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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kamel; Kamelgarn; Kamelhaar; Kämelhaar; Kamelhalsfliege; Kamelie; Kamelien; Kameliendame

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Kamel - Kameliendame.

hat es stets einen so schwerfälligen Gang, daß ein schnelleres Reisen damit unmöglich ist. Dabei ist es aber gutartiger als das Dromedar, welchem es in seinen übrigen Eigenschaften durchaus gleicht. Es gedeiht am besten bei dürrem, salzreichem Futter und geht auf üppiger Weide ein. Nach 13monatlicher Tragzeit wirft das Weibchen ein Junges, welches wie das des Dromedars sich entwickelt. Das Trampeltier paart sich auch mit dem Dromedar, und die bald ein-, bald zweihöckerigen Jungen sind unter sich und mit ihren Erzeugern fruchtbar. Ein kräftiges Trampeltier legt mit 220-270 kg belastet täglich 4-5 Meilen, weniger stark belastet die doppelte Strecke zurück. Man benutzt es aber meist nur im Winter und läßt ihm im Sommer mehr oder weniger Freiheit in der Steppe, wo nur die Stuten täglich fünfmal zusammengetrieben und gemolken werden. Außer der Milch benutzt man auch das Fleisch, die Wolle und das Fell, aus welchem die Türken Chagrin bereiten. Das Trampeltier mögen die Israeliten gekannt haben, jedenfalls die Assyrer, bei denen es, wie der Obelisk von Nimrud durch Bild und Inschrift lehrt, Salmanassar II. als Tribut erhalten hatte. Vielfach wurden beide Arten auch im Krieg benutzt, bei den Arabern waren die Kamele meist mit zwei Bogenschützen bemannt, im persischen Heer spielte die Kamelreiterei eine bedeutende Rolle, sie entschied die Schlacht vor Sardes, und auch im Heer des Antiochos gab es zahlreiche arabische Kamelreiterei. Die Perser legen ihm einen schweren Sattel auf, welcher als Lafette für leichtes Geschütz dient. In neuerer Zeit errichtete Napoleon I. in Ägypten ein Regiment Kamelreiter, und in der Folge haben die Franzosen in Algerien wiederholt das K. benutzt. Auch die Engländer haben bei der Sudânexpedition 1885 eine Kamelreiterei organisiert. Die Völker des Sudân, die Tuareg und Tibbu in der Sahara und manche Nomadenstämme Arabiens bedienen sich der Kamele als Reittiere. Vgl. Carbuccia, Du dromadaire comme bête de somme et comme animal de guerre (Par. 1853); Vallon, Mémoire sur l'histoire naturelle du dromadaire (das. 1857); Hartmann, Studien zur Geschichte der Haustiere ("Zeitschrift für Ethnologie" 1860 u. 1870).

Der Bibelspruch, nach welchem ein K. eher durch ein "Nadelöhr" geht, als daß ein Reicher in den Himmel kommt, erklärt sich in der Weise, daß in der von Christus gesprochenen jüdisch-aramäischen Sprache das Wort, welches das Nadelöhr bezeichnet, die allgemeine Bedeutung Loch, Höhlung hat und somit von Eingängen gebraucht werden konnte, durch welche das K. in der That nur mit großer Not hindurchkommt.

Kamel, eine Maschine, die dazu dient, Schiffe zu heben und über Untiefen zu bringen, eine Erfindung des russischen Ingenieurgenerals de Witte; wird häufig zwischen Kronstadt und Petersburg angewandt. Ein K. ist eine Art Kasten, dessen Boden und dessen äußere Seitenwände gerade sind, wogegen die innern Seitenwände nach der Mitte des Bodens zu gekrümmt sind, damit ein Schiff mit seinem untern Teil hineinpaßt. Dieselben sind sehr stark gebaut und haben eine Dampfpumpe. Soll ein Schiff mit einem oder mehreren solcher Kamele über eine flache Stelle, wie z. B. die Kurve der Newa, gebracht werden, so wird vermittelst der im untern Teil des Kamels befindlichen Schleusen so viel Wasser hineingelassen, daß dasselbe sinkt. Hierauf wird das Schiff über dem K. befestigt und durch die Dampfpumpe das Wasser aus dem K. herausgepumpt. Das K. steigt dann wieder und hebt, unter dem Boden des Schiffs angekommen, dieses vermittelst seiner ungeheuern Tragfähigkeit. Bei sehr großen Schiffen werden zwei, auch drei solcher Kamele angewendet. Dieselben haben Ähnlichkeit mit schwimmenden Docks (s. Dock), welche an den Enden offen sind. Hat das Schiff die flache Stelle passiert, so wird durch Öffnen der Schleusen das K. wieder zum Sinken gebracht, und man kann das Schiff, sobald es selbst wieder schwimmt, aus dem K. herausbringen. Heutzutage werden die Kamele mit den gehobenen Schiffen durch Dampfer über die flache Stelle bugsiert. Die von W. Bauer zum Heben versunkener Schiffe benutzten Kamele waren Ballons, welche von Tauchern am Schiff befestigt und mit Hilfe einer Luftpumpe und eines Schlauchs mit Luft gefüllt wurden.

