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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kalckstein - Kaleidoskop.

der Düsseldorfer Akademie unter J. W. ^[Johann Wilhelm] Schirmer, verließ dieselbe 1849 und lebte zwei Jahre in Köln, dann in Düsseldorf. Vom König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zum Professor ernannt, ward er 1859 nach Weimar zur Gründung einer Kunstschule berufen, die 1860 eröffnet wurde. Er wurde Direktor derselben, legte aber im Januar 1876 sein Amt nieder und lebt jetzt in München. Seine Reisen in der Schweiz und den Pyrenäen sowie auch in Italien gaben ihm den Stoff zu den meisten seiner sehr zahlreichen Gebirgslandschaften, die durch großartige Formauffassung und Beleuchtung einen gewissen idealen Charakter zeigen. Eine beträchtliche Anzahl derselben ist im Besitz fürstlicher Personen. Die Berliner Nationalgalerie besitzt eine Ansicht des Lac de Gaube in den Pyrenäen (1855), das Canigaithal in den Ostpyrenäen (1856) und den Rosenlauigletscher in der Schweiz (1878). - Sein Sohn Leopold, Graf von K., ist Porträt-, Genre- und Landschaftsmaler naturalistischer Richtung und Professor an der Kunstschule zu Weimar.

Kalckstein, ostpreuß. Adelsfamilie, die im 17. Jahrh. an der Spitze der ständischen Opposition gegen die brandenburgische Herrschaft stand. Generalleutnant Albrecht v. K. auf Knauten verweigerte hartnäckig dem Großen Kurfürsten die Huldigung als souveränem Herzog. Sein Sohn Christian Ludwig setzte den Widerstand noch fort, als die Stände sich 1663 schon gefügt hatten, obwohl ihn der Kurfürst 1655 zum Obersten und Hauptmann von Oletzko ernannt hatte. 1660 wegen brutalen Amtsmißbrauchs abgesetzt, ging er nach Polen, um zum Einfall in Preußen zu hetzen, kehrte nach dem Tod seines Vaters (1667) nach Preußen zurück, ward aber von seinen eignen Geschwistern 1668 des Hochverrats und der schlimmsten Sittlichkeitsverbrechen angeklagt und verhaftet, auch zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt, jedoch zu einer Geldstrafe begnadigt, die er nicht bezahlte. 1670 floh er nach Polen, trat zum Katholizismus über und bestürmte den König und die angesehensten Personen, den preußischen Ständen gegen den Kurfürsten zu Hilfe zu kommen. Da alle Gesuche um seine Auslieferung erfolglos blieben, schritt der Kurfürst zu einem Gewaltstreich. Sein Resident v. Brandt in Warschau lockte K. in sein Haus, ließ ihn knebeln und in Decken rollen und über die Grenze bringen (Dezember 1670). K. ward 9. Jan. 1672 zum Tod verurteilt und 8. Nov. d. J. in Memel enthauptet.

Kaldaunen, s. v. w. Eingeweide, besonders die eßbaren Gedärme des Rindes.

Kaldenkirchen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Kempen, an den Linien Kempen-Venloo und Viersen-K. der Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, eine Synagoge, ein Hauptzollamt, Fabrikation von Wollenstoffen, Töpferwaren, Kaffeebrennern, Dampf-Gesundheitskaffee, Zigarren, Seifensiederei, Blaufärberei, Lein- und Seidenweberei, Flachsbau etc. und (1885) 3240 meist kath. Einwohner.

Kalé (Kaleh, türk.), s. v. w. Schloß, kommt in zusammengesetzten Ortsnamen oft vor (vgl. Kalaa).

Kalebasse, Flaschenkürbis (s. Kürbis); auch ein aus solchem verfertigtes Gefäß.

Kalebassenbaum, Pflanzengattung, s. Crescentia.

