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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kafferochs; Kaffiso; Kaffraria; Kafiller; Kafiote; Kafir; Kafircongo-Völker; Kafiristan; Kaftan; Kagal; Kagalnik; Kagera

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Kafferochs - Kagera.

mittelung der Missionäre kam 1830 ein Friede zu stande, wobei der Fischfluß als Grenze des Kaplandes und der Kaiskamma als Grenze der K. bestimmt wurden; das Land dazwischen sollte neutral bleiben. Holländische Buren brachen aber 1834 den Frieden, und sämtliche Kaffernstämme vereinigten sich jetzt zu einem Angriff auf die Kapkolonie. Bathurst wurde zerstört, und schon drangen die K. gegen die Kapstadt vor, als ihnen Oberstleutnant Smith entgegentrat und sie zum Frieden nötigte (April 1832), infolge dessen das bezeichnete Gebiet als Königin Adelaide-Provinz zu englischem Gebiet gemacht wurde. Weiteres s. Britisch-Kaffraria. Während die Rolle der K. ausgespielt ist, soweit britisches Gebiet reicht, haben sie tiefer im Innern es neuerdings noch zur Bildung großer, wenn auch ephemerer Reiche gebracht, so namentlich die Matebele, eine Abteilung der Zulu, welche zwischen Limpopo und dem mittlern Sambesi hausen und sich durch Aufnahme fremder unterjochter Stämme verstärken. Vgl. Kay, Travels and researches in Kaffraria (New York 1834); Döhne, Das Kafferland und seine Bewohner (Berl. 1843); Livingstone, Missionsreisen und Forschungen in Südafrika (deutsch, Leipz. 1858); G. Fritsch, Drei Jahre in Südafrika (Bresl. 1868); Derselbe, Die Eingebornen Südafrikas (das. 1873).

Kafferochs, s. Büffel.

Kaffiso, s. v. w. Cafiso.

Kaffraria, zur brit. Kapkolonie gehöriges Gebiet zwischen Britisch-Kaffraria, den Distrikten Queenstown und Wodehouse, Basutoland, der Kolonie Natal und dem Indischen Ozean, umfaßt die Distrikte Transkai, Tembuland, Ostgriqualand und das Pondoland, zusammen 41,517 qkm (754 QM.) mit (1881) 261,097 Einw. Das Land wird im NW. von den Storm- und Drakenbergen begrenzt, von denen zahlreiche Flüsse (Kai, Umtata, Umzimwubu, Umzimkulu) dem Meer zuströmen, hat schöne Wälder und Weiden, auch Ackerbau wird getrieben. Pondoland steht noch unter einem Kaffernhäuptling, der aber von der Kolonialregierung kontrolliert wird; die übrigen Gebiete werden durch englische, von der Regierung der Kapkolonie ressortierende Kommissare verwaltet.

Kafiller, s. v. w. Abdecker (s. d.). Das der Gaunersprache entlehnte Wort K. scheint aus dem neuhebr. kefàl, abdecken, abziehen, entstanden zu sein.

Kafiote, die Einwohner der westafrikan. Landschaft Loango (s. d.).

Kafir (arab., "Ungläubige"), Name der Nichtmohammedaner im moslemischen Asien und Afrika, woraus das bei den Türken gebräuchliche Wort "Giaur" entstand; im engern Sinn Bezeichnung für Juden, Christen oder solche Konfessionen, welche sich zu einer der vom Koran anerkannten drei heiligen Schriften, als: Thora, Psalmen und Evangelium, bekennen, während alle übrigen Medschusi ("Götzendiener, Feueranbeter") heißen.

Kafircongo-Völker, s. Bantu.

