Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kalifen

389

Kalifen (die Omejjaden).

authentischen Korantextes. Ihm folgte Mohammeds Neffe Ali (656-661), der hauptsächlich mit innern Kämpfen zu schaffen hatte. Seine Hauptgegnerin, die ränkevolle Witwe Mohammeds, Aischa, empörte sich, wurde aber 656 in der sogen. Kamelschlacht bei Basra besiegt und gefangen. Darauf erhob sich der Statthalter von Damaskus, Muawia, ein Verwandter des ermordeten Othman, und erzwang von Ali seine Anerkennung als Beherrscher der Gläubigen; im fortgesetzten Kampf fiel Ali durch Meuchelmord (Januar 661), wohl die edelste Erscheinung in der frühern Geschichte des Islam, von den Schiiten als wahrer Kalif und dem Propheten fast ebenbürtig verehrt. Hassan, Alis ältester Sohn, von Natur friedliebend, entsagte 661 der Herrschaft und erkannte Muawia als Kalifen an.

Die Omejjaden.

Mit Muawia I. (661-679) Beginnt die Dynastie der Omejjaden, so genannt von dem Ahnen Muawias, Omejjah. Muawia I. hatte seine ehrgeizigen Pläne durch die Anhänglichkeit der Syrer, der Perser und Ägypter und auch vieler arabischer Stämme verwirklicht und vereinte so wieder alle Moslems unter seinem Zepter, daher das Jahr seiner Thronbesteigung (661) auch Amur el Dschemai, Jahr der Vereinigung, genannt wird. Er verlegte die Residenz von Medina nach Damaskus. Um dem Aufstand der Charidschiten in Mesopotamien ein Ende zu machen, ernannte er den von einer Sklavin abstammenden Zijad zum Statthalter von Basra, der hier mit despotischer Härte die Herrschaft der K. befestigte. Muawia dachte auch wieder an Ausdehnung der Grenzen des Reichs. Schon unter den vorigen K. hatte sich eine Seemacht der Araber gebildet. Cypern und Rhodos wurden erobert, die Kykladen, bald auch entferntere Küstenstriche von den sarazenischen Korsaren geplündert; 1700 arabische Schiffe stellten sich der byzantinischen Flotte, welche der Kaiser Constans, des Heraklios Enkel, befehligte, entgegen, und die Flucht des Kaisers gab die Dardanellen den Feinden preis. Muawia bedrängte darauf Konstantinopel vom Meer aus sieben Jahre lang (668-675), doch ohne Erfolg; dafür drangen zu Lande die Scharen der Moslems bis gegen Indien vor; Sedschestan (663), Kabulistan (664), Kilikien, Tarsos, Chusistan, ein Teil von Turkistan (673) und Samarkand (676) wurden teils durch Muawias Sohn Jezid, teils durch seine Feldherren Okba und Ubeid Allah erobert. Das Kalifat machte Muawia in seiner Familie erblich und erzwang von allen Häuptlingen die Anerkennung seines Sohns Jezid.

Jezid I. (679-683) trat in die Fußstapfen seines staatsklugen Vaters. Hussein, der Sohn Alis, dritter schiitischer Imam, von 140,000 Aliden aufgefordert, als ihr Führer und Kalif am Euphrat zu erscheinen, rüstete gegen ihn, unterlag aber gegen Ubeid Allah, den Statthalter von Kufa. Ein neuer Gegner entstand in Abdallah Ben Zobeir zu Medina und Mekka 682. Jezids Feldherr Muslin Ben Okba eroberte jedoch Medina und übte 683 grausame Rache in Mekka, bis der Tod seinen Grausamkeiten Einhalt that; Hazim trat an seine Stelle. Unterdessen starb Jezid, und da sein Sohn Muawia II. noch im gleichen Jahr 683 starb, so brachen wieder innere Unruhen aus, in deren Folge der älteste und erfahrenste Omejjade, Merwan I., 684 erst zum Reichsverweser, dann zum Kalifen erhoben ward, der sich unter Aufständen in dieser Stellung hielt, während Abdallah Ben Zobeir sich als Gegenkalif in Arabien und Persien behauptete. Nach Merwans I. Ermordung (685) folgte dessen Sohn Abd Almalik (685-705), ein energischer, oft grausamer Fürst, der sich ebenfalls von verschiedenen Gegnern bedroht sah. Syrien und Ägypten gehorchten ihm kaum noch, Arabien hing an Alis Haus und erkannte Abdallah Ben Zobeir nach wie vor als seinen Führer an. Ein Pseudoprophet, Muchtar, der sich 682 in Kufa hatte huldigen lassen, und dessen Feldherr 686 sogar den bisher immer siegreichen Ubeid Allah in der Schlacht am Zab überwunden hatte, wurde erst 688 bezwungen und getötet. Nachdem Abd Almalik mit dem griechischen Kaiser Justinian II. Frieden geschlossen, worin er diesem einen jährlichen Tribut von 50,000 Goldstücken verwilligte, zog er gegen Abdallah, dessen Besiegung und Fall 692 Arabien wieder unter die Herrschaft der K. brachte. Als 693 der letzte Rebell, der Statthalter von Chorasan, unterworfen worden, war die Einheit des islamitischen Reichs wiederhergestellt.

