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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kalmus, falscher - Kalotte.

Clusius den ersten K., den er aus Konstantinopel erhalten, bei Wien; die Pflanze verbreitete sich dann sehr schnell und akklimatisierte sich überall, aber noch 1725 galt sie als ausländische Drogue und kam zum Teil aus Indien.

Kalmus, falscher, s. Iris.

Kalnoky, Gustav Siegmund, Freiherr von Körös-Patak, Graf, österreich. Staatsmann, geb. 29. Dez. 1832 auf Lettowitz in Mähren aus einem alten Adelsgeschlecht, das in Siebenbürgen ansässig war, schon im 14. Jahrh. genannt wird, 1697 in den ungarischen Grafenstand erhoben wurde und sich später in zwei Linien, eine mährische und eine siebenbürgische, teilte. Der erstern, welche in Mähren die Herrschaft Lettowitz und das Gut Zielc besitzt, gehört K. an, der zweite Sohn des Grafen Gustav K. Er trat nach Vollendung seiner Studien in das 2. Husarenregiment, schied aber 1854 als Oberleutnant aus der aktiven Armee aus und trat in den diplomatischen Dienst über. Er wurde zuerst Attaché bei der österreichischen Gesandtschaft in München, 1857 in Berlin und 1860 als Legationssekretär nach London versetzt. Hier blieb er zehn Jahre, während welcher er in der Armee zum Oberstleutnant, in der diplomatischen Laufbahn zum Botschaftsrat aufrückte. Nachdem er nach seiner Abberufung von London 1870 eine Zeitlang in Rom thätig, dann aber zur Disposition gestellt worden war, wurde er 1874 zum Gesandten in Kopenhagen und 1880 zum Botschafter am russischen Hof ernannt an Stelle des Barons v. Langenau, den er schon seit 1879 in Petersburg vertreten hatte. 1879 erhielt er auch Generalsrang. Nach dem Tod Haymerles ernannte ihn der Kaiser 21. Nov. 1881 zum gemeinschaftlichen Minister der österreichisch-ungarischen Monarchie für die auswärtigen Angelegenheiten. K., der sich den Ruf eines sehr geschickten und wohlunterrichteten Diplomaten erworben hatte, wurde namentlich deshalb mit der Leitung der äußern Politik betraut, weil er das Zusammengehen Österreich-Ungarns und Deutschlands mit Rußland für die beste und besonders für die Aufrechthaltung des europäischen Friedens notwendige Politik hielt. Es gelang ihm auch, die guten Beziehungen zwischen den drei Kaiserreichen aufrecht zu erhalten.

Kalo, s. Colocasia.

Kalobiotik (griech.), "die Kunst, schön zu leben", d. h. ein der sinnlichen und intellektuellen Natur des Menschen angemessenes harmonisches Leben zu führen. Vgl. Bronn, Die K. (Leipz. 1844).

Kalocsa (spr. -tscha), alte Stadt im ungar. Komitat Pest, unweit der Donau, in sumpfiger Gegend, Endpunkt des an die Budapest-Semliner Bahn sich anschließenden Flügels K.-Kiskörös und Sitz eines Erzbischofs, mit schöner Kathedrale, erzbischöflichem Palais und mehreren Klöstern. K. zählt (1881) 15,789 ungar. Einwohner, die zumeist Acker- und bedeutenden Flachsbau betreiben, und hat einen Gerichtshof, ein Seminar, 2 Präparandien, eine Sternwarte und ein Obergymnasium. Das von Stephan dem Heiligen daselbst 1000 gegründete Bistum wurde 1135 von Bela II. zum Erzbistum erhoben.

Kalogeri (griech., "guter Alter", auch Kalojer, Kaluger, Kaludscheren), in der griechischen Kirche Name der Mönche.

Kalokagathie (griech.), ein Begriff der alten Griechen, welcher das Wesen eines Kalokagathos ("schön und gut"), d. h. eines Mannes, wie er sein sollte, bezeichnete, daher s. v. w. sittliche und bürgerliche Vortrefflichkeit.

