenlager; Getreide gedeiht nicht gut, besser Lein.

Juchten, s. Juften.

Juckbohne, s. Mucuna.

Jucken, eine eigentümliche Empfindung auf der äußern Haut, auch auf gewissen Partien der Schleimhaut, welche zum Kratzen, Reiben und Schaben reizt. Man unterscheidet das J., welches sich bei mannigfachen Hautkrankheiten, Reiz durch Ungeziefer, Gelbsucht und andern nachweisbaren Ursachen einstellt, von einem selbständig ohne unmittelbare Störungen auftretenden Hautleiden, dem Pruritus oder Prurigo. Dieses ist entweder ein allgemeines, über den ganzen Körper verbreitetes, in Anfällen auftretendes J., das besonders unter dem Einfluß der Bettwärme, aber auch infolge heftiger Erregungen und zuweilen ohne jeden Anlaß ausbricht, oder es ist ein örtliches Übel, das vorzugsweise an den Geschlechtsteilen (Pruritus pudendorum), den Handtellern, den Fußsohlen (P. palmae et plantae) oder als Afterjucken (P. ani s. podicis) auftritt. Das Allgemeinübel ist stets sehr hartnäckig, namentlich bei alten Leuten (P. senilis) unheilbar. Im mittlern Lebensalter ist es oft mit schlechter Verdauung, Störungen der Genitalsphäre, mit Nierenkrankheiten, Tuberkulose etc. verbunden und schwindet mit der Besserung dieser Krankheiten. Dem örtlichen J. liegen nicht selten dieselben Übel zu Grunde, der Pruritus pudendorum ist auch wohl der Vorläufer krebsiger Neubildungen der Gebärmutter. Unter allen Umständen ist das J. außerordentlich lästig und peinigend; zuerst kann man die Neigung zum Kratzen durch starken Willen bekämpfen, dann aber wird der Reiz so mächtig, daß die Kranken ihre Haut andauernd und energisch mit den Nägeln bearbeiten müssen, bevor unter allgemeiner Erschlaffung eine Besserung einkehrt. Zuweilen steigert sich der Kitzel zu einem lebhaften Brennen (P. formicans). Die Knötchen, Schrunde und Hautentzündungen, welche bei längerm Bestehen des Juckens sich vorfinden, sind Folgen des Kratzens und erschweren oft sehr die Unterscheidung des Pruritus von Ekzemen, Krätze, Nesselsucht etc. Die Behandlung ist bei bestehenden Grundleiden auf diese zu richten, z. B. bei Verdauungsstörungen und Hysterie erweisen sich Brunnenkuren, bei psychischer Niedergeschlagenheit Wechsel des Wohnortes, Reisen etc. von Vorteil. Örtlich leistet Teerbehandlung sehr wenig, dagegen erzielt man Linderung durch alle Mittel, welche auf der Haut ein Kältegefühl hervorbringen, kalte Douchen, Sitzbäder mit Zusatz von Schwefel, Soda, Alaun, Sublimat, alkoholische und ätherische Flüssigkeiten. Bei J. im After und der Scheide ist ein Kühlapparat für diese Teile empfehlenswert. Alle innern Mittel, Arsenik, Atropin, Chinin, Pilokarpin und Karbolsäure, haben sich nicht bewährt. Nur betäubende Mittel, Morphium und Chloralhydrat, sind anzuwenden, um den Leidenden Schlaf zu verschaffen.

Jucker (ungar.), kleine, leichte Blutpferde englischen oder arabischen Ursprungs (Ungarn, Siebenbürger, Russen etc.), welche, zu zweien oder vieren vor einen leichten Wagen gespannt, im raschen Trab große Touren durchlaufen. Man sieht bei ihrer Zusammenstellung für den Dienst weniger auf gleichmäßige Farbe, spannt vielmehr alle möglichen Farben zusammen, verlangt aber Übereinstimmung in Form, Gang, Blut und besonders in der Ausdauer.

Jucundi acti labores (lat.), "vollbrachte Arbeiten sind angenehm", s. v. w.: nach gethaner Arbeit ist gut ruhen (Citat aus Ciceros "De finibus", II, 32).

Juda (richtiger Jehuda, hebr. "Dank Gott, gottlob"), Sohn des Stammvaters Jakob von der Lea, Ahnherr eines israelitischen Stammes, der den südlichsten Teil Kanaans (mit Ausschluß Philistäas an der Meeresküste) als Stammgebiet innehatte. Anfangs erstreckte sich dasselbe von dem Idumäischen Gebirge bis an die Nordspitze des Toten Meers; später mußte jedoch ein Distrikt im W. zunächst gegen Philistäa hin an den Stamm Simeon abgetreten werden. Nach Sauls Tode trennte sich der Stamm J., der, zahlreicher als jeder der übrigen, schon von alters her vor diesen bevorzugt war, von den elf andern, indem er David als König anerkannte. Erst nach 7½jähriger Spaltung schlossen sich die andern Stämme an. So kam der Stamm J. zum Besitz des königlichen Throns, erregte aber dadurch die Eifersucht des Stammes Ephraim, der es nach dem Tod Salomos dahin brachte, daß sich die übrigen Stämme, mit Ausnahme Benjamins, wieder von ihm trennten und ein besonderes Reich Israel bildeten. Das kleine Gebiet des nunmehrigen Reichs J. hatte allerdings durch den Besitz Jerusalems und des Zentralheiligtums einen Vorzug, doch ward derselbe gleich anfangs durch die Politik des Staats Israel sehr beschränkt. Aber als legitime, von dem Ahnherrn David begründete Regierung stand die von J. in der Volksmeinung höher als die von Israel, welche sich von einer Revolution her datierte, woher es auch kam, daß das südliche J. das nördliche, in seine Stämme zerfallende Israel um 130 Jahre überdauerte und nach der läuternden babylonischen Gefangenschaft zu einem neuen Staatsleben sich erhob. Die Geschichte des Reichs J. s. Juden, S. 282 f.

Judä, Leo, schweizer. Reformator, geb. 1482 zu Gemar im Elsaß, war der Nachfolger Zwinglis in seinem Amt zu Einsiedeln, seit 1522 Pfarrer an der Peterskirche in Zürich und trug als solcher viel zur Einführung der Reformation daselbst bei. Ebendiesem Zweck dienten auch seine lateinische Bibelübersetzung und sein großer und kleiner Katechismus. Nach dem Tod Zwinglis ward er an die Spitze der Züricher Kirche berufen, bald jedoch in dieser Stellung von Bullinger (s. d.) abgelöst. Dieser wandte von J. die Gefahr ab, in die Hände des ihn umstrickenden Schwenkfeldt (s. d.) zu fallen. J. starb 19. Juni 1542 in Zürich. Seine Biographie lieferte sein Sohn Johannes (Zürich 1574). Vgl. Pestalozzi, Leo J. (Elberf. 1860).

Judäa, in der nachexilischen Zeit Bezeichnung für den südlichsten und größten Teil Palästinas diesseit des Jordans, der im O. von diesem und dem Toten Meer, im S. von Arabia Peträa, im W. vom Mittelländischen Meer, im N. von Samaria begrenzt ward und somit das Gebiet der Stämme Juda und Simeon sowie einen Teil von Dan und Benjamin umfaßte. Das Land war nur im W. eben, im übrigen