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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kämpfer - Kampfläufer.

ätherischen Ölen oder entstehen aus solchen. K. wirkt in kleinern Gaben beruhigend, in größern erregend auf das Nervensystem und erstreckt diese Wirkung besonders auf die Nerven der Zirkulations-, Respirations- und Geschlechtsorgane. In größern Gaben ist er giftig; auf die Haut eingerieben, wirkt er reizend, auch hindert er die Fäulnis. Man benutzt ihn als lähmungswidriges, krampfstillendes, resorbierendes Mittel bei Krankheiten des Darmkanals, des Herzens, der Respirationsorgane, bei Nervenkrankheiten, Nymphomanie, Hautkrankheiten, typhösen und brandigen Zuständen, Rheumatismus, als Zahnschmerzmittel etc. Zur Beseitigung roter Wangen tragen junge Damen bisweilen K. auf der Brust. Welke Pflanzen werden wieder frisch, wenn man sie in Wasser stellt, welches ein wenig Kampferspiritus enthält. In der Technik dient K. zur Darstellung von Sprenggelatine, Celluloid, in der Feuerwerkerei, zur Nachtlichterfabrikation, zum Schutz von Pelzwerk, Wolle, Sammlungen von Insekten etc. Die bei weitem größte Menge K. wird in Indien von den Eingebornen verbraucht. Offizinell ist eine Lösung von 1 K. in 7 Spiritus und 2 Wasser als Kampferspiritus, eine Lösung von 1 K. in 9 Olivenöl als Kampferöl und eine Mischung von 1 K., 1 Spiritus, 3 Gummischleim und 45 Weißwein als Kampferwein; auch dient K. zur Darstellung einiger andrer pharmazeutischer Präparate. Eine andre Kampfersorte, der Borneokampfer, Baroskampfer, Borneol, welcher von Dryobalanops Camphora Colebr. gesammelt wird (s. Dryobalanops), ist etwas schwerer als Wasser, weniger flüchtig, schmilzt bei 198°, riecht dem gewöhnlichen K. ähnlich, aber zugleich ein wenig nach Patschuli. Seine Zusammensetzung entspricht der Formel C10H18O ^[C_{10}H_{18}O], und bei Behandlung mit Salpetersäure gibt er Japankampfer, welcher anderseits durch alkoholische Kalilauge in Borneokampfer übergeführt wird. Er wird nur als Räuchermittel bei gottesdienstlichen und andern feierlichen Handlungen in Asien benutzt, in den europäischen Handel kommt er nicht. Eine dritte Kampfersorte, der Ngaikampfer, wird in Kanton aus Blumea balsamifera Dec. (Komposite) gewonnen, hat die Zusammensetzung des Borneokampfers, unterscheidet sich aber von demselben in den optischen Eigenschaften. Er wird in China als Arzneimittel und zum Parfümieren der feinern Tusche benutzt. Unter künstlichem K. versteht man das Produkt der Einwirkung von trocknem Chlorwasserstoff auf Terpentinöl C10H10Cl ^[C_{10}H_{10}Cl], welches farblose Kristalle bildet und kampferartig riecht und schmeckt. Im Altertum war K. in Europa unbekannt; die arabischen Ärzte des Mittelalters, Simon Seth um 1070 und die Äbtissin Hildegard um 1150 erwähnen dagegen den K., und zur Zeit des Paracelsus wurde derselbe allgemein gebraucht. In China scheint zuerst der Borneokampfer bekannt geworden zu sein, welcher dann Veranlassung gab zur Darstellung des Laurineenkampfers aus dem auch in China weitverbreiteten Kampferbaum; gegenwärtig aber wird in China kein Laurineenkampfer dargestellt.

Kämpfer (Impost), in der Baukunst derjenige Teil des Widerlagers eines gewölbten Bogens, worauf der letztere unmittelbar ruht. Bei Brückengewölben bleiben die K. meist glatt; bei Hochbauten mit reicherer Ausstattung werden sie durch vorspringende Platten mit glatter oder profilierter Oberfläche ausgezeichnet, welche als Trennungsglieder von Pfeiler und Bogen erscheinen. Werden dieselben bei einer Bogenstellung fortlaufend angewandt, so bilden sie ein Kämpfergesims. Die Höhe desselben beträgt etwa 1/5-1/10 der Bogenweite, während seine Ausladung ca. 1/3-½ seiner Höhe nicht überschreiten darf.

