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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Justicia; Justieren; Justierwage; Justifizieren; Justin; Justinianische Novellen; Justinianus; Justinus

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Justicia - Justinus.

Ausgabe des "Bundehesch", mit Glossar (Lond. 1868), "Kurdische Grammatik" (Petersb. 1880) sowie die "Geschichte der orientalischen Völker im Altertum" (in Grotes "Allgemeiner Weltgeschichte", das. 1884 ff.), "Geschichte des alten Persien" (in Onckens "Allgemeiner Geschichte", Berl. 1879).

Justicia (span.), ehedem der höchste Richter der Könige von Aragonien, vor welchem diese selbst den Schwur auf die Reichsgesetze zu leisten hatten. Derselbe konnte selbst den König zur Verantwortung ziehen, wenn er die Reichsgesetze verletzte.

Justieren (mittellat.), im allgemeinen die Richtigstellung der mathematischen Instrumente, speziell die Kontrolle und Korrektur der Wasserwagen, Libellen, Niveaus (s. d.). Das wesentliche Hilfsinstrument hierfür ist ein mittels Stellschrauben sehr genau horizontal stellbares Justierbrett, auf welchem die zu prüfenden Niveaus aufzustellen und mit einer Normallibelle zu vergleichen sind. Im Münzwesen bedeutet J.: den zu prägenden Platten die richtige Schwere geben; in der Schriftgießerei: den Lettern mit den Probelettern gleiche Höhe geben (das dazu dienende Hilfsinstrument heißt Justorium) etc.

Justierwage, s. Münzwesen.

Justifizieren (lat.), berichtigen, rechtfertigen, früher auch s. v. w. hinrichten; Justifikation, Rechtfertigung, insbesondere bei Rechtsmitteln die Ausführung und Begründung derselben; bei Rechnungen die Genehmigung derselben nach vorgängiger Revision und Feststellung. Diese erfolgt namentlich bei Staats-, Gemeinde-, Korporationsrechnungen u. dgl. durch einen förmlichen Beschluß (Justifikationsdekret, Justifikatorium, Justifikatur).

Justin, s. Justinus.

Justinianische Novellen, s. Novellen.

