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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kammquallen - Kampanulinen.

pliziertem Bau. Einzelne Arten sondern einen Byssus ab, andre sind mit der gewölbten Klappe festgewachsen, während die Gattung Pecten sich durch rasches Öffnen und Schließen der Schale wie fliegend vom Boden hoch zu erheben und eine Strecke weit fortzubewegen vermag. Alle K. sind Bewohner des Meers; viele sind eßbar und werden wegen des feinen Geschmacks ihres Fleisches höher als Austern geschätzt. Die Schalen einiger größerer Arten werden als Schüsseln für feines Ragout benutzt, mit andern schmückten aus dem Orient heimkehrende Pilger Hut und Kleid (daher Pilgermuschel). S. auch die Abbildung von Lima auf Tafel "Triasformation I".

Kammquallen, s. Ktenophoren.

Kammrad (Stirnrad), ein Zahnrad, bei welchem die Zähne in der Ebene des Rades, also radial von der cylindrischen Außenfläche, abstehen. Das Wort K. wird meist nur für holzverzahnte Räder benutzt, da die Holzzähne auch Kämme heißen.

Kammschupper, s. Fische, S. 298.

Kammweberei, das Weben gemusterter Stoffe mit Hilfe von Schäften und Tritten.

Kammwolle, s. Wolle.

Kamnitz, Stadt, s. Böhmisch-Kamnitz.

Kamönen, s. Kamenen.

Kamor, s. Säntis.

Kamp, eingefriedigtes oder mit einem Graben umzogenes Feldstück; auch wohl s. v. w. aufgerissenes Stück Land, z. B. ein Eichelkamp, wo Eicheln anfliegen sollen.

Kamp, Fluß in Niederösterreich, entsteht aus dem Großen und Kleinen K. im Weinsberger Wald, fließt erst östlich, dann südlich und mündet nach 135 km langem Lauf bei Grafenwörth links in die Donau. Das Kampthal ist sehr reich an Naturschönheiten.

Kamp, niederländ. Dorf, s. Kamperduin.

Kampagnard (franz., spr. -pannjar), Landmann.

Kampagne (franz., spr. -paunje), Feld, Gefilde; auch Landaufenthalt; auch s. v. w. Feldzug; endlich die Dauer einer Betriebsperiode bei gewerblichen Unternehmungen, wie Zuckerfabriken, Eisenhütten etc.

Kampanen (ital., "Glocken"), in die Umfassungsmauern von Burgen und Stadtbefestigungen, oft in mehreren Stockwerken und galerieartig fortlaufend eingebaute Nischen mit Schießscharten zur Grabenverteidigung. Dürer hat sie vielfach angewendet.

Kampange, Aufbau auf Achterdeck hinter dem Kreuzmast, der auf Handelsschiffen dem Kapitän zur Wohnung dient.