Kämpfer, Engelbert, Reisender, geb. 16. Sept. 1651 zu Lemgo als Sohn eines Geistlichen, studierte in Königsberg Medizin und ging 1683 als Arzt mit der schwedischen Gesandtschaft nach Rußland und Persien, begab sich von hier 1685 mit einem holländischen Schiff nach Ceylon, Kochin, Bengalen und kam 1689 nach Batavia, von wo er 1690 eine Gesandtschaft der Holländer nach Siam und Japan begleitete. In Japan, um dessen Erforschung er sich die größten Verdienste erwarb, verweilte er zwei Jahre, kehrte 1692 nach Batavia und 1694 in seine Heimat zurück, wurde Leibarzt des Grafen zur Lippe und starb 2. Nov. 1716. K. hat sehr viel geschrieben, doch befindet sich das meiste (darunter die Beschreibung seiner großen Reisen) ungedruckt im Britischen Museum. Das einzige von ihm selbst herausgegebene Werk sind die "Amoenitates exoticae" (Lemgo 1712), eine Reihe ethnographischer und geschichtlicher Abhandlungen. Nach seinem Tod erschien, in englischer Bearbeitung von Scheuchzer, die "History of Japan and Siam" (Lond. 1727, 2 Bde.), sein bekanntestes Werk, das (Lemgo 1777, 3 Bde) von Dohm ins Deutsche zurückübersetzt wurde, und die durch Banks herausgegebenen "Icones selectae plantarum, quas in Japonia collegit" (Lond. 1791). Einen Auszug aus seinem "Diarium itineris ad aulam moscoviticam" ließ Adelung drucken.

Kampferbaum, s. Camphora; ostindischer K., s. v. w. Dryobalanops.

Kampfereis, eine Pomade zur Geschmeidigerhaltung der Haut, eine Mischung aus fettem Mandelöl, Wachs, Walrat und Kampfer, welche mit Rosenwasser und etwas Rosmarinwasser zusammengerieben wird.

Kampferliniment, s. Liniment.

Kampferlorbeer, s. v. w. Kampferbaum.

Kampferöl, s. Kampfer.

Kampferölbaum, s. Dryobalanops.

Kampfersäure, s. Kampfer.

Kampferspiritus, s. Kampfer.

Kampferwein, s. Kampfer.

Kampfgericht, s. Zweikampf und Ordalien.

Kampfläufer (Brausehahn, Burrhahn, Kollerhahn, Machetes pugnax Cuv., s. Tafel "Watvögel I"), Vogel aus der Ordnung der Watvögel und der Familie der Schnepfen (Scolopacidae), 29-32 cm lang, 64 cm breit, mit kopflangem, weichem, an der Spitze nicht verbreitertem Schnabel, hohen, schlanken, weit über die Ferse nackten, vierzehigen Füßen, hoch eingelenkter Hinterzehe, mittellangen, spitzen Flügeln, kurzem, flach gerundetem Schwanz und weichem, meist glatt anliegendem Gefieder. Die Oberflügel sind dunkel braungrau, der Schwanz ist schwarzgrau, schwarz gefleckt, der Bauch weiß; die Augen sind braun, die Füße rötlichgelb, der Schnabel ist grünlichgelb. Das Männchen erhält im Frühjahr einen aus harten, etwa 8 cm langen Federn bestehenden, dunkel gefleckten oder gebänderten Kragen, der den größten Teil des Halses umgibt und auf dunklem, sehr verschieden gefärbtem Grund gebändert oder gefleckt ist, und im Gesicht eigentümliche Warzen, welche im Herbst mit dem Kragen verschwinden. Übrigens weicht die Färbung und Zeichnung der Männchen bei den verschiedenen Individuen außerordentlich ab. Der K. bewohnt größere Sumpfflächen und die Küsten im Norden der Alten Welt und erscheint auf seinem Zug in ganz Europa, Asien und Afrika; bei uns weilt er von Anfang Mai bis Juli oder August. Männchen und Weibchen ziehen getrennt und halten sich auch in der