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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jungholz; Junghuhn; Jungieren; Jungingen; Jungius; Jüngken; Jungles; Jüngling; Jünglingsvereine

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Jungholz - Jünglingsvereine.

fessor am technischen Institut zu Rom, und lebt seit 1878 wieder in Kassel. Nachdem sie bereits 1869 einen Band "Gedichte" sowie die Novellensammlungen: "Verflossene Stunden" (Leipz. 1871) und "Freudvoll und leidvoll" (Jena 1873, 2 Bde.) veröffentlicht hatte, begründete sie mit den durch Energie des Stils und der Charakteristik ausgezeichneten Romanen: "Käthe, Geschichte eines modernen Mädchens" (Leipz. 1876, 2 Bde.) und "Haus Eckberg", eine Sittenschilderung aus dem Dreißigjährigen Krieg (das. 1878, 2 Bde.), ihren schriftstellerischen Ruf. Später folgten: "Orsanna und andre Erzählungen" (Jena 1880); "Die Erbin wider Willen" (Stuttg. 1881); "Die Schwiegertochter" (Berl. 1882); "Hella Jasmund und andre Erzählungen" (Stuttg. 1883); "Neue Novellen" (Leipz. 1883); die Romane: "Die Gäste der Madame Santines" (das. 1884, 2 Bde.), "Helldunkel" (das. 1885) und "Die Amerikanerin" (das. 1886).

Jungholz, zur österreich. Grafschaft Tirol gehörige Gemeinde, deren Flurgemarkung rings von bayrischem Gebiet umschlossen, ebendeshalb durch Vertrag vom 3. Mai 1868 dem bayrischen Zollsystem angeschlossen und demzufolge in die Zollgrenze des Deutschen Reichs mit hineingezogen ist; der einzige österreichische Ort, welcher zu dem deutschen Zollgebiet gehört.

Junghuhn, Franz Wilhelm, Reisender und Naturforscher, geb. 26. Okt. 1812 zu Mansfeld, studierte in Halle und Berlin Medizin, Botanik und Geologie und trat dann als Kompaniechirurg in die preußische Armee. Infolge eines Duells zu 20jähriger Gefangenschaft verurteilt, entfloh er nach 20monatlicher Haft nach Algier, wo er in der Fremdenlegion eine Anstellung als Sanitätsoffizier erhielt. In einem Gefecht verwundet, nahm er seinen Abschied und schiffte sich 1835 als Gesundheitsoffizier nach Batavia ein. Von hier aus bereiste er verschiedene Teile Javas. Im J. 1840 nach Padang auf Sumatra versetzt, widmete er sich anderthalb Jahre lang der Erforschung der noch unbekannten Länder der Batta. Die Ergebnisse dieser Wanderungen legte er in dem Werk "Die Battaländer auf Sumatra" (Berl. 1847; holländ., Leiden 1847, 2 Bde.) nieder. 1842 beschäftigte er sich mit der Untersuchung und topographischen Aufnahme eines großen Teils der Insel Java. 1845 wurde er zum Mitglied der Naturkundigen Kommission ernannt, und 1846-48 führte er eine geologische Untersuchung Javas aus. Aus Gesundheitsrücksichten kehrte er 1849 nach Holland zurück. Zunächst veröffentlichte er hier: "Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart" (deutsch von Haßkarl, Leipz. 1854, 3 Bde.), das Hauptwerk über die Naturverhältnisse jenes Tropenlandes. Die Beschreibung und Abbildungen der zahlreichen von J. aufgefundenen fossilen Tiere haben Herklots, die der fossilen Pflanzen Göppert, die Bearbeitung von Junghuhns Herbarium Miquel, de Vriese, Molkenboer, Haßkarl u. a. unter dem Titel: "Plantae Junghuhnianae" (Leiden 1851) unternommen. Ferner schrieb er: "Topographische und naturwissenschaftliche Reisen", herausgegeben von Nees v. Esenbeck (Magdeb. 1845); "Rückreise von Java nach Europa" (deutsch von Haßkarl, Leipz. 1851); "Licht- und Schattenbilder aus den Binnenlanden von Java" (4. Aufl., Amsterd. 1866) und "Landschaftsansichten von Java" (11 Blätter, nach der Natur, mit Text, Leipz. 1853). J. kehrte später nach Java zurück, war dort mit der Beaufsichtigung der neu angelegten Chinapflanzungen betraut und starb 20. April 1864 in Lembang bei Bandong.

