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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jura, fränkischer und schwäbischer

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Jura, deutscher - Jura, fränkischer und schwäbischer.

Reihe von Bergkegeln, teils isoliert teils durch schmale Grate mit dem Hauptteil verbunden, zuweilen auch aus vulkanischem Gestein bestehend und meist schöne Ruinen tragend, begleiten: die Achalm (701 m) bei Reutlingen, der Hohenneufen (742 m), die Teck (774 m) bei Owen, der Stuifen (756 m), Hohenrechberg (706 m), Hohenstaufen (683 m). Für einzelne Teile der Rauhen Alb gibt es noch besondere Namen: Münsinger Hardt, etwa in der Mitte bei Münsingen, und Hochsträß, zwischen Ehingen und Ulm auf der Südseite. Aalbuch, zwischen Geislingen und dem obern Kocher, und Härdtfeld, zwischen dem Brenz-Kocherthal und dem Nördlinger Ries sowie der Wörnitz, bilden die letzten Glieder des schwäbischen Jura. Ersterer erreicht im Kocherberg noch eine Höhe von 750, letzterer bei Goldshöfe eine solche von 697 m. Vgl. G. Schwab, Die Schwäbische Alb (2. Aufl. von Paulus, Stuttg. 1878); Vogt, Die Schwäbische Alb (das. 1854); Fröhlich, Die Schwäbische Alb (das. 1871).

Eine sehr große Kalamität war der Wassermangel in fast sämtlichen auf der Alb liegenden Orten. Die atmosphärischen Niederschläge dringen schnell in die Kalkschichten ein und sammeln sich erst in bedeutender Tiefe, um dann als starke Quellen an den Rändern des Plateaus wieder zu Tage zu treten. Die Bewohner waren daher auf das in Zisternen oder in mit Lehm ausgeschlagenen Vertiefungen (Hühlen oder Hüllen) aufgesammelte Wasser ihrer Dachtraufen angewiesen, welches indessen bei längerm Stehen in den fast regenlosen Monaten September, Oktober und Januar ekelerregend, ungesund und kaum zu genießen war. Zwar versorgte man sich in dieser Zeit möglichst durch Wasserzufuhr aus den Thälern, doch war das wegen der steil aufsteigenden Wege sehr beschwerlich, bei Glatteis gefährlich, unter allen Umständen aber kostspielig. Auf Befehl der württembergischen Regierung arbeitete der Oberbaurat v. Ehmann in Stuttgart 1867 ein umfangreiches Projekt zur Wasserversorgung der Alb aus, und 1870 wurde mit der Ausführung desselben begonnen. Mit Benutzung der Wasserkraft der in den Thälern fließenden Bäche wurden in verschiedenen Gegenden des Nordwest- und Südostrandes Pumpstationen errichtet, welche das Wasser aus diesen in Hochreservoirs führen; von ihnen aus werden die einzelnen 9 Leitungen gespeist, welche 61 Orte auf einer Fläche von 1800 qkm (ca. 30 QM.) mit 40-50,000 Einw. mit gutem Wasser in reichlicher Menge versorgen. Die Verteilung geschieht durch 1600 Hydranten, wozu noch etwa 7000 Hausleitungen kommen. Die Gesamtlänge der Leitung beträgt 350 km, die Kosten des Baues etwa 5½ Mill. Mk., wozu der Staat einen Beitrag von 703,160 Mk. gewährte. Vgl. v. Ehmann, Die Versorgung der wasserarmen Alb (Stuttg. 1881).