Kaledonien (Caledonia, kelt., "Walddickicht"), der nördlich vom Clota (Clyde) und Boderia (Firth of Forth), jenseit des Antoninuswalles, gelegene Teil Schottlands, welcher nie von den Römern unterworfen wurde, wenn sie auch unter Agricola siegreich in denselben eindrangen. Die Bewohner (Kaledonier), zum keltischen Stamm gehörig, waren ein Urvolk Britanniens und neben den Briten das mächtigste der Insel; es bestand bei ihnen Vielweiberei und die Sitte, den Körper mit Tierfiguren zu tättowieren. Seit dem 4. Jahrh. erscheinen sie unter dem Namen Pikten, mit denen sich am Ende desselben Jahrhunderts die aus Irland eingewanderten Skoten verbanden. Häufig, aber unrichtig wird mit dem Namen K. auch ganz Schottland bezeichnet.

Kaledonischer Kanal, großer Kanal in Schottland, welcher Inverneß am Loch Beauly mit Fort William am Loch Eil und somit die Nordsee mit dem Atlantischen Ozean verbindet. Er wurde 1803-47 nach dem Plan Telfords auf Staatskosten gebaut (Kosten 1,256,000 Pfd. Sterl.) und ist mit Einschluß der von ihm durchschnittenen Seen 97 km lang (ohne diese nur 35). Er hat 5 m Tiefe und wird von 28 Schleusen durchschnitten. Sein höchster Punkt liegt 29,4 m ü. M. Früher von Bedeutung, wird er jetzt nur wenig von Schiffen benutzt, und die jährlichen Einnahmen (etwa 8500 Pfd. Sterl.) decken kaum die Unterhaltungskosten.

Kaledonisches Meer, nicht mehr übliche Bezeichnung für einen Teil des Atlantischen Ozeans, zwischen Schottland und den Hebriden.

Kaleidophon (griech., "Schönklangbild", phonisches Kaleidoskop), von Wheatstone angegebener Apparat, besteht aus einer Holzplatte, auf welcher runde, eckige, gerade oder gebogene Stäbe befestigt sind, die an ihrem freien Ende kleine spiegelnde Glaskugeln oder eine verstellbare Platte mit verschiedenfarbigen, symmetrisch geordneten Knöpfen tragen. Wird einer der Stäbe durch einen Hammer oder einen Violinbogen in Schwingungen versetzt, und trifft ein Sonnenstrahl den Knopf, so sieht man die Bahn, welche das Ende des Stabes beschreibt, als eine in sich zurückkehrende und sich beständig ändernde Lichtlinie. S. Schall.

Kaleidoskop (griech., "Schönbildseher"), ein auf den Gesetzen der Reflexion des Lichts beruhendes, von Brewster 1817 angegebenes Instrument, besteht aus zwei ebenen rechteckigen Spiegeln, welche unter einem beliebigen Winkel, gewöhnlich einem solchen von 30 oder 60°, und mit einander zugewendeten Spiegelflächen aneinander stoßen und in dieser Lage in einer innen geschwärzten Röhre befestigt sind. Man benutzt in der Regel 12-16 cm lange Spiegel. Die Röhre ist an dem einen Ende mit einer Scheibe, in welcher sich ein kleines Loch zum Durchsehen befindet, und an dem andern mit zwei Glasscheiben verschlossen, die etwa 2 mm voneinander abstehen und eine Kapsel bilden, in welche man kleine Splitter gefärbten Glases, kleine Federspitzchen, Samenkörnchen u. dgl. bringt; die äußere Glasscheibe ist matt geschliffen. Sieht man nun durch das kleine Loch, indem man das andre Ende des Kaleidoskops gegen das Tageslicht kehrt, so erblickt man bei jeder Lage der Körperchen die regelmäßigsten, bald vom Mittelpunkt ausgehenden, bald vom äußern Umfang nach diesem hin sich erstreckenden Sterne. Beim Drehen des Instruments verändert sich sogleich die Lage der Objekte, und man erhält ein durchaus verschiedenes Bild. Der Reichtum der Gestalten, welche auf diese Weise erzeugt werden können, ist unerschöpflich und das K. deshalb ein sehr beliebtes Spielwerk. Die Entstehung der Bilder gründet sich darauf, daß zwischen zwei geneigten Spiegeln ein Körper in jedem ein Bild gibt, welches hinter dem einen Spiegel und vor dem andern liegt und folglich auf letztern wie ein wahrer Gegenstand einwirkt. Daraus folgt in