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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kalksalpeter - Kalkspat.

Gegenwart daher auf den Kalkgehalt des letztern geschlossen werden kann. Die wichtigsten sind: viele Papilionaceen, besonders Hippocrepis comosa L., Lathyrus tuberosus L.; unter den kultivierten besonders Esparsette, Luzerne, Klee; mehrere Labiaten, wie Prunella grandiflora Jacq., Stachys germanica L., S. recta L., Teucrium Chamaedrys L., T. montanum L.; einige Umbelliferen, zumal Caucalis daucoides L., Bupleurum falcatum L., B. rotundifolium L.; ferner Carlina acaulis L., Adonis aestivalis L. Auch viele Flechten wachsen ausschließlich oder vorwiegend auf Kalkgestein.

Kalksalpeter, s. v. w. salpetersaurer Kalk.

Kalksalze (Calciumsalze, Calciumoxydsalze) finden sich weitverbreitet in der Natur (s. Calcium) und werden leicht erhalten, indem man Calciumoxyd oder kohlensauren Kalk in den betreffenden Säuren löst, oder, soweit sie unlöslich sind, durch Wechselzersetzung. Die K. sind farblos, wenn die Säure ungefärbt ist, zum Teil sehr leicht löslich, während sich die schwer löslichen doch in Salzsäure und Salpetersäure lösen. Aus ihren neutralen Lösungen fällt Natronlauge weißes Calciumhydroxyd, phosphorsaures Natron weißen phosphorsauren, Schwefelsäure aus konzentrierten Lösungen weißen schwefelsauren Kalk. Letzterer ist in viel Wasser löslich und scheidet sich aus verdünnten Lösungen erst auf Zusatz von Alkohol aus. Oxalsaures Kali fällt sehr schwer löslichen weißen oxalsauren Kalk. Die K. spielen eine sehr große Rolle in der Natur; sie sind für die Ernährung der Organismen unentbehrlich, und viele finden in der Technik ausgedehnteste Verwendung.

Kalksandpiseebau, s. Pisee.

Kalksandziegel, s. Steine, künstliche.

Kalkschiefer, schieferig ausgebildeter Kalkstein verschiedener Formationen. Dem jüngern Tertiärgebirge gehört der K. von Öningen bei Stein a. Rh. an, die Lagerstätte des Andrias Scheuchzeri, vieler Fische, Insekten und einer reichen Flora; den oligocänen Tertiärbildungen die ebenso berühmten, Fischabdrücke führenden Schiefer des Monte Bolca bei Verona; dem Purbeck oder untern Weald die norddeutschen sogen. Einbeckhäuser Plattenkalke; dem weißen Jura die von Solnhofen mit vielen Versteinerungen, dem braunen Jura die von Stonesfield mit Landpflanzen, Vögeln und Säugetieren.

Kalkschlotten, Höhlen im Kalkstein, besonders die durch Auslaugen von Steinsalzstöcken und Lagern entstandenen im Zechsteingebirge Thüringens u. a. O.

Kalkschwefelleber, s. Calciumsulfurete.

Kalksinter, körniges oder faseriges Gestein, welches aus Kalkspat, seltener aus Aragonit (Antiparos, Karlsbad) besteht und sich in Krusten oder Platten, in Höhlen auch in Form von Stalaktiten und Stalagmiten bildet, indem sich kohlensaurer Kalk aus dem fließenden und sickernden Wasser abscheidet. Infolge seiner Entstehungsweise zeigt der K. streifige oder wellenförmige Färbung in gelblichen bis braunen Tönen. Oft versteht man unter K. auch den Kalktuff.

