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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kapgummi - Kapillarität.

und des Studienrats, 1852 Stiftsprediger in Stuttgart, wo er als Prälat und Oberkonsistorialrat am 1. Sept. 1879 starb. Von seinen zahlreichen Schriften haben seine Predigten und Erbauungsschriften große Verbreitung gefunden, besonders das "Kommunionbuch", das "Kleine Kommunionbuch", "Gebetbuch"; ferner die "Predigten über die alten Evangelien des Kirchenjahrs" (3. Aufl., Stuttg. 1875), "Predigten über die alten Episteln" (6. Aufl., das. 1880) und "Kasualreden" (das. 1880). Auch schrieb er: "Die württembergischen Brüdergemeinden Kornthal und Wilhelmsdorf" (Stuttg. 1839). Vgl. C. Kapff, Lebensbild von Sixt Karl K. (Stuttg. 1881, 2 Bde.).

Kapgummi, eine Sorte des Gummi arabikum vom Kap.

Kaphaus, s. Kappflanzen.

Kapidschi (türk.), am türk. Hof Thorwärter, die unterste Garde des Serails, welche, 50 Mann auf jedem Posten, die äußern Thore bewacht, auch die Einladungen zu Festen und andre Befehle ausrichtet.

Kapieren (lat.), fassen, begreifen.

Kapillar (lat.), in der Weise von Haaren, haarfein, auf Haare bezüglich.

Kapillardepression, s. Barometer, S. 386.

Kapillaren (Kapillar- oder Haargefäße, Vasa capillaria), im weitern Sinn äußerst feine Röhrchen (Haarröhrchen), im engern Sinn bei den Wirbeltieren die Verbindungen zwischen den Enden der Arterien und den Anfängen der Venen sowie die Anfänge der Lymphgefäße. Erstere oder die Blutkapillaren sind äußerst dünnhäutige Röhren von so geringer Weite, daß ein rotes Blutkörperchen gerade noch hindurchschlüpfen kann. Sie kommen in fast allen Teilen des Körpers vor (ausgenommen in Knorpel, Oberhaut, Nägeln und Haaren) und bilden überall ein dichtes Netzwerk, in dessen Maschen gleichsam die zu ernährenden Gewebe eingeschaltet sind. Wegen ihrer Feinheit sind sie nur mit Hilfe des Mikroskops erkennbar und erscheinen unter diesem als vollkommen gleichartige, glashelle Röhren, deren Zusammensetzung aus Zellen nicht immer deutlich hervortritt, während die zu den Zellen gehörigen Kerne sich stets scharf abheben. Zwischen den Zellen bleiben hier und da äußerst kleine Lücken (stomata), durch welche sich die weißen Blutkörperchen, wie direkt beobachtet werden kann, unter Umständen hindurchzwängen und so aus dem Blutgefäßsystem auswandern. Die physiologische Bedeutung der K. ist eine ganz hervorragende; während nämlich die Arterien und Venen nur als zuleitende und ableitende Röhren für das Blut dienen, vermitteln die K. alle eigentlichen Ernährungsvorgänge, indem die gelösten Bestandteile des Bluts aus ihnen auf dem Weg der Diffusion (der Exosmose und Endosmose) an die Gewebe abgegeben und andre Stoffe dafür aus den letztern aufgenommen werden. So wird das arterielle Blut, während es durch die K. strömt, in venöses Blut umgewandelt; es bewegt sich übrigens in ihnen in gleichförmigem, ununterbrochenem Strom, jedoch mit etwas wechselnder Geschwindigkeit. Über die venösen K. in der Leber s. d. - Die Lymphkapillaren sind äußerst feine, nur mikroskopisch sichtbare, spaltförmige Hohlräume zwischen den Faserbündeln des Bindegewebes. In diesen Spalten, welche mit einer einschichtigen Lage zarter Zellen ausgekleidet sind, sammelt sich die Gewebsflüssigkeit oder Lymphe an und tritt allmählich in die kleinen Lymphgefäßstämmchen mit besonderer Wandung über (s. Lymphgefäße).

Kapillargefäßgeschwulst, s. Feuermal.

