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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kanadabalsam - Kanal.

1865, 2 Bde.); Dussieux, Le Canada sous la domination française (2. Aufl., Par. 1862); Smith, Wars in Canada from 1755 to the treaty of Ghent 1814 (Lond. 1862); Parkman, France and England in North America (Boston 1865-74, 5 Bde.; Bd. 1 und 2 deutsch, Stuttg. 1875-76); Watson, Constitutional history of Canada (Toronto 1874, Bd. 1); Stewart, Canada under the administration of the Earl of Dufferin (Lond. 1879); Morgan, Bibliotheca canadensis (Ottawa 1867).

Kanadabalsam, ein Terpentin, welcher in Maine und Kanada aus der Balsamtanne (Abies balsamea) gewonnen wird, indem man ähnlich wie bei der Weißtanne Harzbeulen der Rinde öffnet und den ausfließenden Balsam in Gefäßen von eigentümlicher Form auffängt. K. ist im frischen Zustand farblos, wird im Alter gelblich und erstarrt endlich, bleibt aber stets klar. Auch unter dem Mikroskop erscheint er völlig durchsichtig und homogen. Er riecht angenehm balsamisch und schmeckt aromatisch, etwas bitter. Das spezifische Gewicht beträgt 0,9984 bei 15°. Von allen Terpentinen unterscheidet sich K. durch sein Lichtbrechungsvermögen, Kartoffelstärke tritt darin mit großer Schärfe hervor, während sie in allen andern Terpentinen verschwindet. Er dient hauptsächlich zur Herstellung mikroskopischer Präparate.

Kanadafaser, s. Asbest.

Kanadathee, s. Gaultheria.

Kanadische Rebe, s. Ampelopsis.

Kanadische Seen, die fünf großen Süßwasserseen zwischen Britisch-Nordamerika und der Union: der Obere See (Lake Superior), Michigan-, Huron-, Erie- und Ontariosee, welche sämtlich miteinander durch Flußläufe verbunden sind. Die Maßverhältnisse sind:

QKilom. QMeilen Höhe ü. M. Meter Tiefe Meter

Oberer See 83627 1518,7 185,7 309

Michigansee 61906 1124,3 179,7 200

Huronsee 61340 1114,0 179,7 300

Eriesee 24586 446,5 174,7 37

Ontariosee 19823 360,0 76,2 220

Diese Höhenangaben zeigen, daß die Seen terrassenförmig übereinander liegen. Der Obere See steht durch den St. Mary's River mit dem Huron in Verbindung, aus dem die breite Straße von Mackinaw westlich in den Michigan, der Fluß St. Clair aber südlich in den St. Clair Lake und den Eriesee führt. Letzterer hängt durch den Niagarafluß, mit den weltberühmten Wasserfällen, mit dem Ontariosee zusammen, welcher den St. Lorenzstrom in den Atlantischen Ozean schickt. Die in den verbindenden Flüssen vorkommenden Wasserfälle oder Stromschnellen sind durch Kanäle umgangen, so daß Schiffe ungehindert vom äußersten Ende des Obern Sees bis ins offene Meer gelangen können. Selbstverständlich sind diese großen Seen infolge von Winden, Regen und wechselndem Luftdruck einigen Schwankungen ausgesetzt, aber J. D. ^[James Duncan] Graham hat durch sorgfältige Beobachtungen festgesetzt, daß sie auch Gezeiten haben, wenn auch der Unterschied zwischen Ebbe und Flut nur 77 mm beträgt.

Kanadol (Canadol), s. Erdöl, S. 767.

Kanagawa, eine der seit 1859 den Europäern eröffneten Hafenstädte auf der japanischen Insel Nippon, an der Bai von Jedo, jetzt mit dem nahen Jokohama (s. d.) zu einem Handelsplatz verschmolzen. Hier wurde 1854 der Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Japan geschlossen, der letzteres nach mehr als 200jähriger Abschließung wiederum dem europäischen Handel öffnete.