Jungieren (lat.), verbinden, vereinigen.

Jungingen, Name zweier Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen. 1) Konrad von J. (Konrad III.), ward 30. Nov. 1393 zum Hochmeister erwählt, vertrieb die Vitalienbrüder 1398 von Gotland, erwarb 1402 die Neumark und hielt den Frieden mit Polen und Litauen aufrecht. Den Staat verwaltete er vortrefflich, schützte und förderte den Handel und gab wohlthätige Gesetze. Er starb 30. März 1407.

2) Ulrich von, Bruder des vorigen, ward unter dessen Herrschaft Ordensmarschall und 26. Juni 1407 sein Nachfolger als Hochmeister. Er führte eine wohlwollende, segensreiche Regierung, erklärte aber wegen der Aufreizungen Witowds von Litauen 1409 an Polen und Litauen den Krieg. Er befehligte das Ordensheer in der Schlacht bei Tannenberg (15. Juli 1410), in welcher er unterlag und fiel.

Jungius, Gelehrter, s. Jung 1).

Jüngken, Johann Christian, Mediziner, geb. 12. Juni 1794 zu Burg bei Magdeburg, habilitierte sich 1818 an der Berliner Universität, wurde 1834 Professor der Chirurgie und Augenheilkunde sowie Direktor der ophthalmiatrischen Klinik und später der chirurgischen Abteilung der königlichen Charitee in Berlin. Er trat 1868 in den Ruhestand und starb 9. Sept. 1875 in Hannover. J. hat bis auf Albrecht v. Gräfe und vor der Erfindung des Augenspiegels durch Helmholtz einen außerordentlichen Ruf als Augenarzt gehabt und begründete als einer der ersten die wissenschaftliche Pflege der Augenheilkunde; durch die seitdem geschehene Umgestaltung derselben sind freilich die meisten der von ihm vertretenen Lehren wesentlich verändert worden. Er schrieb: "Die Lehre von den Augenoperationen" (Berl. 1829); "Die Lehre von den Augenkrankheiten" (das. 1832, 2. Aufl. 1836) und "Augendiätetik" (das. 1873).

Jungles (engl., spr. dschong'ls), s. v. w. Dschangeln.

Jüngling, s. Alter.

Jünglingsvereine nennt man auf evangelischer Seite diejenigen geselligen Vereinigungen, welche, namentlich in größern Städten, sich zur Aufgabe setzen, einzeln stehenden jungen Männern, besonders des Arbeiter- und Handwerkerstandes, die Möglichkeit anständiger und anregender Verwendung ihrer freien Zeit zu bieten. Der erste derartige Verein entstand 1824 unter Leitung des Pastors Döring in Elberfeld, 1825 folgte ein ähnlicher Verein in Basel, 1835 in Frankfurt a. M. In Rheinland und Westfalen fand die Jünglingssache, deren sich angesehene Geistliche, wie Krummacher in Elberfeld, annahmen, bald solche Ausdehnung, daß die vorhandenen Vereine 1848 zu einem Rheinisch-Westfälischen Jünglingsbund zusammentreten konnten, dessen Vorgang 1856 ein Östlicher Jünglingsbund mit dem Mittelpunkt Berlin und 1880 ein Nördlicher Jünglingsbund mit dem Sitz Hamburg folgten. Der Bestand dieser Bündnisse wird gegenwärtig auf 374 Vereine mit mehr als 16,000 Mitgliedern geschätzt. Außerdem bestehen in Berlin und einigen andern großen Städten Christliche Vereine junger Männer, die sich an verwandte amerikanische Unternehmungen anlehnen und nicht ohne Erfolg arbeiten, aber darin von den deutschen Vereinen abweichen, daß sie fast ausschließlich auf religiöse Erweckung des jüngern Geschlechts ausgehen. Im Königreich Sachsen zählt man 40 Vereine mit mehr als 2000 Mitgliedern, in Württemberg 23 Vereine mit 1100 Mitgliedern, in Elsaß-Lothringen 10 Vereine mit 700 Mitgliedern. Die altlutherische Kirchengemeinschaft in Preußen unterhält 10 Vereine. In England sollen 300 J. mit großer Mitgliederzahl be-^[folgende Seite]