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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jüdische Litteratur

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Jüdische Litteratur (15. Jahrhundert).

Meschullam (1334), Jomtob ben Abraham, bekannt als Ritba, aus Sevilla, Vidal di Tolosa, Schemtob ibn Gaon, Ascher ben Chajim, David Abudarham in Sevilla, Kommentator des Gebetrituals (um 1340), und ganz besonders Nissim ben Reuben (Ran) aus Gerona, Kommentator des Alfasi, einzelner Talmudtraktate u. a., Isak ben Scheschet (Rivasch), Schüler Nissims, Rabbiner Saragossas (gest. 1406 in Nordafrika), waren für talmudische Gelehrsamkeit durch Erklärungen und Gutachtensammlungen litterarisch thätig.

Die Wogen der philosophischen Strömung drangen in die Erklärung der Bibel und gaben der jüdischen Apologetik, welche religiöser Fanatismus entfesselte, kräftigen Nachdruck. Die Philosophie Ibn Esras und Maimonides' verwertet Samuel Zarza 1368 in Valencia in einem Pentateuchkommentar. Moses Kohen de Tordesilles stellte seine zum Teil schon bei der Religionsdisputation 1375 zu Avila vorgetragene Glaubensverteidigung in "Eser emuna" auf, und Schemtob ben Schaprut, den man zur Disputation mit dem Kardinal Pedro di Luna (Papst Benedikt X.) in Pamplona zwang, gab eine Apologie des Judentums ("Eben bochan"); Menachem ibn Serach verfaßte ein Kompendium der jüdischen Religionswissenschaft ("Zeda laderech") und der Philosoph Chisdai Kreskas sein "Or Adonai" ("Gotteslicht"), das auf Spinoza influierte, u. a. - In Nordafrika, das viele spanische Flüchtlinge aufgenommen hatte, treffen wir Anfang des 15. Jahrh. die Familie Duran. Simon ben Zemach Duran (gest. 1444), Oberrabbiner in Algier, schrieb eine Gutachtensammlung, das religionsphilosophische "Magen abot", dichtete synagogale Hymnen und polemisierte gegen Christentum und Mohammedanismus. Salomo Duran (gest. 1467), Sohn des vorigen, seine Söhne Simon und Zemach und sein Enkel Salomo waren bedeutende Talmudgelehrte. Profiat Duran, Efodi genannt, polemisierte gegen Paulus Burgensis, David Bonet u. a. Stärker noch zeigten sich die Kräfte bei und nach der Disputation zu Tortosa (1413-14). Hier verteidigten das Judentum der Arzt und Dichter Vidal Benveniste ibn Labi, Matitja Jizhari, Todras ibn Jachja und der Verfasser der "Ikkarim" ("Grundwahrheiten"), Joseph Albo. Im politischen Druck erlahmte die Geisteskraft, und die Mystik konnte wieder auf dürrem Boden gedeihen. Dessen sind Zeugen: Schemtob ben Schemtobs "Glaubenslehren" ("Emunot"), Abraham ben Isak, Moses Botarel, Kommentator des Buches Jezira, u. a., die unbedeutenden Nachfolger ihrer Vorgänger, von denen wir nennen: Esra und Asriel, Lehrer des Nachmanides, Todros ben Joseph Halevi Abulafia (1290), Isak ibn Latif (1290), Joseph Gikatilia (1300), Mose de Leon (1300), der mutmaßlich der Verfasser des bedeutendsten kabbalistischen Buches, "Sohar", ist, Isak aus Akka.

