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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kantharidensalbe; Kantharidin; Kantharos; Kanthölzer; Kantilene; Kantillation; Kantillen; Kantine; Kanton

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Kantharidensalbe - Kanton.

einer Lösung von 20 Teilen Hausenblase in 200 Teilen Wasser und 50 Teilen Spiritus überzogen worden war. Dies Pflaster wird meist gegen Zahnschmerzen hinter dem Ohr getragen; auf zarter Haut zieht es ebenfalls eine Blase.

Kantharidensalbe (Reizsalbe, Spanischfliegensalbe, Unguentum cantharidum) wird erhalten, indem man 2 Teile Kantharidenpulver mit 8 Teilen Provenceröl 10 Stunden im Dampfbad digeriert, dann filtriert und das Filtrat (7 Teile) mit 3 Teilen gelbem Wachs zusammenschmelzt. Sie dient zum Offenhalten von Blasen, die durch Kantharidenpflaster erzeugt sind, zur Beförderung der Eiterung etc. Die Scharfe Salbe (Hufsalbe, U. acre) ist eine Mischung aus 15 Teilen gelbem Wachs, 30 Teilen Kolophonium, 60 Teilen Terpentin, 250 Teilen Schmalz, 50 Teilen gepulverten Spanischen Fliegen und 10 Teilen Euphorbiumpulver. Sie wird in der Veterinärpraxis (aber nicht bei Hufkrankheiten) benutzt.

Kantharidin, s. Kantharide.

Kantharos, becherartiges Trinkgeschirr der alten Griechen, mit weit ausgeschweiften Henkeln, dem Dionysos eigen (s. Abbildung).

^[Abb.: Kantharos (Becher).]

Kanthölzer (Eckhölzer, Balken), Nutzholz, welches durch das Beschlagen mit vier Flächen versehen ist und gewöhnlich ein Rechteck, bisweilen ein Quadrat zum Querschnitt hat.

Kantilene (ital. Cantilena), s. v. w. Melodie, eine längere gesangreiche Stelle in einer größern Komposition. In Italien ist Cantilena s. v. w. Gassenhauer, abgedroschenes Lied.

Kantillation (lat.), der singende Vortrag, besonders das singende Ablesen der Kollekten, Responsorien und andrer geistlicher Texte vor dem Altar.

Kantillen (spr. -tilljen, franz. Cannetilles, auch Bouillon), ein Fabrikat aus feinem, schraubenartig zu einem Röhrchen gewundenem Draht, wird zum Sticken, bei der Verfertigung von Borten, Quasten, Epauletten etc. gebraucht. Man verarbeitet zu K. teils echten, teils unechten, runden oder geplätteten Gold- oder Silberdraht. Jener liefert die matten K., der geplättete Draht (Lahn) die Glanzkantillen. Zur Darstellung der K. wickelt man diesen Draht in einfacher Schraubenlage auf eine Nadel, welche durch ein gewöhnliches Spulrad in schnelle Umdrehung versetzt wird. Ist die Nadel voll, so schiebt man den Draht zum Teil herunter und fährt dann mit der Arbeit fort, so daß K. von beliebiger Länge gebildet werden können. Die Stärke der Nadel richtet sich ganz nach dem Zweck, zu welchem die K. bestimmt sind. Ist die Nadel kantig, so erhalten die K., welche sich beim Herabnehmen von der Nadel durch die Elastizität des Drahts etwas ausrollen, ein schraubenartiges Ansehen (krause K., Krausbouillon).

Kantine (franz.), eigentlich Feldflasche; jetzt die gebräuchliche Bezeichnung für das in den Kasernen eingerichtete Verkaufslokal, in dem die Soldaten ihre kleinen Bedürfnisse an Lebensmitteln, Putzmaterial etc. gut und billig kaufen können. Die Kantinen stehen unter Kontrolle von Kommissionen der betreffenden Truppenteile und werden meist verheirateten, invaliden Unteroffizieren übertragen.

Kanton (franz.), Landbezirk, Unterabteilung eines größern Bezirks, speziell in Frankreich Bezeichnung für die aus mehreren Gemeinden bestehenden Unterabteilungen des Arrondissements; in der Schweiz, wo der Name seit der Mitte des 16. Jahrh. den ältern Namen "Ort" allmählich verdrängte, Bezeichnung für die einzelnen (selbständigen) Bundeslandteile der Eidgenossenschaft; daher Kantönligeist etc., s. v. w. engherziger Provinzialgeist etc. Über K. in militärischer Beziehung s. Kantonverfassung.

Kanton (Canton, chines. Kuang-tschou-fu), Hauptstadt der chines. Küstenprovinz Kuangtung, am Perlfluß, etwa 144 km von seiner Mündung entfernt. Die Bevölkerung, von einigen auf 1½ Mill. geschätzt, beträgt wahrscheinlich kaum die Hälfte dieser Zahl. K. ist die Wiege des europäischen Handels in China, indem hier vor dem großen Opiumkrieg mit den Engländern (1841) sich der Verkehr mit dem Westen konzentrierte. Da der letztere sich jetzt auf eine große Anzahl Vertragshäfen verteilt, so hat K. viel von seiner frühern Wichtigkeit verloren, wozu die Existenz des blühenden englischen Freihafens Hongkong wesentlich beiträgt. Trotzdem ist K. die wichtigste Stadt des südlichen China. Die europäische Niederlassung befindet sich auf einer kleinen, der südlichen Vorstadt vorgelagerten Insel des Perlstroms, Namens Schamien. Die dort ansässigen Firmen sind jedoch seit einigen Jahren nur noch Filialen ihrer Häuser in Hongkong, von wo aus der größte Teil der kantonesischen Produkte verschifft wird. Ein eigentümliches Gepräge gibt K. das Leben auf dem Wasser des Perlflusses. Derselbe ist breiter als die Themse bei London, bis 7 m tief und stets bedeckt mit Schiffen aller Art. Die kleinen Boote werden von armen Familien von Fischern, Wäschern, Unterhändlern u. dgl. bewohnt, welche darauf ihren ganzen Hausrat, sogar einen kleinen Götteraltar mitführen; die größern Dschonken sind dagegen oft mehrere Stockwerke hoch und an der Landungstreppe häufig mit Zierpflanzen nett geschmückt. Andre große, bunt gemalte, reichvergoldete Boote werden Blumenboote genannt; Frauen und Freudenmädchen treiben darin ihr Wesen. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Chinesenstadt gehören einige Tempel, so jener der "fünf Genien" und der "fünfhundert Genien", des

^[Abb.: Situationskärtchen von Kanton, Makao, Hongkong.]