Unter Abd Almaliks Sohn Welid I. (705-715) erhob sich die arabische Macht zur höchsten Blüte. Welids Feldherren siegten in drei Weltteilen. Kuteiba focht siegreich in Turkistan (706-715) und eroberte die Länder zwischen dem Oxus, Jaxartes und dem Kaspischen Meer, das Sogdiana der Alten. Mohammed drang durch Sind in Indien ein, und Muslima, Welids Bruder, und Abbas fochten in Kleinasien siegreich. Musa beendete den Krieg gegen die Mauren in Nordafrika und zwang diese, den Islam und die arabische Sprache anzunehmen, wodurch sie allmählich mit den Arabern zu einer Nation verschmolzen. Seit 711, nach der Eroberung von Gibraltar und der Schlacht bei Jeres de la Frontera, setzten sich die Araber in Spanien fest. Welid war ein Beförderer der Künste, namentlich der Baukunst, und erbaute die Moscheen zu Damaskus, Jerusalem und Medina. Sein Bruder Suleiman (715-717) war ein Despot. Er begann den Krieg gegen Konstantinopel wieder, mußte aber nach zweijähriger Belagerung dieser Stadt und sehr bedeutenden Verlusten Frieden schließen. Dagegen eroberten seine Feldherren Georgien. Sein Vetter und Nachfolger Omar II. (717-720) regierte mild und gerecht, ward aber wegen Nachgiebigkeit den Aliden gegenüber mißliebig und starb an Gift. Unter seinem Nachfolger Jezid II. (720-724), dem Bruder Suleimans, wurde das Reich wieder von Aufständen heimgesucht, während der Kalif ein üppiges Leben zu Damaskus führte. Seinem Bruder und Nachfolger Hischam (724-743) machte Husseins Urenkel, der Alide Zeid, das Kalifat streitig; aber Hischams Feldherren besiegten den Nebenbuhler, und Zeid wurde getötet. Schon traten auch im Osten die Abbassiden, die Stammverwandten der Aliden, mit Ansprüchen auf das Kalifat den Omejjaden entgegen. Durch Karl Martells Sieg bei Tours (732) wurde den Fortschritten der Araber im Westen ein Ziel gesetzt. Der wollüstige und grausame Welid II. (743-744), Sohn Jezids II., wurde nach einjähriger Herrschaft in einem Aufstand getötet. Sein Nachfolger Jezid III., Sohn Welids I., starb in dem Jahr seiner Erhebung, und dessen Bruder Ibrahim wurde 745 von dem Statthalter von Armenien, Merwan, dem Enkel Merwans I., gestürzt. Mit diesem, Merwan II. (745-750), erreichte die Herrschaft der Omejjaden in Asien ihr Ende. Offen traten die Abbassiden, die Nachkommen Abbas' I., des Oheims Mohammeds, von ihrer schwarzen Fahne, zum Unterschied von der weißen der Omejjaden, Musawidah (die Schwarzen) genannt, gegen Merwan auf. Der Abbasside Ibrahim ward in Chora-^[folgende Seite]