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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kaffee; Kaffeebaum

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Kaffee - Kaffeebaum.

Kaffee, s. Kaffeebaum. Deutscher K., s. Cichorium; schwedischer K., s. Astragalus; K. vom Sudân, s. Inga.

Kaffeebaum (Coffea L.), Gattung aus der Familie der Rubiaceen, immergrüne Sträucher oder selten kleine Bäume mit gegenständigen oder zu drei wirtelständigen, gestielten oder festsitzenden, ganzrandigen Blättern, breiten, zugespitzten Nebenblättern, in achsel-, seltener endständigen, büscheligen Trugdolden, seltener einzeln stehenden Blüten und kugeliger oder ovaler, trockner oder fleischiger Steinfrucht, die meist zwei Steine mit lederiger oder papierartiger Schale enthält. Etwa 20 Arten im tropischen Afrika, Asien und auf den Maskarenen. Der echte K. (Coffea arabica L., s. Tafel "Genußmittelpflanzen"), ein 6-8 m hoher, schlanker Baum mit 14 cm langen, länglichen, zugespitzten, lederigen, kahlen, kurzgestielten Blättern, eideltaförmigen Nebenblättern und zu 3-7 gebüschelt in den Blattachseln stehenden, weißen Blüten. Die Früchte sind oval, getrocknet 13-5 mm lang, 8-10 mm breit, zuerst grün, dann rot, endlich violett und enthalten in einem schleimig, widerlich süß schmeckenden Fleisch zwei pergamentartige, zitronengelbe, einsamige Gehäuse. Der Same ist oval, 8-14 mm lang und 6-9 mm breit, plankonvex, auf der Bauchfläche mit einer Längsrinne versehen und mit beiden Rändern eingeschlagen, so daß er im Querschnitt als eine zusammengedrückte Spirale erscheint. Bildet sich nur ein Same aus, so gestaltet sich dieser rundlich, geradezu cylindrisch und bildet den Perlkaffee, der also nach seiner Abstammung nicht eine bestimmte Sorte bildet. Die Samenhaut ist zart, häutig, blaßbräunlich und umgibt auch die innere Windung des Samens. Sie hängt nur locker mit dem Samenkern zusammen und fehlt daher auf der Außenfläche der käuflichen Bohne (deren Name von dem arabischen bunn abzuleiten ist). Der K. wächst im östlichen Afrika von Abessinien (Kaffa) bis zum Rovuma (10° südl. Br.) wild und soll auch an der Westküste heimisch sein; durch Kultur ist er in den Tropen weit verbreitet und gedeiht in Asien, Afrika und Amerika bei einer mittlern Temperatur von 27-28°, wo das Thermometer nie unter 10,5° sinkt, nördlich bis zum 36. Breitengrad. Er fordert Feuchtigkeit und Schatten und gedeiht am besten auf Kalkboden. Man kultiviert ihn zum größten Teil in Gebirgsgegenden, wo ihm eine Höhe von 370-950 m am meisten zusagt, und sorgt für Schatten, zum Teil durch Anpflanzung besonderer Bäume (Erythrina). Man zieht die Bäumchen aus Samenkörnern und pflanzt die Setzlinge, sobald sie 60-90 cm Höhe erreicht haben, in die sogen. Kaffeegärten oder Kaffeeplantagen. In Westindien und Zentralamerika läßt man die 2-2,5 m voneinander entfernt stehenden Bäumchen des leichtern Einsammelns der Beeren halber und zur Erzielung größerer Fruchtbarkeit nur 1,5-2 m hoch werden. Im dritten Jahr beginnen die Bäume zu tragen, und die Früchte werden nun mit dem Alter des Baums, der aber höchstens 20 Jahre hindurch fruchtbar bleibt, immer besser. Auf demselben Boden kann nicht unmittelbar eine Pflanzung der andern folgen, weil der K. den Boden zu stark erschöpft. In Arabien läßt man die Früchte ganz reif werden und schüttelt sie dann auf Decken herab, in Ost- und Westindien sowie in Südamerika dagegen werden die noch roten Beeren abgepflückt. Das Losschälen der Samenkerne geschieht entweder trocken durch Quetschen und Entfernen der Hülsen mittels Schwingen (Arabien, Ostindien), oder man läßt die vom Fruchtfleisch befreiten Samen in Wasser aufquellen, um die Samenschalen dann leichter abzuquetschen. Durch Einführung von Maschinen und Trockenapparaten hat man namentlich in Brasilien vorzügliche Erfolge erzielt. Der Ertrag ist in den verschiedenen Ländern sehr ungleich: man erhält auf Java in den Regierungspflanzungen nur 0,25, in den Privatpflanzungen 0,5, auf Costarica 0,75-1, in Brasilien und auf Cuba 2-2,5, in Arabien angeblich bis 3 kg von jedem Baum. - Die Kaffeebohnen enthalten lufttrocken noch 5-9 Proz. Wasser, außerdem hauptsächlich Kaffein, Eiweißstoffe, Legumin, Kaffeegerbsäure, Fett, etwas Zucker, Cellulose und mineralische Stoffe; der Gehalt an den einzelnen Stoffen wechselt erheblich bei den verschiedenen Sorten. Der Gehalt an Kaffein schwankt von 0,8-1,2 Proz., ohne daß sich eine konstante Verschiedenheit zwischen bessern und geringern Sorten zeigte. Als mittlere Zusammensetzung der Bohnen kann man etwa annehmen:

