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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Juraformation

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Juraformation (Verbreitung, Versteinerungen).

an höherer, bald an tieferer Stelle eingereiht werden. Es sind Kalksteinschichten, reich an Terebratula diphya (s. Tafel I), u. die sogen. Stramberger Schichten.

[Verbreitung der Juraformation.] Unter den Gebieten, in welchen vorwiegend Gesteine der J. die Erdoberfläche zusammensetzen, zieht beim Anblick einer geologischen Karte zunächst der ununterbrochene Höhenzug die Aufmerksamkeit auf sich, welcher, in der Nähe der Rhônemündung beginnend, als Juragebirge die Grenze zwischen Schweiz und Frankreich bildet, bei Schaffhausen den Rhein überschreitet, als Schwäbische Alb Württemberg durchzieht, östlich bis Regensburg sich erstreckt und scharf nach N. biegend sich als Fränkische Schweiz bis in die Gegend von Koburg verfolgen läßt. Zusammenhängende Juraterritorien besitzt Deutschland ferner im NW. (Weserkette mit der Porta westfalica) und im O., den oberschlesischen Jura, mit dem polnischen in Verbindung stehend. Vereinzelte Juraschollen treten am Westabhang des Schwarzwaldes, dann bei Eisenach, Gotha etc. auf, und bis an die Ostseeufer ist die J. in Form vereinzelter Blöcke oder als in der Tiefe vorhanden durch Bohrlöcher nachgewiesen. Am nördlichen und südlichen Rande der Alpen zieht sich ein Band von Gesteinen der J. hin, während in den Karpathen einzelne Partien klippenartig aus jüngern Gesteinen aufragen. Im O. Europas hat Rußland bei Moskau, in der Krim und im Kaukasus Juragebiete aufzuweisen, im W. Frankreich zwei, ein südliches, an die zentrale Granitzone angelegtes, und ein nördliches, zu welchem auch die Juraschichten in Lothringen gehören; das letztere läßt sich, freilich zum Teil von jüngern Schichten bedeckt, bis in die Nähe des Kanals verfolgen und findet jenseit desselben im englischen Jura seine Fortsetzung. Über die Parallelisierung des nordamerikanischen Juras mit dem europäischen sind die Akten noch nicht geschlossen, um so besser konnte eine Übereinstimmung mit der J. Südamerikas und Asiens (Ostindien und Sibirien) nachgewiesen werden.