Kalomel, s. Quecksilberchlorür und Quecksilberhornerz.

Kalong, s. Flederhunde.

Kalonymos ben Kalonymos (auch Maestro Kalo genannt), Arzt und jüd. Gelehrter, geb. 1287 zu Arles in der Provence, lebte in Tarragona, Avignon, Rom, seit 1369 wieder in seinem Geburtsort und übersetzte aus dem Arabischen eine Reihe philosophischer, mathematischer und medizinischer Werke ins Hebräische, so die medizinischen Abhandlungen von Galenos und El Kindi, die Aristotelische Metaphysik, Physik, Topik, Sophistik u. a. von Averrhoes, die für Alfons von Kastilien durch Isak ibn Sid angefertigten astronomischen Tafeln, einen Teil der arabischen Encyklopädie der Wissenschaften oder "Die lautern Brüder". Die in sieben Tagen vollendete Schrift "Iggereth, Baalë chajlm", der Wettstreit über die Vorzüge des Menschen vor dem Tier, ein arabisches Märchen (hebräisch zuerst Mantua 1557 u. öfter), wurde von Landsberger (Darmst. 1882) ins Deutsche übersetzt. Seinen Dichterruhm begründete "Eben Bochan" ("Prüfstein", deutsch von Meisel, hrsg. von Kayserling, Budapest 1878), worin er seinen Zeitgenossen, insbesondere dem Gelehrtenstand einen Spiegel vorhält, während seine Parodie auf die Lehrmethode: "Massechat Purim", bei strenggläubigen Zeitgenossen viel Mißfallen erregte. Seine philosophische Streitschrift "Sendschreiben an Joseph Kaspi" hat Perles veröffentlicht (Münch. 1879). Viele Werke K.' harren noch der Herausgabe. Vgl. Kayserling, Leben K.' (Pest 1878).

Kaloreszénz (lat.), das durch Einwirkung konzentrierter dunkler Wärmestrahlen hervorgerufene Glühen eines Körpers.

Kalorie (franz., v. lat. calor, "Wärme"), s. v. w. Wärmeeinheit, s. Spezifische Wärme.

Kalorifikation (lat.), Wärmeerzeugung.

Kalorik, Lehre von der Wärme.

Kalorimeter (lat.-griech., "Wärmemesser"), s. Spezifische Wärme.

Kalorimetrie (lat.-griech.), derjenige Teil der Wärmelehre, welcher sich mit der Messung von Wärmemengen beschäftigt; s. Spezifische Wärme.

Kalorimotor, s. Deflagrator.

Kalorische Maschinen, eigentlich alle Kraftmaschinen, welche als Triebkraft eine durch Erwärmung herbeigeführte Ausdehnung benutzen; in dem gebräuchlichen engern Sinn jedoch die mit erwärmter Luft und Verbrennungsgasen arbeitenden Maschinen; s. Feuerluftmaschinen, Gaskraftmaschine und Heißluftmaschinen.

Kaloriska, s. Heißluftmaschinen.

Kalospinthechromokrene (griech., "Schönfunkenfarbenquelle"), ein künstlich beleuchteter und dadurch in schönen Farben funkelnder Springquell.

Kalotte (franz.), ein im 15. und 16. Jahrh. übliches eng anliegendes Käppchen, besonders der Geistlichkeit, angeblich durch Karl VII. von Frankreich eingeführt, der auf Verlangen der Geistlichkeit kurz geschornes Haar trug und diese Haartracht trotz der entgegengesetzten Sitte der Zeit bei seinem Hof einführte. Später war K. Schimpfwort für die Pfaffen und das Priesterregiment. Dieselbe Benennung hatten aber auch schon die wattierten Kappen, welche man unter den Helmen trug, und in der Reformationszeit wurde dieselbe auch auf eine anliegende Kopfbedeckung der Frauen übertragen; daher auch in der Baukunst eine flache Kuppel. In der Mathematik Bezeichnung der gekrümmten Oberfläche eines Kugelsegments oder Kugelabschnitts.