Kampanien (lat. Campania, "Ebene"), im Altertum Landschaft auf der Westküste von Italien, umfaßte die Ebene, welche sich vom Gebirge Massicus im N. südwärts bis zur gebirgserfüllten Halbinsel von Surrentum (Sorrent) erstreckt und nordwestlich von Latium, nordöstlich von Samnium und südöstlich vom Lande der Picentiner begrenzt wurde (s. Karte "Italien zur Zeit des Kaisers Augustus"). Sie entspricht ungefähr den heutigen Provinzen Napoli und Caserta. Am Fuß des Mons Massicus (Monte Massico) breitete sich der durch vorzügliches Weingewächs berühmte Falernus ager aus; nordöstlich von Cumä liegt der Mons Gaurus (Monte Gaudo), nördlich von Capua der Mons Tifata mit einem Tempel der Diana, ostwärts von Neapel der feuerspeiende Mons Vesuvius. An der Küste ragt das Promontorium Misenum (Capo Miseno) ins Meer und südöstlich davon das Promontorium Minervae (Punta della Campanella) als Scheide zwischen dem Sinus Cumanus (Krater bei den Griechen, Golf von Neapel) nordwestlich und dem Sinus Paestanus (Meerbusen von Salerno) südöstlich. Der bedeutendste der trüben, langsam strömenden Flüsse hieß Volturnus (Volturno); als kleinere Küstenflüsse sind zu nennen der Clanius (Lagno) und Sarnus (Saruo), unweit dessen Pompeji lag. Von den Seen ist nur der berüchtigte Lacus Avernus (Lago di Averno) übrig. Der Lacus Lucrinus, einst der Hafen der Griechenstadt Cumä, war der innerste Teil des Sinus Bajanus, durch einen schmalen Damm vom Meer geschieden und reich an vortrefflichen Austern. K. war fruchtbar und ergiebig im Acker- und Weinbau wie in der Viehzucht und in köstlichen Fischen, dazu lieblich durch mildes und gesundes Klima. Daher besaßen die vornehmen Römer in dieser Landschaft, welche sie Campania felix (das "glückliche K.") nannten, Landgüter und Landhäuser, mit den üppigsten Reizen ausgestattet. Bajä mit seinen Thermen war einst der Mittelpunkt der feinen Welt. Andre Orte waren Cumä (Kyme), Puteoli, Neapolis, die 79 n. Chr. bei einem Ausbruch des Vesuvs verschütteten Städte Herculaneum, Pompeji und Stabiä; ferner Salernum, Volturnum, Surrentum, Liternum, die Hauptstadt Capua, Suessula, Casilinum, Teanum, Cales, Atella, Acerrä, Nola, Abella, Nuceria u. a. Als die frühsten Bewohner der Landschaft erscheinen die ausonischen Osker, die dann den einziehenden gebildetern Völkern erlagen. In uralter Zeit gründete eine griechische Kolonie die durch Gewerbe und Handel blühende Stadt Kyme (Cumä), von welcher wieder die Städte Dikäarchia (Puteoli), Paläopolis, Neapolis u. a. ausgingen. Um 800 v. Chr. erlagen die Osker den eindringenden Tyrrhenern oder Etruskern, welche fast 400 Jahre lang K. beherrschten, und dann zwischen 440 und 420 dem waffengeübten, kräftigen Bergvolk der Samniter, welche die eigentlichen Gründer des Staats K. wurden. Doch nach weniger als 100 Jahren schon (343) mußte es, von neuem durch die Samniter bedrängt, sich dem Schutz und der Oberhoheit Roms unterwerfen. Als in der Völkerwanderung Roms Macht zertrümmert wurde, hielten sich die Byzantiner nur in einigen Küstenstädten. Im 9. und 10. Jahrh. bestanden im ehemaligen K. die Fürstentümer Benevent, Capua und Salerno; im 11. Jahrh. setzten sich die Normannen hier fest. Über die spätern Schicksale des Landes s. Capua und Neapel. Vgl. Beloch, K., Topographie, Geschichte etc. (Berl. 1879).

Kampanniaceen (Glockenblütler), dikotyle, etwa 800 Arten umfassende, in der gemäßigten und warmen Zone verbreitete Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Kampanulinen, milchsaftführende Kräuter und Stauden mit wechselständigen, seltener gegenständigen Blättern und epigynen, meist fünfzähligen Blüten, deren Blumenkrone oft glockenförmig gestaltet ist und 5 meist freie oder mit den Antheren verklebte, selten verwachsene Staubgefäße umschließt. Der Fruchtknoten besteht aus 2-5 verwachsenen Karpiden und entwickelt sich zu einer mit Löchern aufspringenden Kapsel, die zahlreiche kleine, endospermführende Samen enthält. Vgl. A. De Candolle, Monographie des Campanulées (Par. 1830).

Kampanulinen, Ordnung im natürlichen Pflanzensystem aus der Abteilung der Dikotyledonen, charakterisiert durch fünfzählige, mit Kelch und verwachsenen Blumenblättern versehene Blüten, freie oder unter sich, selten mit der Krone verwachsene, bisweilen unvollzählige Staubblätter und 1-5 zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsene Fruchtblätter, umfaßt nach Eichler die Familien der Kampa-^[folgende Seite]