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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kannelieren; Kannelkohle; Kannenbäckerland; Kannenkraut; Kannenstaude; Kannetjes; Kannibalen; Kannstatt

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Kannelieren - Kannstatt.

Gymnasium in Prenzlau, 1822 Direktor des Friedrichsgymnasiums in Breslau und lebte später als Privatgelehrter in Berlin, wo er 14. Sept. 1861 starb. Als selbständiger Dichter sowohl in seinen "Gedichten" (Bresl. 1824) als in seinen Dramen ("Schauspiele für die Jugend", Berl. 1844-49, 12 Bdchen.) u. a. ohne höhere Bedeutung, erwarb er sich durch zahlreiche poetische Übersetzungen aus dem Italienischen, Provençalischen, Englischen, Lateinischen etc. wohlverdienten Ruf. Wir nennen davon: "Beaumonts und Fletchers dramatische Werke" (Berl. 1808, 2 Bde.); Dantes "Göttliche Komödie" (Leipz. 1809-21; 5. Aufl., das. 1873) und "Lyrische Gedichte" (mit Witte, das. 1827, 2. Aufl. 1842); "Leopardis Gesänge" (das. 1837); "Heliand" (Berl. 1847) und "Gedichte der Troubadours" (Tübing. 1852, 2. Aufl. 1855) etc.

Kannelieren (franz., v. canne, "Rohr"), den Schaft einer Säule oder eines Pilasters lotrecht mit rillenförmigen Vertiefungen (Kannelüren) versehen, deren 20-24 um eine Säule, 7-9 auf einem Pilaster angebracht werden, und die denselben ein schlankeres Aussehen geben. Nur bei der dorischen Ordnung stoßen die Kannelüren scharf zusammen (Fig. 1), werden gewöhnlich aus einem gleichseitigen Dreieck konstruiert und laufen oben am Kapitäl in einen Bogen, unten am Abschluß des Schaftes aber frei aus; bei der ionischen und korinthischen Säule sind sie durch eine schmale Fläche (Steg, Fig. 2) getrennt, die 1/3 - ¼ des Durchmessers der Kannelüre breit ist. Bei Säulen mit Füßen schließen sie sich über dem Fuß und unter dem Kapitäl gewöhnlich nach einem ihrer Wölbung gleichen Bogen. Die Kannelüre findet sich schon an den frühsten griechischen Tempeln und ging später auf den dem griechischen Stil nachgebildeten römischen und Renaissancestil über, in welch letzterm sie mit mehreren Abänderungen, z. B. mit eingelegten runden Stäbchen und mit spiralförmig um den Schaft geführten Windungen, vorkommt.

^[Abb.: Fig. 1. Dorische, Fig. 2. Ionische u. korinthische Kannelierung.]

Kannelkohle, s. Steinkohle.

Kannenbäckerland, im Volksmund ein Strich des Engerngaues am westlichen Abhang des Westerwaldes im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, der sich durch die Mächtigkeit (7-10 m) seiner ausgedehnten Thonlager auszeichnet. Dort werden, namentlich in den Dörfern Ransbach, Mogendorf, Grenzhausen, Dernbach, Höhr, Hillscheid etc. in den Ämtern Selters und Montabaur des Kreises Unterwesterwald, alljährlich Millionen von Steingutwaren, Mineralwasserkrügen, feuerfesten Steinen etc. gebrannt und in alle Welt versendet. Dazu kommt eine bedeutende Ausfuhr von Thonschollen in die Steingut- und Porzellanfabriken Deutschlands, Frankreichs, Englands, Skandinaviens, Rußlands etc. In neuerer Zeit brennt man auch große Röhren für Wasserleitungen sowie feinere Gegenstände aller Art.

Kannenkraut, s. Equisetum.

Kannenstaude (Kannenträger), s. Nepenthes.

Kannetjes ("Kännchen"), s. Jakobäa-Kannetjes.