Der fränkische Jura zieht sich in einer Länge von 225 km und einer mittlern Breite von 35-40 km durch Bayern hin, zuerst bis in die Gegend von Regensburg nach O., nachher bis zur Eisenbahnlinie Hersbruck-Amberg nach N., zuletzt nach NW. Der östliche Zug wird auf der Südseite noch von der Donau begleitet und von der Altmühl in einem tiefen, felsenreichen Thal durchbrochen. Seine bedeutendsten Höhen steigen aus dem braunen Jura nördlich vom Nördlinger Ries (Hesselberg 698 m) an der Wörnitz hervor; östlich davon erstreckt sich der öde, menschenleere Hahnenkamm (638 m) fast bis zur Altmühl, wo im weißen Jura bei Solnhofen die berühmten lithographischen Steine gebrochen werden. Der mittlere Zug erreicht im Friedelberg westlich von Amberg noch eine Höhe von 677 m, ist auf seiner Westseite, wo der Ludwigskanal durch ein ansehnliches Thal im Lias zieht, sehr zerklüftet und wird im O. durch das vorzugsweise mit Kreidebildungen angefüllte Becken von Bodenwöhr von dem kristallinischen Gestein des Böhmisch-Bayrischen Waldgebirges getrennt. Der letzte Zug endlich, Fränkische Schweiz genannt, der sich von der Eisenbahnlinie Nürnberg-Amberg fast nordwestlich bis an den Main bei Lichtenfels und in seinen Liasbildungen selbst noch über diesen Fluß hinaus bis in die Gegend von Koburg zieht, ist der interessanteste Teil des fränkischen Jura. Auf beiden Seiten, sowohl gegen die Keuperebene an der Regnitz als auch gegen die Keupermulde von Baireuth (auf der Scheide gegen das Fichtelgebirge), sind die Steilhöhen des weißen Jura (Staffelberg über Staffelstein 564 m, Kordigast nahe dem Main 561 m) von braunem Jura und Lias eingefaßt; auf der Platte selbst ist der Kalvarienberg (663 m) bei Thurndorf der höchste Gipfel: Die tief eingegrabenen Thäler der Pegnitz und Wiesent durchziehen die Fränkische Schweiz, die ihren Ruf aber weniger der anmutigen Landschaft als den in den Dolomiten des weißen Jura sich zahlreich findenden Höhlen verdankt, die eine ungeheure Menge von Knochenresten urweltlicher Tiere enthalten. Die berühmtesten dieser Höhlen sind die Rosenmüllershöhle bei Muggendorf, die Gailenreuther Höhle nicht weit von Gößweinstein und die Sophienhöhle bei Rabenstein. Großartige Versteinerungen aus dem Jura sind zu Schloß Banz (s. d.), auf einer Liashöhe rechts vom Main, aufgestellt.

Zusammengesetzt ist der Jura aus den einzelnen Abteilungen der Juraformation; aus weißem Jura besteht die breite Hochfläche, die allmählich längs der südöstlichen Seite sich zu den Tertiär- und Diluvialbildungen der Donauebene senkt, während sie mit hohen und stark zerklüfteten Abfällen auf der entgegengesetzten Seite abfällt, hier, sowie im N. mit braunem Jura eingefaßt ist, dem wieder Lias vorlagert. Als Wasserscheide ist der Jura nur in seinem höchsten Teil, der Rauhen Alb, zwischen Donau und Neckar, wichtig. Die größern Flüsse (Donau nach der Vereinigung aus Brege und Brigach, Wörnitz, Altmühl) durchbrechen ihn; die kleinern entstehen oft hart an dem einen Rande, durchströmen alsdann in tiefen Thälern fast die ganze Breite und treten auf der andern Seite aus (Pegnitz, Wiesent). Ungemein zahlreich sind die Höhlen, namentlich in der Rauhen Alb in Württemberg u. in der Nähe der Wiesent im nördlichen Teil (s. oben). Burgruinen in Menge schmücken die Ränder, vorzüglich die oft halbinselartig hervortretenden Steilabfälle (200-300 m relativ) der Nordseite in Württemberg. Die Höhe nimmt von SW. nach NO. ab. In Württemberg gibt es noch zahlreiche Dörfer in der Meereshöhe von 900, 800 und 700 m, in Bayern sind die über 600 m hoch gelegenen schon sehr vereinzelt. Wegen des rauhen Klimas ist der württembergische Anteil für den Ackerbau wenig geeignet, wohl aber blüht die Viehzucht; Schafe werden besonders auf der Alb im S. von Kirchheim im Sommer geweidet, dauerhafte Pferde in der Münsinger Hardt gezogen. Zahlreich sind die Straßen; ebenso durchschneiden mehrere Eisenbahnen den Jura, darunter die Linien Tübingen-Sigmaringen, Stuttgart-Ulm, Nürnberg-Regensburg, Nürnberg-Amberg, Nürnberg-Baireuth; durch das Ries von Nördlingen führt eine Bahn von Donauwörth nach Gunzenhausen, von der sich bei Nördlingen im Ries eine andre nach Stuttgart abzweigt.

Jura, fränkischer und schwäbischer, s. Jura, deutscher.