[Versteinerungen.] Unter den in den Juraschichten eingeschlossenen Resten sind pflanzliche Organismen selten. Fucus-Arten (im Lias), Cykadeenblätter (im Lias und Malm), Koniferenhölzer, verkalkt und verkieselt (im Lias), tragen zum großen Teil den Charakter eingeschwemmten Materials, und nur an wenigen Stellen (Alpen, Karpathen) sind die Pflanzenreste in Form von Kohlenflözen angehäuft. Um so zahlreicher und mannigfaltiger sind die Tierformen, von denen die beiden Tafeln eine kleine Auswahl bieten. Daß die Spongien, von denen die Tafel I Scyphia reticulata darstellt, und Riffe bauende Korallen (s. Thecosmilia annularis auf Tafel I) große, mächtige Schichten fast ausschließlich zusammensetzen, wurde oben erwähnt, und ebenso bilden Brachiopoden, von denen Terebratula globata aus dem Korallien und T. diphya (beide Tafel I) aus dem Tithon als Beispiele gegeben sind, in mehreren Niveaus zoogene Gesteinslagen. Von den Zweischalern wurden Gryphaea arcuata (Lias) und Diceras arietinum (Oxford) (beide Tafel I) schon oben als vorzügliche Leitmuscheln erwähnt; hinzu kommt Astarte minima (Tafel I) aus dem Korallien. Während die Schnecken nach Arten- und Individuenzahl in der J. eine nur bescheidene Vertretung finden, ist die Ordnung der Cephalopoden in einer großen Mannigfaltigkeit entwickelt. So zählt das Genus Ammonites, von welchem die Tafel I die Spezies Bucklandi und margaritatus (oder amaltheus, s. oben) aus dem Lias und Humphriesianus aus dem Dogger darstellt, nach vielen Hunderten von Arten, oft, weil auf einzelne Schichten oder doch wenig mächtige Schichtenkomplexe beschränkt, vorzügliche Leitfossilien. Daneben stellen sich auch schon die allerdings erst in der Kreideformation recht zur Entwickelung kommenden Formen mit Ammoniten-Suturlinien, aber mit andrer Aufwickelung ein (z. B. Arten des Genus Hamites). Die für die J. als solche charakteristischen Formen sind die Belemniten, von deren drei Knochen (vgl. Tafel I und Artikel "Belemniten") gewöhnlich nur die Scheide (bei Belemnites giganteus aus dem Dogger 0,5 m und darüber groß), bisweilen mit noch eingeschlossener Alveole erhalten ist, während die Schulpe fast immer zerstört ist. Mit Ausnahme des in der alpinen Trias auftretenden Aulococeras, welcher zudem von einem Teil der Paläontologen für einen Orthoceras gehalten wird, sind die Belemniten nicht älter als die Juraperiode, und ihr Auftreten ist zur Abgrenzung gegen ältere Formationen um so wertvoller, als sie sich schon in den untersten Liasschichten in großer Individuenzahl einstellen. Von Kriniten bringt die Tafel I Pentacrinus briaroides, welcher besonders im Lias vorkommt, und den durch seine Kelchbildung ausgezeichneten Apiocrinus Roissyanus aus dem Oxford. Derselben Etage entstammen die als Beispiele gegebenen Seeigel, von denen bei Hemicidaris crenularis der kugelförmige Körper, bei Cidaris florigemma der Stachel zur Darstellung kam. Von Insekten bildet die Tafel I eine Libelle ab, zugleich als Beispiel der vorzüglichen Erhaltung der Versteinerungen in den lithographischen Schiefern von Solnhofen (Kimmeridge). Während die Cypris-Arten der Tafel I jenen obersten, von uns zur Wealdenformation (s. d.) gezogenen Purbeckschichten angehören, entstammen der langschwänzige Krebs Eryon arctiformis auf Tafel I und die Fische auf Tafel II wiederum den Solnhofener Schiefern. Die Fische sind Ganoiden, aber nicht mehr, wie die der ältern Formationen, heterocerkal. Sonstige Abbildungen der Tafel II sind den zum Teil gigantischen Formen der Saurier gewidmet und zwar zunächst dem langhalsigen Plesiosaurus und dem kurzhalsigen Ichthyosaurus (besondere Abbildungen zeigen den Kopf mit dem Knochenring des Auges, Zahn und Exkremente, sogen. Koprolithen), beides Meeressaurier, neben denen aber auch gleichalterig solche (Mystriosaurus etc.) auftreten, welche als echte Amphibien zugleich zum Leben auf dem Land organisiert waren. Entstammen diese Saurier dem Lias (und zwar die schwäbischen von Boll, Holzmaden etc. den Posidonienschiefern, die englischen von Lyme Regis einer tiefern Lage, dem untern Lias), so liegen die Reste des Flugsauriers Pterodactylus (zwei Figuren) sowie diejenigen des ältesten Vogels, Archaeopteryx, wieder in den Solnhofener Schiefern. Indem hinsichtlich der Wichtigkeit des letztgenannten Petrefakts in Bezug auf systematische Stellung und Entwickelungsgeschichte auf den Artikel "Archaeopteryx" verwiesen wird, sei nur beigefügt, daß die auf Tafel II gegebene Abbildung den neuesten, in den Besitz des Berliner Museums gekommenen Fund darstellt. Da ferner nach Ansicht einer Mehrzahl amerikanischer Geologen die Atlantosaurus-Schichten von Colorado als oberer Jura gedeutet werden, so würden auch jene riesigen Tierformen der Dinosaurier (darunter Atlantosaurus von 30 m Länge und 10 m Höhe) zu den Jurasauriern zu zählen sein. Endlich gibt die Tafel II noch die Unterkiefer von Beuteltieren. Sie entstammen den oben erwähnten Stonesfieldschichten, zum Dogger gehörig, werden also von den deutschen Funden in der Rätischen Formation (s. d.) an Alter übertroffen. In