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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kakographie - Kalabrien.

nicht giftig, bildet mit Basen Salze, ist schwer oxydierbar, aber leicht reduzierbar. Man bedient sich des Kakodyls bisweilen zur Entdeckung des Arsens, indem man die fragliche Substanz mit essigsaurem Kali erhitzt und auf den sich entwickelnden Geruch achtet.

Kakographie (griech.), schlechte, fehlerhafte Schreibung, im Gegensatz zu Orthographie.

Kakologie (griech.), fehlerhafte Sprechweise.

Kakophonie (griech.), Übellaut, Mißklang.

Kakophrasie (griech.), schlechte Aussprache.

Kakóschnik (russ.), Kopfputz der moskowitischen Frauen, bestehend in einem kronenartig um den Kopf gelegten Ring von Tuch oder Samt, der in verschiedenster Weise verziert ist.

Kakosyntheton (griech.), ein fehlerhaft zusammengesetzter Ausdruck.

Kakothymie (griech.), Mißmut, Niedergeschlagenheit; Wahnsinn mit versteckter Bosheit.

Kakozelie (griech.), schlechte, verkehrte Nacheiferung, Mißeifer.

Kakteen (hierzu Tafel "Kakteen etc."), dikotyle, ca. 1000 Arten umfassende Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Opuntinen, strauchförmige Gewächse mit blattlosen, dicken, fleischig-saftigen Stämmen von bald kugelförmig zusammengezogener, bald verlängerter und zwar platter oder säulenförmig runder oder eckiger, auch flügelkantiger Gestalt und mit Astbildung, hauptsächlich aus weichem Zellgewebe gebildet, mit meist geringer Holzentwickelung. Die Blätter sind angedeutet als warzenförmige Höcker, die mit vielen kleinen Dornen besetzt sind. Die großen Blüten erscheinen einzeln in den Achseln der Blatthöcker. Einige, wie Pereskia, haben auch echte, flache Blätter. Kelch und Blume gehen ineinander über, indem ihre Blätter eine fortlaufende Spirale bilden. Die zahlreichen Kelchblätter sind blumenartig gefärbt, miteinander verwachsen zu einer mit dem Fruchtknoten zusammenhängenden Röhre, die bisweilen übenden letztern hinausgeht. Die Blumenblätter sind nur durch zartere Beschaffenheit von den innern Kelchblättern unterschieden, stehen ebenfalls in mehreren Reihen, werden nach innen allmählich größer und entspringen entweder vom Rande der Kelchröhre, oder sind selbst mit ihren untern Teilen in eine lange Röhre vereinigt. Die ebenfalls mehrreihigen, zahlreichen Staubgefäße stehen auf der Basis oder der Röhre der Blumenblätter und werden nach innen kleiner. Der unterständige Fruchtknoten ist einfächerig mit zahlreichen anatropen Samenknospen und einem langen, einfachen Griffel mit Narben von linealischer oder spiraliger oder büschelförmiger Gestalt. Die Frucht ist eine einfächerige, vielsamige Beere. Die Samen sind kugelig oder fingerhutförmig. Das Vaterland der K. ist Amerika; nur eine Rhipsalis-Art ist in Südafrika einheimisch. Sie wachsen vorzugsweise im tropischen Klima, meistens an heißen, trocknen Stellen, manche auch auf den Gebirgshöhen. Opuntia vulgaris ist in Südeuropa verwildert, und manche Arten halten noch in Norddeutschland ohne Schutz im Freien aus. Man benutzt K. in der Heimat als Heckenpflanzen, Brennmaterial, zu Thürschwellen etc. Manche werden als Gemüse genossen, und viele liefern eßbare Früchte, wie Opuntia vulgaris die indianischen Feigen. Auf Opuntia-Arten wird auch die Kochenille kultiviert. Die K. haben viele Liebhaber gefunden, und die einzelnen Gattungen: Cereus, Echinocactus, Echinocereus, Echinopsis, Epiphyllum, Mammillaria, Melocactus, Opuntia, Pilocereus etc., lieferten zahlreiche Arten für die Kultur im Gewächshaus und Zimmer. Unsre Tafel zeigt eine Auswahl schöner Formen: Cereus giganteus Engelm. und C. dasyacanthus Engelm., Echinocactus horizonthalonius Engelm., Mammillaria pectinata Engelm., Melocactus communis Dec., Opuntia filipendula Dec. und O. coccinellifera Mill. und Phyllocactus anguliger Dec. Mit den K. werden in den Gärten dickblätterige Pflanzen aus verschiedenen Gattungen, besonders Agave, Aloë, Crassula, Mesembryanthemum, Echeveria, Kalosanthes, Sedum, Sempervivum, Haworthia, Stapelia, Umbilicus etc., als Sukkulenten oder Fettpflanzen kultiviert, und die beiden erstgenannten Gattungen sind wie nur wenige andre von der Liebhaberei gepflegt worden. Die Agaven, welche in den riesigsten und in zwergigen Formen vorkommen, sind ungemein gestaltenreich wie die aus unsrer Tafel abgebildeten A. Celsii Hook. und A. horrida hort. erkennen lassen. Diese und die Aloearten, von denen die Tafel A. ferox Munt. zeigt, blühen seltener, während die Crassula-, Sedum-, Sempervivum, Mesembryanthemum- und Stapelia-Arten leicht und reichlich blühen und in der Schönheit der Blüten mit den übrigen Arten wetteifern. Die Sukkulenten fordern eigentümliche Verhältnisse, namentlich viel Sonne und Trockenheit, wenn sie gut gedeihen sollen, und stehen als Zierpflanzen im denkbar stärksten Gegensatz zu den Blattpflanzen (s. d.). Vgl. Pfeiffer, Enumeratio diagnostica Cactearum (Berl. 1837); Lemaire, Iconographie descriptive des Cactées (Par. 1841); Salm-Reifferscheid-Dyck, Über die Familie der K. (Berl. 1840); Otto und Pfeiffer, Abbildung blühender K. (Kassel 1838-47); Engelmann, The Cacteae of the United States (Cambridge 1856) und Cacteae of the Mexican Boundary Survey (1858); Förster, Handbuch der Kakteenkunde (neue Ausg., Leipz. 1885); Schiller, Grundzüge der Kakteenkunde (Berl. 1886).

