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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jute von Madras; Juten; Jüterbog; Juthunger; Jütland; Jutrebog

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Jute von Madras - Jutrebog.

oder soll sie zu feinern Garnen verarbeitet werden, so wird sie schließlich noch auf der Schnippmaschine von allen gröbern Teilen befreit. Die so vorbereitete J. wird auf Karden bearbeitet, um die Fasern voneinander zu trennen, von anhaftenden Oberhautzellen, Staub und kurzen Fäserchen zu befreien, möglichst gleichmäßig zu zerreißen und zu einem endlosen Band zu vereinigen. Letzteres wird auf Streckmaschinen, die denen bei der Flachsspinnerei gebräuchlichen ähnlich sind, gestreckt, dubliert und auf Vorspinnmaschinen vorgesponnen, worauf das Feinspinnen auf Trockenspinnmaschinen folgt. Das Weben erfolgt in derselben Weise wie bei andern Gespinsten. Die J. läßt sich sehr schön bleichen und färben, sie ist aber sehr empfindlich gegen Chlor und Mineralsäuren, und das Bleichen erfordert daher besondere Vorsichtsmaßregeln. Die hauptsächlichsten der in Europa dargestellten Jutegewebe sind die losen, groben Baggings, die als billigstes Packmaterial dienen; festere, stärkere, grobe Tarpawlings zu Säcken für Mehl, Zement, Gips; Twilld Sackings, ein sehr festes und dauerhaftes Drilch- oder Zwilchgewebe zu Säcken für gepreßte Waren; Hessians, das feinste und schönste Packmaterial für feinere Artikel, Futterleinen, Matratzen etc. In neuerer Zeit, seitdem die Verarbeitung der J. einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht hat und auch feinere Garne gesponnen werden, fertigt man aus J. viele Gewebe, die zu Möbelstoffen, Vorhängen, Tischdecken, Stickereigrundlagen etc. dienen; auch wurden Jutegarne mit Baumwolle, Wolle und Flachs zu allerlei Geweben (Hosenstoffen, Bettdrilch, Möbelripsen, Plüsch) verarbeitet. Ferner dient J. zu Zündern, Lampendochten, Gurten, Kordeln etc. Rohe J. benutzt man zum Umwinden unterseeischer Telegraphenkabel und eigentümlich präparierte in der Chirurgie als Verbandmaterial. Obwohl manches Vorurteil gegen die J. widerlegt worden ist, so ist der Stoff doch gegenüber Flachs und Hanf als geringwertiger, und eine Beimischung zu letztern wäre ebenso als Verfälschung zu betrachten wie die häufig vorkommende Beimischung von J. zu den gröbern Garnnummern in Wolle und Baumwolle. Namentlich steht J. dem Hanf und Flachs in der Festigkeit nach und scheint auch den Wechsel von Feuchtigkeit und Trockenheit schlecht zu vertragen. Die ersten Versuche mit der J. in Europa datieren von 1834 und 1835; aber erst der Krimkrieg, durch welchen den englischen und schottischen Spinnereien der russische Flachs und Hanf entzogen wurde, verschaffte der J. größere Geltung, und seitdem hat sich namentlich in und bei Dundee, London und Glasgow eine bedeutende Juteindustrie entwickelt. 1875-76 wurden aus Ostindien 5,206,570 Ztr., 1882-83 aber 10,348,909 Ztr., und 1885-86: 7,778,864 Ztr. J. exportiert. Außerdem hat sich in Ostindien selbst die Juteindustrie stark entwickelt; 1884-85 wurden 82,8 und 1885-1886: 63,7 Mill. Säcke ausgeführt. Auch in Nordamerika (Massachusetts, Rhode-Island), Deutschland (seit 1861 in Vechelde, ferner in Braunschweig, Oldenburg, am Rhein, in Meißen) und in Österreich wird J. verarbeitet, und im allgemeinen hat die Juteindustrie im Umfang die alte Leinenindustrie bereits überflügelt. Vgl. Pfuhl, Die J. und ihre Verarbeitung (Stuttg. 1878); Ernst, Anleitung zur Bleicherei und Druckerei von Jutestoffen (Leipz. 1886).

Jute von Madras, s. Gambohanf.

Juten, die alten Bewohner Jütlands.