Kapillarität (lat., Haarröhrchenwirkung). Wenn Flüssigkeiten mit festen Körpern in Berührung kommen, so treten verschiedene Erscheinungen ein, je nachdem die Anziehung der Flüssigkeitsteilchen aufeinander (Kohäsion) oder auf die feste Wand (Adhäsion) größer ist. Im letztern Fall breitet sich die Flüssigkeit auf dem festen Körper aus; sie erzeugt keine abgerundeten Tropfen auf demselben, sondern benetzt ihn vollständig. Taucht man den festen Körper in die Flüssigkeit ein, so zieht sie sich an der Berührungsstelle in einer konkaven Kurve über ihre freie Oberfläche hinaus. Die Erklärung dieser Erscheinung liegt nahe. Auf ein Flüssigkeitsteilchen an der Wand wirkt nach unten und senkrecht von der Wand weg die Kohäsion, senkrecht gegen die Wand hin über und unter der Flüssigkeit die Adhäsion. Da nun letztere im angenommenen Fall größer ist als die Kohäsion, so ergibt sich eine Resultante schief in die Wand hinein. Die Oberfläche einer Flüssigkeit aber muß stets auf der dieselbe bildenden Kraft senkrecht stehen, folglich erhält man hier eine Oberfläche schief nach unten von der Wand ab gerichtet. Für die von der Wand entfernter liegenden Flüssigkeitsteilchen wird die Adhäsion immer kleiner, die Resultante nähert sich immer mehr der Richtung senkrecht nach unten, und die Oberfläche wird immer mehr wagerecht. Hieraus ergibt sich die konkave Form der Oberfläche der Flüssigkeit in der Nähe der Wand und zugleich die Bildung des konkaven Meniskus an der Oberfläche der Flüssigkeit in einer engen Röhre. Das entgegengesetzte Verhalten zeigt sich zwischen Flüssigkeiten und festen Körpern, wenn die Kohäsion größer ist als die Adhäsion. In diesem Fall breitet sich die Flüssigkeit auf dem festen Körper nicht aus; sie benetzt ihn nicht, sondern bildet Tropfen auf demselben (wie Quecksilber auf Glas). Taucht man den festen Körper in die Flüssigkeit ein, so zieht sie sich an demselben in einer konvexen Kurve zurück, und in einer engen Röhre bildet sie einen konvexen Meniskus. In diesem Fall steht die Flüssigkeit im engern Rohr tiefer, im ersten Fall höher als in kommunizierenden weitern Gefäßen. Die Hebung oder Senkung ist um so größer, je enger die Röhrchen sind, und da Röhrchen von Haardicke oder noch engere die Erscheinung besonders deutlich zeigen, so nannte man die Ursache derselben K. oder Haarröhrchenwirkung. Man beobachtet an einer Flüssigkeit leicht, daß die äußerste Oberflächenschicht eine größere Kohäsion besitzt als die Flüssigkeit im Innern, wo jedes Teilchen nach allen Seiten gleich stark angezogen wird. Diese gleichen Anziehungen müssen sich gegenseitig aufheben; für die Teilchen an der Oberfläche aber bleiben schließlich viele nach unten wirkende Kräfte übrig, und die Oberflächenteilchen üben deshalb einen Druck auf das Innere der Flüssigkeit aus wie eine über dieselbe gespannte Haut. Diese Spannung ist offenbar für eine konvexe Oberfläche größer als für eine ebene, weil in der erstern weniger nach oben ziehende Teilchen vorhanden sind; sie ist um so größer, je stärker die Oberfläche konvex gekrümmt ist, während sie umgekehrt in einer konkaven Oberfläche kleiner ist als in einer ebenen. Hieraus erklärt sich das Aufsteigen und das Fallen der Flüssigkeit in den Haarröhrchen; denn in denselben ist wegen der konvexen oder konkaven Oberfläche der Flüssigkeit der Druck nach unten größer oder geringer als außerhalb bei ebener Fläche der Flüssigkeit, und folglich muß die Flüssigkeit im Röhrchen sinken oder steigen, bis eine Ausgleichung stattgefunden hat. Im allgemeinen gelten nun folgende Gesetze. Die Haarröhrchenwirkung ist für Röhrchen aus demselben