Kakul, s. Acacia.

Kalaa (Kalca, arab., "Festung") kommt sehr häufig bei zusammengesetzten Ortsnamen vor, findet sich in Spanien wieder als Alcalá, in den iranischen Ländern als Kalat, Kelat, Khelat, in Indien als Kela, Kila, in Armenien, im Kaukasus u. a. als Kaleh.

Kalaa, El, Stadt in Algerien, Provinz Oran, ein auf hohem Felsenkegel thronender, ehemals sehr fester Ort mit 3600 mohammedan. Einwohnern, welche eifrige Fabrikation von wollenen Teppichen, Leinenzeug und Matten betreiben.

Kalabarbohne, s. Physostigma.

Kalabasse, s. v. w. Kalebasse, s. Kürbis.

Kalabresen, die Bewohner von Kalabrien (s. d.).

Kalabreser, breitkrempiger (ursprünglich kalabrischer) Hut, früher Abzeichen der Republikaner.

Kalabrien (lat. Calabria), im Altertum Name der südöstlichen Halbinsel von Italia inferior oder Großgriechenland, die sich von Tarent bis zum Iapygischen Vorgebirge (Capo di Leuca) erstreckt und auch Messapia und Iapygia genannt wurde (jetzt Provinz Lecce). Heute sehr vernachlässigt, war das Land im Altertum trotz stellenweisen Mangels an Wasser fruchtbar und baumreich und hatte außer den alten oskischen Bewohnern eine reiche Bevölkerung illyrischer Einwanderer und griechischer Kolonen, welche, durch die für den Handel günstige Lage angelockt, sich dort niedergelassen hatten. Die bedeutendsten Städte waren: Brundusium (Brindisi), Hydruntum (Otranto), Tarentum (Taranto), Uxentum (Ugento), Uria (Oria), Lupiä (Lecce) etc. Im Mittelalter wurde dann durch die byzantinischen Kaiser der Name K. auf das frühere Bruttium übertragen und bezeichnet seitdem die südwestliche Halbinsel