Im Dunkel der Verfolgung, das 1492 in Spanien, 1497 in Portugal den Höhepunkt erreicht, erglänzt noch ein Stern erster litterarischer Größe, dessen Licht später voll in Italien (Neapel) strahlt: Don Isak Abravanel (s. d.). Der letzten Zeit gehören an in Spanien: die Talmudisten Isak Campanton, Isak de Leon, Samuel Valensi, Jeschua Halevi, die Religionsphilosophen Abraham Bibago, Isak Arama, Verfasser einer homilienartigen Pentateucherklärung: "Akedat Jizchak"; in Portugal der Astronom Abraham Sakuto ("Juchasin"), Abraham Saba ("Zeror hamor"), Juda Chajat, Isak Karo u. a. In Palästina bearbeitete Assaf im 10. Jahrh. den Dioskorides; Tanchum ben Joseph (um 1280) erklärte die Bibel. Aus dem 13. Jahrh. kommen spärliche Nachrichten von einem Reisenden, namens Hillel. Reger ist das litterarische Streben in Italien. Schon um 930 wirkt Sabbatai Donnolo aus Oras. Er war Arzt, Botaniker und Astronom und kommentierte das "Sefer Jezira". In Bari, Otranto und Lucca blüht das Talmudstudium. In letzterer Stadt zeichnet sich Meschullam ben Kalonymos als Talmudgelehrter und Hymnendichter aus, in Rom schreibt Natan ben Jechiel (1100) das Talmudlexikon "Aruch", in Salerno verfaßt Salomo Parchon (1160) ein hebräisches Wörterbuch, der Arzt Farragut (1297) übersetzte arabische Werke für Karl von Anjou ins Lateinische, und Kalonymos ben Kalonymos (1300, s. d.) war für Robert von Anjou thätig. Immanuel ben Salomo aus Rom, der Freund Dantes, dichtete 1320 die als "Mechabberot" bekannten geistreichen Makamen, deren letzter Abschnitt: "Paradies und Hölle", nach dem Vorbild der "Divina Commedia" gearbeitet ist, und erklärte die Bibel in wenig selbständiger Weise. Die beiden Jesaja di Trani und Zidkia ben Abraham lehrten den Talmud, Menachem Rekanate bearbeitete den Sohar (s. Kabbala), Jechiel ben Jekutiel verfaßte eine Ethik, Mose Rieti, der in seinem "Mikdasch meat" die "Divina Commedia" nachdichtete, führte den Stanzenbau in die hebräische Poesie ein, Abraham Farissol (geb. 1451) schrieb ein geographisches Buch, "Iggeret orchot olam", und erklärte biblische Bücher, Juda ben Jechiel, genannt Leon, war für Rhetorik, Philosophie und Grammatik thätig, Isak Natan bearbeitete eine hebräische Konkordanz und Jakob Landau in Neapel Halachisches im "Agur". An der Hochschule zu Padua lehrte der aus Mainz stammende Rabbiner Juda Minz, der Gegner des 1493 auf Kandia gestorbenen philosophierenden Schrifterklärers Elia del Medigo, Philosophie. Erwähnung verdienen noch: Jochanan Aleman und Samuel Archevolte. Seit 1475 wurden auch in Italien (Soncino, Casale Maggiore, Bologna, Brescia, Ferrara, Mantua, Neapel, Barco u. a. O.) hebräische Druckereien errichtet.

In Frankreich und Deutschland hält sich die j. L. vorwiegend in den Grenzen der Exegese, der Halacha und Haggada. Die Gelehrten sind Spezialisten des Talmudstudiums, das sie vertiefen; aber auch Exegese und Grammatik finden fleißigen, erfolgreichen Ausbau, und die im Dienste der Synagoge stehende Dichtung hat begeisterte, wenn auch nicht immer formgewandte Vertreter. Als erste bedeutende Autorität tritt uns Gersom ben Juda (gest. 1040), die "Leuchte des Exils" genannt, entgegen; er sorgt für Abschriften und Kommentare des Talmuds, dichtet wie sein Zeitgenosse Simon ben Isak Abun synagogale Hymnen und regelt durch "Tekanot" ("Anordnungen"), z. B. das Verbot der Polygamie, die sozialen Verhältnisse der Juden. Gersoms Bruder Machir begann ein talmudisches Lexikon; Hymnendichter waren: Elia Hasaken aus Le Mans, Joseph ben Samuel tob Elem aus Limoges und Meir ben Isak. Fast die ganze Bibel und den Talmud erklärte R. Salomo ben Isak (gest. 1105 in Worms, s. Raschi). Aus der Zeit Salomo ben Isaks nennen wir: Elieser den Großen, die Bibelerklärer Simon und Joseph Kara, Menachem ben Chelbo, die Poetanim (s. Paitan) David ben Meschullam, Kalonymos ben Juda, Samuel ben Juda und Ephraim aus Bonn, die unter anderm die Greuel der Kreuzzüge schildern. Die fast zwei Jahrhunderte währende Fortführung und Weiterbildung des Talmudkommentars R. Salomos (Raschis) unternahm eine Anzahl von Gelehrten, die