Kalkspat (Calcit), Mineral aus der Ordnung der Carbonate, kristallisiert rhomboedrisch und tritt in ungemein zahlreichen Formen (ohne die Kombinationen etwa 130) auf. Er ist ausgezeichnet rhomboedrisch spaltbar mit selten sichtbarem muscheligen Querbruch, Härte 3, spez. Gew. 2,7, durchsichtig bis undurchsichtig, in ersterm Fall mit ausgezeichneter doppelter Strahlenbrechung (Doppelspat), glasglänzend bis matt, auf dem blätterigen Bruch perlmutterglänzend, wasserhell, weiß, häufig auch gelb, rot, braun, schwarz, selten grün oder blau. Die dichten (derben) bis erdigen Varietäten sind weiß bis grau, selten schwarz, braun etc. K. besteht wie Aragonit aus kohlensaurem Kalk CaCO3 ^[CaCO_{3}] und enthält 44 Proz. Kohlensäure und 56 Proz. Kalk; doch sind von letzterm häufig geringe Anteile durch Bittererde, Eisen- und Manganoxydul, selten durch Zinkoxvd vertreten. Bisweilen schließt er Quarzsand ein, auch ist er nicht selten durchdrungen von Bitumen (bituminöser K. oder Stinkspat und Stinkkalk), minder oft gemengt mit Kohle (Anthrakonit). Er löst sich in Salzsäure unter starkem Aufbrausen, selbst in Essigsäure (Unterschied von Bitterspat und Verwandten), nicht in reinem, wohl aber in kohlensäurehaltigem Wasser. Die sehr mannigfaltigen Varietäten dieses äußerst wichtigen Minerals werden unter verschiedenen Namen aufgeführt. Der eigentliche. K. begreift die frei auskristallisierten oder doch deutlich individualisierten Varietäten, wie sie besonders schön bei Andreasberg, Freiberg, Tharandt, Maxen, in Derbyshire, Cumberland vorkommen. Hierher gehört der isländische Doppelspat, welcher zu Polarisationsapparaten benutzt wird. Die aggregierten Varietäten sind entweder stängelig und faserig (Faserkalk, faseriger Kalksinter, Atlasstein zum Teil, seidenglänzend, oft farblos, auch gelblichbraun, rot, grün), oder schalig (Schieferspat), oder körnig bis dicht (Marmor, Kalkstein, Kalktuff). Diese letztern Varietäten sind von größter Wichtigkeit und setzen ganze Gebirge zusammen.

Von allen diesen Abarten des Kalkspats kommen größere Massen in verschiedenen Sedimentärformationen gebirgebildend vor; in diesen Massen, wie auch sonst, finden sich Drusen, Hohlraum- und Spaltausfüllungen mit Kalkspatkristallen, die sich auch in thonigen Gesteinen und Bodenarten ausscheiden. Das Vorkommen ist demnach eigentlich ein völlig unbegrenztes. Hervorzuheben sind die Lager (Nester und Schichten), welche der salinische Marmor im kristallinischen Schiefergebirge, insbesondere im Gneis und Glimmerschiefergebirge, oft verknüpft mit Hornblendegesteinen, Serpentin, bildet. Er führt hier und da einen Reichtum an Mineralien, besonders von Silikaten, wie Glimmer, Talk, Chlorit, Hornblende, insbesondere Tremolith, Granat, Augitfossilien, Feldspat, Vesuvian etc., dann Korund und Spinell, Bergkristall, Apatit, Magneteisen, mannigfache Schwefelmetalle, insbesondere Kupferkies, Schwefel- und Magnetkies; letztere sind oft so in ihm angehäuft, daß dadurch Erzlager, insbesondere Kupferkies- und Magneteisensteinlager und -Stöcke, entstehen. Der Kalkstein (auch der Marmor zum Teil) ist von muscheligem, selbst splitterigem, unebenem oder ebenem bis feinerdigem Bruch, meist matt und durchsichtig, selten schimmernd und in Splittern und an den Kanten durchscheinend, rein weiß, meist aber grau, schwarz, gelb, braun, rot in verschiedenen Nüancen, einfarbig oder gefleckt, gewölkt, gestreift, geadert, nicht selten von weißen Kalkspatadern durchsetzt, oft Versteinerungen führend; die eingeschlossenen Muschelschalen, Krinoideenstielglieder, Korallen (Muschel-, Krinoideen-, Korallenkalk) bestehen häufig aus weißem oder von der Grundmasse verschieden gefärbtem K., und die Muscheln selbst zeigen in manchen Kalken noch Perlmutterglanz und buntes Farbenspiel (Muschelmarmor, Lumachellenkalk). Überhaupt nennt man derartigen schön gefärbten, politurfähigen K. im gewöhnlichen Leben Marmor. K. mit ruinenartigen Zeichnungen ist der sogen. Florentiner Marmor, mit baumartigen von Eisen- und Mangandendrilen dendritischer