Justinianus, Name zweier oströmischer Kaiser: 1) J. I., war im J. 482 oder 483 zu Tauresium in Illyrien als der Sohn eines Bauern geboren und hieß eigentlich Uprauda (rectus, justus). Er wurde unter der Regierung des Kaisers Anastasius von seinem Oheim, dem nachmaligen Kaiser Justinus I., nach Konstantinopel gerufen, erhielt daselbst eine höhere, wahrscheinlich auch juristische Bildung, gelangte zu immer angesehenen Ehrenstellen, erhielt 521 von seinem Oheim das Konsulat, während dessen er, um die Gunst des Volkes zu gewinnen, glänzende Spiele veranstaltete, wurde nach der Ermordung des Vitalianus, an welcher er selbst wahrscheinlich wesentlichen Anteil hatte, Oberbefehlshaber der Truppen des Orients (Magister militum) und endlich nach dem Tod Justinus' I. (527), von dem er schon vier Monate vorher adoptiert und zum Mitkaiser ernannt worden war, dessen Nachfolger (527-565). Neben ihm spielte eine bedeutende Rolle die Kaiserin Theodora, ehemals eine wegen ihrer gemeinen Ausschweifungen berüchtigte Schauspielerin, die er zu seiner Gemahlin und, noch als Mitkaiser, zur Augusta erhob, und die durch ihre Gewandtheit und Energie einen großen Einfluß auf ihn ausübte (sie starb 548). Seine Regierung ist besonders bedeutend durch die großartigen Bauten, die er ausführte, durch einige großartige Kriegserfolge und die von ihm veranstaltete Gesetzsammlung, das sogen. Corpus juris. Er baute, von den zahlreichen kirchlichen Gebäuden an andern Orten abgesehen, allein in Konstantinopel 25 Kirchen, darunter die Sophienkirche (die heutige Hauptmoschee), an der 10,000 Arbeiter sechs Jahre lang beschäftigt waren. Seine Kriegserfolge bestanden darin, daß durch Belisar und Narses (s. d.) das Vandalen- und das Ostgotenreich gestürzt und so Nordafrika und Italien dem Kaiserreich wieder einverleibt, auch eine Anzahl von Küstenstädten im südöstlichen Spanien erobert wurden. Er selbst beteiligte sich an diesen Kriegen ebensowenig wie an irgend einem andern, und im übrigen ließ er sich meist herab, die Sicherheit des Reichs durch sogen. Geschenke von den auswärtigen Feinden zu erkaufen; der gefährlichste dieser Feinde war der Perserkönig Chosroes (Nuschirwan), der immer wieder ins Reich einfiel und z. B. 540 sogar Antiochia eroberte und zerstörte, und mit dem er 561 einen erniedrigenden Vertrag abschloß, indem er um einen jährlichen Tribut Frieden erkaufte. Die von Norden her das Reich bedrohenden Barbaren, die Bulgaren, Slawen und Avaren, suchte er durch großartige Festungsbauten, welche er namentlich längs der Donau aufführte, abzuhalten. Über das Corpus juris s. d. Die Bauten, die Kriege und die Kontributionen erforderten große Geldmittel, die er sich durch Vermögenseinziehungen, Zwangsanleihen, neue Zölle und Steuern und alle möglichen Arten der Erpressung verschaffte. Dazu kam noch der Aufwand durch die Spiele und an Geschenken, durch die er das Volk in günstiger Stimmung zu erhalten suchte. Im J. 532 kam es infolge der Unzufriedenheit des Volkes über diese Erpressungen zu einem allgemeinen Aufruhr, dem sogen. Nikaaufstand (so genannt von dem Ruf der Aufrührer: Nika! "siege!"), der von einem Streite der grünen und der blauen (von J. begünstigten) Partei des Zirkus ausging und erst, nachdem die Aufrührer sich der ganzen Stadt bemächtigt und einen großen Teil derselben zerstört hatten, endlich nach fünf Tagen durch die Festigkeit der Theodora und den Mut Belisars unterdrückt wurde. In Bezug auf die Kirche nahm J. eine unumschränkte Herrschaft in Anspruch; er hielt mehrere Synoden, um die Rechtgläubigkeit festzustellen, begünstigte aber in den letzten Jahren seiner Regierung die Sekte der Aphthartodoketen, eines Zweigs der Monophysiten. Von einzelnen Ereignissen ist noch zu bemerken, daß er 529 die Philosophenschule in Athen aufhob, auch sonst die Reste des Heidentums in Griechenland vernichtete und 541 das Konsulat abschaffte. Er starb 13. Nov. 565. Vgl. Ludewig, Vita Justiniani atque Theodorae nec non Triboniani (Halle 1731), und Isambert, Histoire de Justinien (Par. 1856, 2 Bde.).

2) J. II., folgte 685 seinem Vater Konstantin IV. Pogonatos auf dem Thron, führte ein grausames und verschwenderisches Regiment, wurde 695 durch den Feldherrn Leontios gestürzt und von diesem, der sich zum Kaiser aufschwang, verstümmelt (daher sein Beiname Rhinotmetos) und nach Cherson verbannt. Nach dem Sturz des Leontios 698 entfloh er zuerst zu den Chasaren, dann zu den Bulgaren und gewann mit deren Hilfe 705 den Thron wieder, nahm mit wilder Grausamkeit an seinen Feinden Rache, wurde aber schon 711 bei einem neuen Aufstand getötet. Mit ihm erlosch das Geschlecht des Heraklios.

Justinus, Name zweier oströmischer Kaiser: 1) J. I., geboren zu Tauresium in Illyrien als der Sohn eines Bauern, wanderte als Jüngling aus seiner Heimat nach Konstantinopel, wurde dort in die Leibwache ausgenommen, stieg in derselben rasch bis zum Oberbefehlshaber empor und wurde nach Anastasius' Tod (518) von den Soldaten zum Kaiser ausgerufen. So unwissend, daß er weder lesen noch schreiben konnte und seine Unterschriften mittels einer Schablone geben mußte, bewies er sich auch sonst seiner Aufgabe als Kaiser wenig gewachsen. Er überließ die Regierung seinem Quästor Proclus