Kanaille (franz., spr. -náj), Hundevolk, Hunde- oder Lumpenpack, Straßenpöbel, Janhagel; auch verächtliche Bezeichnung einer einzelnen Person, Schurke, Spitzbube; jemand en canaille behandeln, wegwerfend, verächtlich behandeln; kanaillös, niederträchtig, spitzbübisch.

Kanaken ("Menschen"), die eingeborne Bevölkerung der Sandwichinseln (s. Hawai); auch s. v. Polynesier überhaupt.

Kanal (das Mare Britannicum der Alten, bei den Franzosen la Manche [Ärmelmeer], bei den Engländern English Channel oder auch bloß Channel genannt), der Teil des Atlantischen Ozeans, welcher, von Englands Süd- und Frankreichs Nordküste begrenzt, jenes Meer mit der Nordsee verbindet. Seine Länge beträgt 500 km. An seiner schmälsten Stelle, der sogen. Straße von Dover oder dem Pas de Calais (das Fretum Gallicum oder Britannicum der Alten), ist der K. nur 33 km breit, am westlichen Ausgang aber 156 km. Auf der französischen Seite sind drei bemerkenswerte Einbiegungen: die Basurelle de la Somme, zwischen den Kaps Gris Nez und d'Antifer, mit der Sommemündung; die Seinebai, zwischen dem letztgenannten Kap und der Pointe de Barfleur, mit den Mündungen der Seine und Orne, und die große Normännische Bai, zwischen Cap de la Hague und den Klippen Les Héaux, mit ihren Unterabteilungen, den Baien von St.-Michel, Frenay und St.-Brieuc. In ihr liegen die zu England gehörigen Kanalinseln (s. d.). An der ganzen französischen Küstenstrecke befindet sich kein einziger natürlicher Hafen von Bedeutung, denn die von Cherbourg und Havre sind Werke der Kunst, die übrigen aber Flußmündungen, welche nur zur Flutzeit für größere Schiffe zugänglich sind. Am Pas de Calais erheben sich, wie an der gegenüberliegenden britischen Küste, Kreidefelsen mit den Vorgebirgen Gris Nez und Blanc Nez. Auch weiter nach S. hin bildet die Küste steile Felswände (Falaises), in der Seinebai aber verflacht sie sich mit vorgelagerten Sandbänken. Die Bretagne hat meist Steilküste, die von zahlreichen Klippen eingefaßt ist. Die englische Küste ist mannigfaltiger gegliedert als die französische. An größern Einbuchtungen findet man hier die Mountsbai, westlich vom Kap Lizard, die Lymebai zwischen Start Point und dem vorspringenden Bill of Portland, die Poolebai und die durch die Insel Wight geschützte berühmte Reede von Spithead, welche zu dem tiefen, Southampton Water genannten Meeresarm führt. Unter den natürlichen Häfen verdienen namentlich die von Plymouth und Portsmouth Erwähnung. Großartige Kunsthäfen hat man bei Weymouth und Dover geschaffen. Im Pas de Calais beträgt die größte Tiefe 57 m, am westlichen Ausgang des Kanals 120 m, an seiner tiefsten Stelle, nicht weit von der Insel Alderney, aber 174 m. Die Flut tritt gleichzeitig vom Atlantischen Ozean und von der Nordsee her in den K. ein, und die Ausfahrt aus demselben ist daher bei starkem Westwind schwierig. Die Meeresströmung ist vorwiegend östlich und häuft Sand- und Schlammmassen an der französischen Küste an, durch welche die Flußmündungen verstopft werden. Zahlreiche Leuchttürme und Leuchtschiffe erleichtern die sehr lebhafte Schiffahrt. Der berühmteste Leuchtturm ist der auf Eddystone (s. d.), Plymouth gegenüber. - Das schon länger angeregte Projekt, England und Frankreich vermittelst eines unterseeischen Eisenbahntunnels (Kanaltunnels) zu verbinden, ist durch 1866 angestellte Bohrungen als ausführbar erwiesen, und man hat in der That