Kamel (Alkamil), Sohn Aladils, des Bruders Saladins, wurde 1218 nach seines Vaters Tod Sultan von Ägypten, das er bereits als Statthalter regiert hatte, schloß 1221 das Kreuzheer ein, welches nach Eroberung von Damiette gegen Kairo vordrang, bewilligte ihm aber gegen Räumung der eroberten Stadt freien Abzug. Als er darauf mit seinem Bruder Almuazzam von Damaskus in Krieg geriet, knüpfte er 1228, tolerant und einsichtig, wie er war, mit Kaiser Friedrich II. Unterhandlungen an und schloß mit ihm 18. Febr. 1229 einen Vertrag, durch welchen er die heiligen Orte in Palästina an den Kaiser abtrat, während er selbst nach Besiegung seiner Verwandten die Herrschaft über Syrien gewann. Er schloß darauf mit Friedrich, den er vor den bösen Anschlägen der vom Papst aufgehetzten Ordensritter warnte, einen zehnjährigen Frieden, vor dessen Ablauf er 8. März 1238 starb.

Kamelgarn, Garn aus dem Haar der Angoraziege, s. Ziege.

Kamelhaar, die Wolle des Kamels oder Dromedars, wird vom Rücken, Hals und Bauch der Tiere gewonnen und als Spinnstoff benutzt. Das Rückenhaar ist das beste, und von verschiedenen Färbungen (schwarz, rot und grau). Man verarbeitet es meist in den Produktionsländern, von denen Persien die geschätzteste Ware liefert. Aus dem besten K. erhält man ziemlich gute, aber glanzlose Kamelotte, aus der geringern Sorte gröbere Zeuge, Filzdecken etc. In Frankreich und England benutzt man es in der Hutmacherei und zu Pinseln.

Kämelhaar, das Haar der Angoraziege, s. Ziege.

Kamelhalsfliege (Rhaphidia L.), Insektengattung aus der Familie der Sialidae Burm. und der Ordnung der Netzflügler, Tiere mit breitem, herzförmigem, hinten zu einem dünnen Hals verengertem, leicht geneigtem, äußerst beweglichem Kopf, seitlich hervortretenden Augen, kurzen, dünnen Fühlern, stark verlängertem, schmalem Prothorax und in der Ruhe dachförmig aufliegenden Flügeln. Die dickfühlerige K. (R. crassicornis Schumm.), 8 mm lang, mit dunkel rotbraunem Mal in den sonst glashellen Flügeln, ohne Nebenaugen, das Weibchen mit langer, aufwärts gebogener Legröhre, lebt an Baumstämmen von Insekten und ist äußerst beweglich. Die Larve lebt im Moos und in den Flechten der Baumrinde oder unter dieser, ist vorn braun, hinten hell gestreift und sehr beweglich; sie überwintert und verpuppt sich im Frühjahr. Die Puppe gleicht bis auf die fehlenden Flügel der Imago und verwandelt sich in diese am 11. oder 13. Tag. S. Tafel "Netzflügler".

Kamelien, s. Andropogon.

Kamelie (Kamellie), s. Camellia.

Kameliendame (franz. dame aux camélias), Titel eines Romans und eines Dramas von A. Dumas dem jüngern; danach s. v. w. Dame der Halbwelt.