Jüterbog (Jüterbogk), Hauptstadt des Kreises J.-Luckenwalde im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, in einem Thal des Fläming, an der Nuthe und den Linien Berlin-Halle und J.-Röderau der Preußischen Staatsbahn, hat 2 evang. Kirchen (darunter die Nikolaikirche, eine dreischiffige Hallenkirche aus dem 14. und 15. Jahrh., mit einem 6 m hohen Sakramentshäuschen aus Sandstein von 1507 und Tezels Ablaßkasten), ein Amtsgericht, ein Rettungshaus für verwahrloste Mädchen, ein Krankenhaus des Johanniterordens, Tuch-, Wollwaren- und Zigarrenfabrikation, Weinbau, besuchte Viehmärkte und (1885) mit der Garnison (eine Abteilung Feldartillerie Nr. 3) 6797 meist evang. Einwohner. Dicht dabei die beiden Dörfer Damm und Neumarkt. - Die Gegend von J. wurde vom Markgrafen Albrecht dem Bären den Slawen entrissen und ging um 1170 in den Besitz des Erzstifts Magdeburg über. Mit diesem fiel J. 1680 an Kurbrandenburg. Hier fand 17. Dez. 1548 eine Zusammenkunft der Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen, der auch Melanchthon und Agricola beiwohnten, über Annahme des Interim und 1611 Verhandlungen zwischen denselben Staaten über die jülichsche Erbschaft statt. Am 23. Nov. (3. Dez.) 1644 bei J. Sieg der Schweden unter Torstensson über die Kaiserlichen unter Gallas. In der Nähe das Schlachtfeld von Dennewitz (s. d.).

Juthunger, german. Volksstamm, zu den Alemannen gehörig.

Jütland (dän. Jylland), dän. Provinz, nach Größe und natürlicher Beschaffenheit das Hauptland der Monarchie, umfaßt den nördlichen Teil der Cimbrischen oder Dänischen Halbinsel von der Königsau und dem Koldingfjord bis zur Nordspitze Skagen (s. Karte "Dänemark") nebst den Inseln Läsö, Anholt und Endelave im Kattegat und hat ein Areal von 25,269 qkm (458,60 QM.). Auf der Westseite von der Nordsee (Westsee), auf der Ostseite von der Ostsee umflossen, wird J. gegen O. durch das Kattegat von Schweden und gegen NW. durch das Skagerrak von Norwegen getrennt; im S. stößt es an Schleswig. Über die Beschaffenheit des Bodens, der Küsten, Fjorde, Flusse und Kanäle, Seen, Klima, Produkte, Eisenbahnen etc. s. Dänemark. Nur verdient bemerkt zu werden, daß in J. der Geschiebesand nicht allein Hügel, sondern auch ebene Heideflächen bildet, die man nach ihrer meist aus braunem, eisenhaltigem Sandstein (Al) bestehenden Unterlage Alheide (Ahlheide) nennt. Die Zahl der Einwohner ist (1880) 868,511. Ein Hauptplatz des Verkehrs auf der Ostsee und landwärts ist Aarhus; Hafenorte sind außerdem Aalborg, Frederikshavn, Randers, Veile etc. Fast im Mittelpunkt des Landes liegt die Stadt Viborg, die den Knotenpunkt der Straßen Jütlands bildet. Gymnasien bestehen zu Aalborg, Aarhus, Randers, Viborg, Horsens und Ribe. Die Provinz zerfällt administrativ in neun Ämter: Aalborg, Aarhus, Hjörring, Randers, Ribe, Ringkjöbing, Thisted, Veile und Viborg. - Bereits im 2. Jahrh. fand sich in J. ein germanischer Stamm, die Cimbern (s. d.), weshalb auch J. mit Schleswig die Cimbrische Halbinsel (Chersonesus cimbrica) heißt. Später (449) nahmen die Bewohner Jütlands (Jüten) teil an dem von den Angeln und Sachsen unter Hengist und Horsa unternommenen großen Seezug, welcher die Unterwerfung Englands zur Folge hatte. Darauf wanderten die Dänen ein, und seit Gorm dem Alten (gest. 936) hat J. unausgesetzt einen Bestandteil des Königreichs Dänemark ausgemacht. Vgl. Erslev, Jylland, Studier og Skildringer (Kopenh. 1886).

Jutrebog, wend. Gottheit des Morgenrots und Lichts, von welcher die Stadt Jüterbog den Namen haben soll.