^[Liste]

Cellulose 34-59 Proz.

Wasser 5-10 "

Zucker 6-7 "

Legumin etc. 10 "

Fett 10-13 "

Kaffein 0,8-1,2 "

durch Bleisalz fällbare Säure 10-12 "

flüchtige Öle 0,003 "

Asche 6-7 "

Die Asche besteht zu mehr als 50 Proz. aus Kali und enthält außerdem 15-17 Proz. Kohlensäure, 10-11,6 Proz. Phosphorsäure, 8-9 Proz. Magnesia, 4-6,7 Proz. Kalk, 3-5 Proz. Schwefelsäure etc., kein Natron und keine Kieselsäure.

[Handelssorten.] I. Afrikanischer oder äthiopischer Kaffee. Die Sorten südlich vom Tsanasee und aus den Gallaländern bilden das beste Produkt, werden von den indischen Händlern in Berbera und Zeila aufgekauft und haben für Europa wohl keine Bedeutung. II. Arabischer, levantischer, Mokkakaffee, eirund, grün bis grünlichgelb, die kleinsten von allen Bohnen. Die Auslese (Bahuri) gelangt kaum weiter als bis Konstantinopel, zwei minderwertige Sorten, Sakki und Salabi, bestehen aus blaß- oder grünlichgelben Bohnen. Übrigens geht unter dem Namen Mokka meist kleinbohniger Java oder Ceylon. III. Niederländisch-indischer Kaffee. 1) Java, Batavia, Tscheribon, gold- oder hochgelber, brauner, gelber, blaßgrünlicher, schöngrüner, feinblauer oder blanker Java, sehr beliebt. Die als Mokka gehende Javasorte steht dem echten Mokka sehr nahe. 2) Samarang, die geringste Javasorte, mit großen, gelbbraunen, braungrünen und vielen schwarzen Bohnen. 3) Menado von Celebes, große, hellgelbe, dunkelgelbbraune und blaßgrüne Bohnen in größter Gleichmäßigkeit, sehr beliebt; die übrigen Celebessorten sind unegal, von unreinem Geschmack, werden meist als Mischware behandelt. Dadapkaffee ist auf Celebes auf gelichtetem Waldland gewachsen. 4) Sumatra, große, dunkelgelbe, braune, häufig, schwarze Bohnen, von rohem Geschmack, dient als Mischware. IV. Spanisch-indischer Kaffee. Manilakaffee von den Philippinen, der beste von Cavita, mittlere von Laguna und Batanges, der schlechteste von Mindanao; Bohnen blaß oder blaßgrünlich, matt, mit großen, silberglänzenden Samenhautfragmenten. V. Französisch-indischer und Bourbonkaffee, nur letzterer hat für uns Bedeutung. Die beste Sorte ist fast dem Mokka gleich, länglich, blaßgelb, grünlichgelb, schließlich goldgelb; kleine Bohnen erbsenförmig, braun. VI. Englisch-indischer Kaffee, vorzügliche Sorten, die dem Java gleichkommen. Nilgiri, Madras, Ceylon, letzterer in zwei Sorten: Nativa mit mehr gelbgrünen oder dunkeln, länglichen Bohnen und Plantagenkaffee mit schmälern, kleinern, gleichmäßig blaugrünen Bohnen. VII. Westindischer und mittel-^[folgende Seite]