Kannibalen (v. span. Canibal; für Caribe), ursprünglich die menschenfressenden Bewohner der Karibischen Inseln; daher überhaupt s. v. w. Menschenfresser, wilde, grausame Menschen. Daraus entstand kannibalisch und Kannibalismus (vgl. Anthropophagie).

Kannstatt (Cannstatt, Canstatt), Oberamtsstadt im württemberg. Neckarkreis, zu beiden Seiten des Neckar, 4 km von Stuttgart, mit dem es durch ein besondere Pferdebahn verbunden ist, in fruchtbarer, lieblicher Gegend, Knotenpunkt der Linien Bretten-Friedrichshafen und K.-Nördlingen der Württembergischen Staatsbahn, 220 m ü. M., hat in den neuern Stadtteilen schöne Straßen, eine evangelische (von 1471) und eine kath. Pfarrkirche, 2 Brücken über den Neckar, schöne Anlagen um den Kursaal mit einem Reiterstandbild des Königs Wilhelm und (1885) 18,031 meist evang. Einwohner. Die Industrie ist ziemlich lebhaft. K. besitzt eine große Eisenbahnreparaturwerkstätte, mehrere Eisengießereien und Maschinenfabriken, eine Fabrik für Blechwaren, Feuerrequisiten, elektrotechnische Apparate, Stühle, eine mechanische Weberei, Wollspinnerei, Tuch-, Tabaks- und Korsettfabrikation, Ziegeleien und vortrefflichen Obst- und Weinbau. Besondere Bedeutung erhält K. durch seine Mineralquellen (etwa 30 an der Zahl) und Heilanstalten. Von den erstern sind der Wilhelmsbrunnen, der Sprudel und die Inselquelle die wichtigsten. Es sind kohlensäurereiche, eisenhaltige Kochsalzwässer, sogen. muriatische Eisensäuerlinge. In 10,000 Gewichtsteilen enthalten:

Wilhelmsbrunnen Sprudel Inselquelle

Chlornatrium 20,104 20,447 24,980

Schwefelsaures Natron 3,850 2,925 -

" Kali 0,425 0,622 0,820

Schwefelsaure Magnesia 5,007 3,902 4,777

: 9,282 7,449 5,597

Schwefelsauren Kalk 8,509 9,399 12,946

Kohlensauren Kalk 10,574 10,690 9,296

: 19,083 20,089 22,242

Kohlensaures Eisenoxydul 0,173 0,122 0,148

Feste Bestandteile: 48,642 48,107 52,967

In einem Volumen Mineralwasser (bei einem Barometerdruck von 27'' und 17° C. Temperatur) enthält der Wilhelmsbrunnen 0,846, der Sprudel 0,908 und die Inselquelle 0,964 Kohlensäure, die Temperatur beträgt 15-17° C. Die Quellen sind besonders gegen Katarrhe der Schleimhäute, Unterleibsleiden aller Art, fehlerhafte Blutmischung und Schwächezustände des Nervensystems zu empfehlen und werden innerlich und äußerlich gebraucht, auch zu 31-34° C. erwärmt getrunken. Daneben werden vielfach Molken angewendet. Schon die Römer kannten und benutzten die Quellen, wie die Ausgrabung eines römischen Bades und andrer Altertümer in der Nähe von K. bezeugen. Den heutigen Aufschwung und zahlreichen Fremdenbesuch verdankt der Ort dem König Wilhelm. Von den Heilanstalten sind die Veielsche Flechtenheilanstalt und eine Wasserheilanstalt, verbunden mit Sanatorium für Nervenkranke, bemerkenswert. K. ist Sitz eines Amtsgerichts, eines Hauptsteueramtes, hat ein Lyceum, eine Realanstalt, eine höhere Töchter- und eine Musikschule, zahlreiche Töchterpensionate und ein Sommertheater. Bei Gelegenheit des auf dem Wasen zwischen Berg und K. alljährlich 28. Sept. gefeierten Volksfestes finden auch Pferde-^[folgende Seite]

^[Abb. Wappen von Kannstatt.]