Kafiristan ("Land der Ungläubigen"), im engern Sinn eine 12,950 qkm (235 QM.) große Landschaft nordöstlich von Kabul; im weitern Sinn Sammelname für die Gebirgsstaaten am Südabhang des Hindukusch, östlich von Kaschmir, sonst von Provinzen Afghanistans begrenzt, 51,687 qkm (939 QM.) groß mit ca. 500,000 Einw. K. ist durchgehends ein Alpenland von großer landschaftlicher Schönheit mit stellenweise vergletschertem Hintergrund. Sämtliche Flüsse sind Zuflüsse des Kabul (s. d.); der längste, ein gewaltiger Bergstrom, ist der bei Dschelalabad mündende Kunar. Das Klima ist von dem indischen völlig verschieden und im ganzen gemäßigt. Reis und stellenweise Zuckerrohr gedeihen in den untern, Indien zugekehrten Teilen, sonst sind die Abhänge bis zum Gipfel mit Bäumen, meist Nadelholz, bewachsen; im Thal stehen Platanen, Feigen-, Apfel- und Birnbäume; die Weinrebe findet ausgedehnten Anbau, Bienenzucht ist allgemein. Höher hinauf folgen Maulbeerbäume, Walnuß und Getreide; erst nahe dem Hauptkamm des Gebirges reifen Cerealien nicht mehr. Der Flora entspricht die Fauna. K. ist reich an Wild; das lohnendste Haustier ist das dickschwänzige Schaf. Die Bewohner waren Arier, ihre Nachkommen, Hindki genannt, sitzen unter dem Hauptkamm des Gebirges; sie haben den Islam nicht angenommen. Im 5. Jahrh. wandten sich hierher von Indien, als sie von dort und aus Kaschmir wieder verdrängt worden waren, die weißen Hunnen oder kleinen Juetschi (vgl. Ostindien, Geschichte), d. h. türkisch-tatarische Stämme; sie sitzen jetzt hauptsächlich in Tschitral und sind der schönste, kräftigste Menschenschlag unter diesen Bergbewohnern. Im untern Teil der Thäler sind die Bewohner Afghanen vom Stamm der Jusufzai, die sich hier im 8. Jahrh. n. Chr. ansiedelten. Kafir, d. h. Ungläubige, nennen die spätern Einwanderer, die alle Mohammedaner sind, die Reste der alten Bewohner; davon übertrug sich bei den Anwohnern der Name auf das ganze Gebiet. Staatlich zerfällt K. in so viele Ländchen, als es Thäler und Gebirgsstöcke gibt. Die wichtigsten sind von O. nach W.: Ghor, Dareil, Kaial, Tschilas, Dschalkot, Palas, sämtlich gegen Kaschmir; Swat, schon von Alexander d. Gr. durchzogen, jetzt Sitz des geistlichen Oberhaupts dieses Bergvolkes, des Akhund, Ghor, Dareil, Kaial; Tschitral, zur Zeit in die zwei Fürstentümer Tschitral oder Kaschkar und das nördliche, kleinere Mastudsch geteilt, und die Landschaft K. Alle diese völlig selbständigen Staaten leben in beständiger Fehde untereinander; vor einer Unterwerfung durch Afghanistan sichert sie trotz ihrer ungenügenden Bewaffnung mit Pfeil und Bogen und schlechten Flinten die Rauheit ihres Landes. Europäern ist K. noch immer unzugänglich. Vgl. Downes, Kafiristan (Lahor 1873).

Kaftan (türk., "Oberrock"), ehedem ein Kleidungsstück, welches, von dem Sultan verliehen, eine besondere Auszeichnung bekundete, ungefähr wie das Chalat, ebenfalls ein Oberkleid, noch heute in Persien und Mittelasien von Fürsten als Gunstbezeigung verwendet wird. Die heutigen Sultane verteilen statt des Kaftans Orden und Geldgeschenke. Nur bei den untern und mittlern Volksklassen der Türkei ist der K. als Oberkleid noch in Gebrauch, und in den weiter östlich gelegenen, dem Islam angehörigen Ländern führt dasselbe gegenwärtig den Namen Chalat und Dschubbe. Von Persien und Mittelasien ist der K. im 13. Jahrh. durch das untere Wolgagebiet nach Rußland, Polen und Ungarn gedrungen; in den zwei erstgenannten Ländern gehörte er lange Zeit zur Nationaltracht und wird noch heute von den orthodoxen Juden getragen. K.-Agasi ("Kaftanaufbewahrer") ist der Titel der höchsten Diener in der Haushaltung der türkischen Landesgroßen.

Kagal (hebr.) s. Kahal.

Kagalnik, Flecken im russ. Gouvernement Jekaterinoslaw, an einer Bucht des Asowschen Meers, mit drei Jahrmärkten, von denen namentlich der Pokrovsche von Bedeutung ist, bedeutendem Fischfang und (1880) 4500 Einw.

Kagera (Alexandra-Nil), s. Nil und Nilseen.